• 13. Februar. 2013 /  Costa Rica, Mittelamerika/Mexiko

    Von Faultieren und Walhaien, 23.12.2012 – 18.2.2013

    Langsam, gaaanz langsam hangelt sich das 2-Fingerfaultier auf dem Nationalbaum von Costa Rica, dem Guanacaste von Ast zu Ast. Das Junge, das sich am Bauch der Mutter festklammert bemerken wir erst jetzt. Normalerweise nur in der Nacht aktiv, bekommen wir einen richtigen Faultier-Marathon zu sehen. Vom Guanacaste am dünnsten Ästchen hängend geht es über 5 Kokospalmen direkt auf uns, auf Hidalgo zu. Verwechselt sie wohl unseren Camper mit einem Gebüsch? Die Farben dazu hat er ja! Fasziniert eilt Franziska auf Hiddys Dach und darf beobachten, wie das exotischste aller Dschungeltiere in einem Meter Distanz an ihr langsam, ganz langsam vorbei zieht.

    Die Gegend um La Cruz, mit seinem Trockenregenwald (ja was denn nun? Aber er heisst halt so…) ist so tierreich, wie wir es schon lange nicht mehr gesehen haben. Wir müssen nicht auf die Suche gehen. Überall begegnen uns Horden von Klammer- Kapuziner und Mantelbrüllaffen. Kolibris schwirren umher, und im Fluss tummeln sich die Krokodile. Hier und dort einmal eine Schlange oder Opossum und Kokoshörnchen und eben die Faultiere. Besser als jeder Zoo, und das Ganze so gut wie Moskito frei.

    Hier in Cañas Castillas bei Agi und Guido verbringen wir die Festtage und bieten Ihnen an, für alle 23 Gäste an Silvester zu grillieren.

    Während Franziska in der Küche die Salate rüstet, Yucachips frittiert und Lebkuchen bäckt, schmeisst Felix den Grill an. Gut genährt sind die meisten schon lange vor Mitternacht im Bett und wir stossen mit den übrigen 6 Nachtschwärmern 7 Stunden später als in der CH aufs neue Jahr an. „Happy new year !!“

    Frank, ein Berliner mit Tauchschule am Golf de Santa Elena ist begeistert von seinem Tauchrevier und offeriert uns zu einem Discountpreis 4 Tauchgänge. Nach einer Stunde Fahrt vom Dschungel an die Playa Jobo treffen wir Frank und fahren mit seinem 200 PS Boot hinaus, zu einer kleinen Insel. Doch nicht einmal Franziska kann sich an der Unterwasserwelt begeistern, sehen wir doch ausser dutzenden von Stachelrochen nichts als Steine, trübes Wasser und Milliarden von winzig kleinen Quallen. Am Abend schreiben wir eine Mail ans Deep Blue Divecenter, ca. 100 km weiter südlich an der Playa Coco und wollen wissen, ob in dieser Küstenregion die Mantas schon eingetroffen sind? Franziska hat immer noch nie mit Mantas getaucht und will das unbedingt erleben. „Jess, kommt runter!“ ist die Antwort und schon 2 Tage später wiederholen sich diese trüben Tauchgänge wie schon mit Frank. So buchen wir für den nächsten Tag mit 6 weiteren erfahrenen Tauchern aus der ganzen Welt eine Fahrt zur Insel Catalina, weit von der Küste entfernt. Ja und hier geht nun wirklich die Post ab. Ein Walhai eröffnet die Show, gefolgt von diversen anderen Haien, Mantas, Buckelwalen und vielen grossen Schwärmen von Lippfischen und Makrelen. Wir  folgen dem Singen der Buckelwale ins Big Blue und kommen bis auf wenige Meter an drei dieser Giganten heran. Das ganze Wasser vibriert von diesem lauten Gesang. Gibt es doch im gesamten Tierreich nichts lauteres. Felix will nun aber die Mantas finden und wir tauchen ins eher trübe, Plankton reiche Küstenwasser zurück, als plötzlich,… aus dem Nichts taucht ein riesiger Manta auf und steuert wie ein UFO auf direktem Weg auf Franziska zu. Er biegt nicht ab und stoppt erst ca. 50 cm vor ihrem Kopf. Felix darf aus 3 Metern Entfernung begeistert beobachten, wie mit diesem Manta, mit seiner über 5m Spannweite und der winzigen Franziska ein 30 Sekunden tête à tête stattfindet. Vor lauter Ehrfurcht kommt es Franziska gar nicht in den Sinn, ihn zu streicheln, was Mantas sehr mögen.

