• 28 Okt 2010 /  Argentinien, Südamerika

    Rosario – Puerto Madryn, 18.10.10 – 28.10.10

     

    RazFaz bewältigen wir die Strecke von Rosario nach Bahía Blanca. Das sind ca. 1000 km aber mit nur 6 schwachen Kurven. Links und rechts nur trockenes, flaches Weide- oder Ackerland und ab und zu eine Getreidesiloanlage. Wir überqueren den Río Colorado und … endlich den Río Negro. Den Río Negro zu überqueren, heisst auch in Patagonien angekommen zu sein. Bis Ushuaia in Feuerland sind es jetzt nur noch ca. 2300 km. Das bedeutet ungefähr die Strecke von Zürich nach Stockholm.

       

    Jetzt beginnen die für uns völlig unverständlichen Lebensmittelkontrollen. Auf einer Strecke von 350 km wird jedes Fahrzeug, das südlich fährt, 3x kontrolliert, ob nicht verbotene Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse und Fleisch nach Patagonien eingeführt werden. Wir wurden darüber informiert, deshalb ist unser Kühler so gut wie leer und wir überstehen die Filzerei gut. Dann noch durchs „verschmutzte“ Desinfektionsbad und wir sind sauber und frei von Bakterien, Viren und Parasiten. Haha! Dafür dürfen wir für das Theater noch 10 Peso bezahlen.

    Wir beschliessen bei Viedma einen Abstecher nach El Condor an die Küste zu machen. Die Wellblechpiste mit tiefen Sandverwehungen und Dünen hat sich mehr als gelohnt. So parken wir direkt am Atlantik in der weltweit grössten Papageienpopulation mit über 75`000 Exemplaren. In der wie ein Emmentaler durchlöcherten Sandsteinklippe wohnen in jedem Loch ein Papa- und ein Mamagei. Ein Gezeter und Geschrei, Loopings und Formationsflüge in grün, orange und blau bis zum Sonnenuntergang.

      

    Nur 30 km weiter westlich der Küste entlang kommt das nächste Highlight: Seelöwen! Über 5000 Mähnenrobben sollen es hier sein mit einer jährlichen Wachstumsrate von 7%. Durch- und übereinander liegen die Kerle im Kies, schreien einander zum Gott erbarmen an und stinken ganz fürchterlich nach Fisch. Wir sind einfach begeistert.

       

    Das ist einer der Gründe, wieso wir hier runter fahren. Der nächste folgt zugleich.

    Bevor wir auf die Halbinsel Valdés fahren, müssen wir unsere Vorräte wieder auffüllen. Danach auf Offroadpisten zum Inseldamm. Wir schaffen nur wenige km. (Wir schaffen aber leider unser 1. Loch und Sprung in der Windschutzscheibe.) Kaum sind wir am Meer sehen wir SIE: Glattwale. Überall im Wasser, wo wir auch hinsehen: Glattwale. Oder genauer gesagt: Südkaper. Direkt am Strand richten wir uns für die nächsten 3 Tage ein und verfolgen das Spektakel. 10 m vor uns tummeln sich 20 m lange und 60 t schwere Muttertiere mit ihren Jungen. Diese umkreisen ihre Mütter, flutschen über ihren Rücken oder schlagen mit der bis zu 5 m breiten Fluke auf das Wasser, dass es nur so knallt. Der Hammer schlechthin ist, als die Wale anfangen zu singen. Für uns ist es eher ein tiefes Dröhnen und der Blas übertönt sogar die Brandung. Bei Sonnenaufgang ist Felix windfest verpackt schon mit der Kamera dabei, während Franziska alles vom warmen Bett aus beobachtet.

      

    Leider haben wir auch hier wie bei allen Tieraufnahmen Probleme mit dem Zoomen. Unsere Kamera kann das nur 2-fach. Jetzt steht es endgültig fest: Eine Digicam mit einem 20-fach optical Zoom muss her.

    Hier treffen wir auch andere Camper aus der Schweiz, tauschen Erfahrungen und Geschichten aus und am Abend kommen noch die Franzosen Ann-Marie und Gerard dazu, die mit uns auf dem Schiff waren. Sie sind in diesen 3 Wochen bis in den Pantanal von Brasilien gefahren und nun auch schon hier. Das sind lockere 10`000 km, also 5000 mehr als wir schon hinter uns haben. Verrückt.

       

    Ab jetzt wird sich unser Reisetempo drastisch verlangsamen, ab hier nehmen wir es wieder gemütlich.

