• 19 Apr 2010 /  Europa, Türkei/Bulgarien

    Von nun an kann es nur noch Nord, nordöstlich gehen. Wird alles so, wie wir es uns vorstellen, wollen wir ja Mitte Juni in Norwegen, dem nördlichsten Punkt von Europa stehen. Wir beide haben noch nie die Mitternachtssonne gesehen.

    An der türkischen Grenze erleben wir zum ersten Mal, ausser auf unseren Fernreisen mit dem Flieger, den Bürodschungel am Zoll. Nachdem der am ersten Posten im Stuhl hängende Beamte unsere IDs 20 Mal gedreht, 20 Mal mit dem Fahrzeugausweis verglichen und schon Einiges mit System alter Adler in den PC gepickt hat, fragt er mich: „where are you come from?“ Die Pässe lassen wir absichtlich im Tresor liegen, da sonst jedes Mal unser Auto eingetragen würde, was die Aufenthaltsdauer am Zoll erheblich verlängert. 5 weitere Stationen zu Fuss, Stempel hier, Zetteli da, sind wir in der Türkei. Uns ist es viel besser ergangen, als dem vor uns eingereihten Töfffahrer aus Andorra? Die Zöllner haben wohl noch nie von diesem Land gehört…. Via Ipsala, Uzunköprü nach Kirkareli. Köphta und Glace essen und über Land an die bulgarische Grenze. Güle güle Türkei, deine Landschaft mit den Ortschaften und seinen freundlichen Menschen hat uns gut gefallen.

     

    Tarnovo, bulgarischer Zoll: Dasselbe Cabaret nur unfreundlicher. Emil könnte damit eine herrliche Nummer schreiben. Zudem müssen wir eine Autovignette kaufen. Wir wünschen diese für eine Woche „niet“. Aber wir wissen vom TCS, dass man eine für eine Woche kaufen kann. „Niet! Wir haben nur für 7 Tage!“ Nun haben wir die Strassengebühr bezahlt und dann dies: Der blanke Horror! Mit einem 30-er Schnitt hüpfen wir von Schlagloch zu Schlagloch.

     

    EU-Land Bulgarien gefällt uns nicht. Die Dörfer am Schwarzen (Grauen) Meer fallen durch ihre Vergammelung auf. Die Häuser schief, morsch und schmutzig. Die Armut schreit uns geradezu entgegen. Eigentlich kein Problem, ja gar beinahe so erwartet. Das Schreckliche daran sind die dazwischen neu gebauten Prunkhotelpaläste, die eingegittert, des Nachts hell in allen Farben leuchtend, auf ihre Gäste, vornehmlich reiche Russen warten. Und es wird heftig weiter gebaut. Mit EU-Geldern? Für die Strasse, Infrastruktur oder das Volk werden sie jedenfalls nicht verwendet.

    Hier wollen wir nicht bleiben. Auch das Wetter ist seit wir die CH verlassen haben zum ersten Mal miserabel. Tags darauf geht’s via Varna durchs Landesinnere Richtung Rumänien. Unterwegs bewundern wir noch den steinernen Wald. 50 Mio. Jahre alte Felstürme mitten in der Pampa. Die Geologen sind sich nicht einig, wie das Naturphänomen entstanden ist. Die für uns logischste Erklärung der 4 verschiedenen Hypothesen: Methangasschlote im tiefen Ozean durch Ablagerungen zu Türmen gewachsen und Millionen Jahre später aus dem Meer emporgehoben. Offenbar soll dies auch ein besonderer Kraftort sein. Wir probieren es und es geht uns prächtig.

      

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  • 12 Apr 2010 /  Europa, Griechenland

    In Githio bleiben wir schlussendlich 13 Tage. So haben wir Zeit ein wenig Kultur, Land und Leute kennen zu lernen. Als Erstes steht der Nationalfeiertag auf dem Programm. Am 25.März gedenken die Griechen mit grossen Paraden der Befreiung von den Türken anno 1830. Wir erleben in vorderster Front wie sämtliche Schüler der Stadt in ihrer Schuluniform im Stechschritt am Freiheitsdenkmal vorbei schreiten und die folgende Kranzniederlegung der Offiziellen. Alles was irgendwo eine alte Uniform gefunden hat, wie Polizei, Armee, Kapitäne, Priester und Politiker nehmen daran teil. Die Plastikkränze wie auch die Akteure zelebrieren routinemässig diesen Akt. In kurzer Zeit ist es vollbracht und man geht wieder nach Hause.