    Einen Monat später holt Felix seinen Schatz, der wieder einmal für 3 Wochen beim Familienknuddel in der CH war, am Flughafen von San José ab. Was er in dieser Zeit alles an den Stränden von Nicoya erlebt hat, … nun, wir wollen hier ja niemanden langweilen. Auf jeden Fall ist bei uns beiden die Zeit unheimlich schnell vergangen und wir waren trotzdem glücklich uns wieder in die Arme zu fallen. Nun haben wir, Hiddy und Felix, noch knapp 3 Wochen Zeit bevor wir Costa Rica verlassen müssen. Franziska hat ja wieder neue 90 Tage bekommen.

    Geplant haben wir jetzt eigentlich einen langen Abstecher an die Karibikküste, hören aber, dass es dort extrem heiss und sehr feucht sein soll. So lassen wir das jetzt vorläufig bleiben und tingeln langsam quer durch die Vulkangegend Nicaragua zu. Franziska hat wieder eine Menge Dinge und Undinge von der Schweiz mitgebracht, die es auch noch zu verstauen, zu montieren, oder zu essen gilt. Von St. Galler Bratwurst, über Cervelats, Vermicelles aus der Tube bis hin zu Baslerläckerli ist alles dabei. Der Herd bekommt neue Brennerdeckel und einen Plattenrost, da die alten Teile nach nur 3,5 Jahren beinahe durchgerostet sind. Die Firma SMEV baut wohl nur Teile, die für 2 Wochen Rimini pro Jahr ausreichend halten.

    Auf dem Weg nach Norden kommen wir an der Abzweigung Monteverde vorbei und da wir ja noch genügend Zeit haben, entschliessen wir uns doch noch dort hinauf zu fahren. Monteverde ist ein auf 1500 m gelegenes Dschungelschutzgebiet und gleichzeitig auch ein Spielplatz für Buschabenteuer. Das heisst, hier kann man kilometerlange Canopings (Seilrutschen), hohe Bungijumps, Canyonings, Abseilen und vieles mehr erleben. Da bei dem Geschrei dieser Actiontouris keine Viecher mehr im Busch zu sehen sind, wollten wir eigentlich diese Gegend links liegen lassen.

    Wir finden einen netten Stellplatz beim Hotel Miramontes und bekommen vom Besitzer Walter gute Tipps, um trotzdem in Ruhe einiges sehen zu können. Wir unternehmen kleinere und grössere Wanderungen, wie z. B. auf den höchsten Berg der Region, den Monte Amigos, oder wir sitzen am Treffpunkt vieler verschiedener Kolibris und in der Nacht machen wir uns auf die Suche nach den kleinsten, giftigsten und farbenfrohsten Frösche.

    Walter, Exmusiker made in Austria, nun Filmemacher und  Hotelier, ist auch ein passionierter Schmetterlingssammler. Zusammen gehen wir auf grosse Jagd und haben das Gefühl, mit Herrn Alexander von Humboldt unterwegs zu sein. Er kennt jeden Mariposa schon von weitem und unterscheidet zwischen Schrott und wertvoll in Sekundenbruchteilen. Beim letzteren startet er auch im steilsten Gelände durch und kurz darauf ist der Fang im Netz. Zwiespältig fragen wir nach, wie sich dieses Hobby mit dem Artenschutz vereinen lässt und bekommen eine klare Antwort. Nicht das Töten einzelner Schmetterlinge sei das Problem, sondern die Zerstörung seines Lebensraums.

    Die letzte Etappe in CR führt uns zurück zum Arenalsee, dann über die Vulkankette nun doch noch auf die karibische Seite und wen wundert’s, es regnet. Trotzdem finden wir es ungeheuer spannend, wie sich die Landschaft nach diesem Hügelzug, auf einer Distanz von nur 20 km dermassen verändern kann. Hinter uns hügeliges, trockenes Dschungelgebiet, vor uns eine tropische, flache Ebene. Hier sehen wir vor allem riesige Ananasplantagen, Bananen und Ölpalmen. Aber auch der Menschenschlag, die Häuser und Dörfer sind anders, irgendwie ursprünglicher. Es ist wieder mehr lateinamerikanisch chaotisch und unaufgeräumt und es fehlen gänzlich die Touristen. Bei Agi und Guido, 10 km vor der nicaraguanischen Grenze schliesst sich der Kreis wieder. Hier werden wir noch ein paar Tage verbringen, bevor wir uns nach Norden verabschieden.

    Costa Rica ist ein tolles und sicheres Land und für tropischen Urlaub prädestiniert. Landschaftlich sind wir wohl von Südamerika so verwöhnt, dass es für uns zumindest, ausser bei den Tieren, keine grossen Höhepunkte gab. Pura Vida!

    Zur Bildergallerie Costa Rica 2