    Durch andere Reisende erfahren wir, dass auf der Halbinsel Valdés alles sehr reglementiert ist. Man darf nicht nahe an die Viecher ran, man darf nicht wild übernachten, nicht mal spazieren, wo man will. Dazu kommt, dass wie seit neuerem überall in Argentinien die Preise für Ausländer zum Teil bis 8-mal so hoch sind wie für Einheimische. Weiter südlich wird auch der Diesel für uns das Doppelte kosten. Wir machen da nicht mit und lassen die Insel links liegen und finden besseres. Viel besseres, gratis und allein.

       

    Doch vorher lassen wir uns vom Spezialisten für Fr. 12.50 unsere Scheibe flicken und erfahren dabei, dass diese in ganz Argentinien nicht bestellbar ist. Also Hiddy:… uufpasse gäll!!!

    Nach 100 km schnurgerader, knochenharter und staubiger Piste landen wir durchgerüttelt am Punta Ninfas. 100 km weit und breit kein Mensch. Der südliche Punkt, der die Bucht von Valdés verengt. Hier soll es Seeelefanten geben, hier soll man aber nie versuchen zu übernachten. Der Wind würde einem die Klippe runter wehen.

      

    Wir flippen völlig aus, können wir uns doch nach langsamem Anschleichen, mitten unter diese Giganten mischen. So sehen wir aus nächster Nähe, was so ein Elefantenbulle, der Strandchef, mit seinem Harem anstellt. Die Weibchen haben erst kürzlich geworfen, sind am Stillen der wollenen Jungtiere, völlig erschöpft, brauchen Ruhe doch… denkste. Der Bulle, ein 5m langer 4 Tonnen Koloss will sich vermehren.

       

    Er begattet jedes Weibchen, das er sieht. Will sie nicht, beisst er in ihren Nacken, dass das Blut fliesst, wälzt sich auf sie bis sie ihm bewegungslos ausgeliefert ist. Sein über 50 cm langer Penis findet komischerweise mühelos seinen Weg. Der halbe Strand ist danach mit gelbem Sperma überflutet. Zwischendurch vertreibt er mit bösem Knurren (es hört sich an wie Rülpsen, nur viel lauter.) andere Männchen. Oft kommt es auch zum Kampf, der jedes Mal blutig endet, ja sogar tödlich ausgehen kann. Wir sehen kein Tier ohne massive Narben oder frische Verletzungen.

      

    Dieses exorbitante (schweres Wort) Schauspiel müssen wir noch ein paarmal sehen, darum bleiben wir 2 Nächte. Die 2. bereuen wir dann doch sehr. Der Wind hat uns echt nicht schlafen gelassen. Wir hatten Angst, Hiddy wird auseinander gerissen. Hier verabschieden wir uns auch von Wera und Friso, sie fahren schon mal weiter. Es hat Spass gemacht mit diesen 2 Ostfriesen.

    Es hat noch viele Bilder!

  • 20 Okt 2010 /  Argentinien, Südamerika

    Buenos Aires – Puerto Iguazú – Rosario, 1.10.10 – 18.10.10

    Wir beschliessen, uns die Hauptstadt Argentiniens mit ihren 13 Millionen Einwohnern anzuschauen und suchen deshalb als erstes einen überwachten Parkplatz. Joseph, Friso und Wera, unsere Mitreisenden auf der Grimaldi, kommen auch mit. Zu Fuss schlendern wir durch die lebhaften Quartiere, überqueren die 10-spurige Avenida 9 de Julio, wundern uns über Obdachlose, die mitten im Park vor allen Leuten ihr Geschäft verrichten, bestaunen am Floh- und Handwerkermarkt Verkäufer und Verkaufsartikel und kommen in den Genuss eines Tangos. BA gefällt.

       

    Nach 2 Tagen Stadtleben füllen wir Hidalgos Vorratsschränke auf und erkundigen uns überall, wo wir unseren Gastank füllen könnten. In Buenos Aires fahren die Taxis mit Erdgas. Das gibt’s an fast jeder Tankstelle, unser LPG, in Spanisch GLP (Gas licuado de petroleo)  gibt es nirgends. Zum Glück haben wir den Tank noch halb voll.

    Da es in Patagonien noch sehr kalt sein soll, fahren wir zusammen mit Wera und Friso, sie mit ihrem 4X4 Sprinter zuerst nach Norden. Der Nordosten von Argentinien ist ein zwischen den zwei grossen Flüssen Río Paraná und Río Uruguay eingerahmter Finger, von Uruguay, Brasilien und Paraguay flankiert.