     

    Ganz anders ist das Osterfest.  Ab 21.00 Uhr muss wohl jeder Grieche mindestens für einen Augenblick in die Kirche, um eine Kerze anzuzünden. Der Gottesdienst ist eine Nonstopshow bis 23.30 Uhr, da die Kirchen zu klein sind, um alle Einwohner auf einmal auf zu nehmen. So werden auch wir im Minutentakt durchgeschleust. Danach warten wir vor der Kirche bis das Licht ausgeht. Kurz darauf entzündet der Priester die grosse Osterkerze. Dann geht es erst richtig los. Die vorher beinahe menschenleere Stadt hat sich wie aus dem Nichts gefüllt. Jeder hat eine Kerze bei sich und gibt das vom Priester empfangene Licht einem anderen weiter. Die Priester fahren mit ihren Sprechgesängen auf dem Dorfplatz fort. Aber es herrscht nicht etwa eine ergriffene Ruhe. Nein, laute, sehr laute Knaller und Feuerwerkskörper werden entzündet, so laut, dass sogar von einer Druckwelle die Kerzen ausgeblasen werden. Anschliessend steigen alle gleichzeitig in ihre Autos und fahren mit den brennenden Osterkerzen nach Hause. Der Ostersonntag steht ganz im Zeichen der Familie und dem am Spiess gebratenen Lamm. Auch wir werden ganz spontan herzlich dazu eingeladen. Gastfreundlichkeit, Essen und Alkohol im Überfluss. Wie schaffen wir das bloss, keinen Alkohol trinken zu müssen, ohne beleidigend zu sein?

     

    Zwischen diesen Festtagen unternehmen wir mit Hidalgo einen Ausflug nach Monemvasia, der im Mittelalter wichtigen Hafenstadt auf dem östlichsten der drei Finger des Peleponnes. Am Fusse eines gewaltigen Felsens erstreckt sich die Unterstadt mit vielen byzantinischen Kirchen, kleinen Gassen, hübschen Plätzen und einladenden Tavernen. Danach wandern wir steile Treppen hoch zur Oberstadt. Auf dem ganzen Berg sind Ruinen von Zisternen, Kirchen und Häusern verteilt. Wir geniessen die spektakuläre Aussicht auf die Dächer von Monemvasia und das Meer.

     

    Und wieder einmal erleben wir, wie unser Hidalgo seine eigene Fangemeinde anzieht. Rolf ist ehemaliger Toyotaimporteur und absolut begeistert von Hiddy. Mit einem „Grüeziwohl“ und gwundrigen Blicken macht er sich bemerkbar. Natürlich zeigen wir ihm und seiner Frau Brigitte sehr gerne unser Zuhause. Überraschend sind wir schnell in ganz persönliche Gespräche vertieft. Lieber Rolf, liebe Brigitte, wer weiss, vielleicht besuchen wir euch ebenso überraschend in eurem Zuhause im Bündnerland.

    In diesen zwei Wochen in Githio bekommt Hiddy ein grünes Badezimmerfenster und seine Wehwehchen werden mit Rostumwandler behandelt. Auch der Laptop braucht einen Doktor. Philipp, Sohn und Informatikverantwortlicher in einer Person, schickt uns das Outlook (der Brief ist sageundschreibe in 2 Arbeitstagen bei uns!) und hilft by skype bei der Neuinstallation.

     

    Und da noch etwas, das uns beschäftigt hat: In der ganzen Region hängen die Orangenbäume voller überreifer Orangen bzw. verfaulen die Orangen tonnenweise auf dem Boden. Gleich daneben im Restaurant kostet der frische Saft 3 Euro! Zudem fällt der hier schreibenden Heilpädagogin auf, dass die bleichen und kränklich aussehenden griechischen Kinder dringend Vitamine brauchen!