       

    Gleich nach der Bezirksgrenze Buenos Aires /  Entre Ríos werden wir von der Polizei kontrolliert. Bei uns beanstanden sie eine fehlende hintere Stossstange und auch beim Sprinter von unseren Reisegefährten ist einiges nicht in Ordnung. Es wird viel diskutiert, wir versuchen zu beurteilen, ob wir bezahlen müssen oder wir als dumme, reiche Touris abgezockt werden. Da sich die uniformierten Polizisten aber ausweisen und uns auch Reglemente vorlegen können, geben wir nach 2 Stunden auf und bezahlen den runtergehandelten Strafpreis. Grrrrr! Noch lange beschäftigt uns diese Sache und wir passieren die nächsten Tage sehr viele Polizeikontrollen ohne Beanstandung…

    Im Parque National El Palmar, der die bedrohten Bestände der Yatay – Palme schützt, sehen wir die ersten Capybaras (Wasserschwein), Warane, lustige Urracas (Vogel) und die Chinchilla ähnlichen Viscachas. Wir grillieren und tanken Natur pur.

       

    In den nächsten Natinalpark, den Esteros del Iberá führt eine unbefestigte Strasse. 120 km zuerst pickelharte, staubige, nach einem kurzen Regenschauer schmierige, rotbraune Erdstrasse. In dieser 15 cm dicken Schmierseife brauchen wir bald unseren Allrad. Und da der Allrad von Friso streikt, kommt auch das Abschleppseil zu seinem 1. Einsatz.

       

    Belohnt wird unsere Mühe mit einem wunderschönen Campingplatz in Carlos Pellegrini, direkt am See des Iberá. Nebst wunderschönem Vogelvieh sehen wir auf unserer Wanderung durch den Dschungel Kaimane, Schlangen, Pampasreh und -Hirsch, Kröten und viele Wasserschweine.

      

    Das nächtliche heftige Gewitter verunmöglicht leider die nördliche Weiterfahrt. Die Strasse ist nicht mehr passierbar, sodass wir nach Mercedes zurückkehren und dabei einen Umweg von über 300 km in Kauf nehmen müssen. Nicht weiter schlimm, bei Alvear finden wir im Garten von Bienenzüchter Hector ein geschütztes Plätzchen. Mit frischem Honig im Gepäck geht’s weiter durch die Misiones. An riesigen Mateteefeldern vorbei fahren wir bis zu den Saltos Moconá. Die kleinen Wasserfälle sind aber nur vom Boot aus zu betrachten. Sehr steil rauf und runter, links und rechts dunkelgrüne Urwaldbäume auf rostrotfarbenem Lehmboden, sehr viele gelbe und türkisblaue Schmetterlinge. Langsam fühlen wir uns in Südamerika. Es geht uns wunderbar.

      

    Die gigantischen Iguazú – Wasserfälle müssen wir uns mit Tausenden von Touristen teilen. Auf einer Fläche von 67000 ha stürzen 275 Wasserfälle des Río Iguazú zwischen Palmen und Riesenfarnen mitten im Dschungel 70 m tief ins Tal. Mit einem kleinen Zug und über Gitterstege werden wir direkt zum Teufelsrachen geführt, der Hauptabsturzstelle der Wasserfälle. Stundenlang sehen wir uns satt.

      

    Jetzt ist es aber Zeit, nach Süden in die Kälte zu fahren. Die Wale auf der Insel Valdés warten. Mit unserem gewohnten 80-er Schnitt düsen wir los. Auf der steten Suche nach Gas, halten wir bei jeder Gasfabrik, zeigen unsere Adapter und… bekommen ein verneindes Kopfschütteln. Immer wieder werden wir weitergeschickt, bis uns jemand den Hinweis gibt, es doch besser in Paraguay zu versuchen. In Posadas, direkt am Río Paraná, nehmen sich Felix und Friso erstmals ein Taxi für den Grenzübertritt und lassen Wera und mich zur Fahrzeugüberwachung zurück. 2 Stunden später wird Hidalgo mit der Gasflasche von Friso beladen und die zwei fahren ein 2. Mal über die Brücke nach Paraguay. Wie wohl der Grenzübertritt mit dem eigenen Auto sein wird? Wieder 2 Stunden später kommen 2 strahlende, erfolgreiche Jungs zurück. Jiphii! Morgen wird im Gasbackofen Brot gebacken! Ausser dass Felix 2 Seiten des Passes mit Stempeln gefüllt hat, sind die Grenzformalitäten problemlos über die Bühne gegangen.

    Via Resistencia, Reconquista und Rosario (Friso und Wera wollen hier ihren Allrad flicken lassen) nehmen wir die 2500 km nach Valdés unter die Räder. Unser Reisetempo ist ausserordentlich hoch, da die Walsaison ansteht. Dementsprechend wächst unser Bedürfnis, länger irgendwo in der Natur zu bleiben und die ersten Eindrücke von Argentinien zu verdauen.

    Schau dir doch noch mehr Bilder an