    Nun wird’s aber Zeit, wieder Altertümer anzusehen. Die Akustik des fast vollständig erhaltenen antiken Theaters in Epidavros ist wirklich erstaunlich. Wir hören auf dem obersten Rang sitzend tatsächlich die kleine Münze, die eine Reiseleiterin auf den Marmorboden fallen lässt.

     

    Nach der Fahrt über den Kanal von Korinth und einer windigen Übernachtung bei Loutraki machen wir etwas Aussergewöhnliches. Für einmal umfahren wir die Hauptstadt des Landes nicht und stürzen uns in Athen ins Gewühle, bezahlen sogar 28 Euro für einen Campingplatz. Wie alle anderen kraxeln wir auf die Akropolis, spazieren in der Altstadt und fahren mit der Metro nach Piräus. Leider war der Parthenon im Renovationsgerüst und auch alle anderen Bauwerke waren irgendwie mit Metallteilen verschandelt. Ist ja auch kein Wunder, wenn man bedenkt, was die Gemäuer schon alles hinter sich haben. In der Zeit, in der ich sogar für einmal ins Museum gehe, wetzt Felix durch die halbe Stadt, um das alte Olympiastadium der Neuzeit zu fotografieren.

      

    Mit Brummschädel von Lärm und Hektik dieser 4 Millionenstadt kommen wir nach einer langen Tagesetappe in Kalambaka bei den Meteoraklöstern in Zentralgriechenland an. Hier kann das Bergsteigerherz wieder einmal richtig jubeln. Sogar 007, alias James Bond, hatte nach einem ca. 100m Freifall ins Seil immer noch Freude die Wand wieder hoch zu klettern. Die fast 300m senkrecht aus der Ebene herausragenden, dunkelgrauen Felstürme sind durch Erdbeben und Erosion entstanden. Darauf wurden im 14. Jhd. 24 Klöster errichtet, um Gott näher und vor ungebetenen Gästen sicher zu sein. Heute sind wir willkommene Gäste, sofern wir Frauen Röcke tragen und die Männer lange Hosen. Wir nehmen uns auch wirklich viel Zeit und lassen uns von der einzigartigen Atmosphäre berühren.

     

    Über Deskati, Elassonal, zum leider wolkenverhangenen Olymp. Gerne wären wir auf den Götterhimmel gestiegen, um Zeus persönlich unsere Aufwartung zu machen. Aber der höchste Berg Griechenlands mit 2900m ist bis Mitte Juni stark im Schnee vergraben und Zeus heute sowieso schlechter Laune. Nach Katerini, Thessaloniki, dem Lake Koronia und Lake Volvi entlang alles auf der Autobahn bis Alexandroupoli kurz vor der türkischen Grenze. Hier informieren wir uns ausführlich im Internet über die anstehenden Länder. Türkei, Bulgarien, Rumänien, evt. Ukraine sind die nächsten Destinationen. Und immer wieder diskutieren wir, ob wir wohl besser direkt in die Schweiz fahren, da sich das Mami von Felix nach einer Knieoperation nicht mehr richtig erholen will. Da wir sie bei Lela und Ronny in besten Händen wissen, beschliessen wir, unsere Reise vorläufig fortzusetzen.

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  • 04 Apr 2010 /  Europa, Griechenland

    Wir haben uns für die Fahrt von der Schweiz bis nach Griechenland nur 6 Tage Zeit gelassen. Am 16.3.2010 fahren wir bei Kakavia über die Grenze. Erstes Ziel ist Monodendri. Wir wollen uns die spektakuläre Vikos-Schlucht anschauen. Diese Schlucht ist einzigartig in Europa. Auf 10km Länge hat sich der Fluss bis zu 1000m tief in den grauroten Felsen gegraben. Laut Guinnessbuch der Rekorde (Hinweistafel am Wegrand) soll dies die tiefste Schlucht der Welt sein. Felix weiss aber von sicher 2 tieferen Canyons, nämlich dem Kupfercanyon in Mexiko und dem Grand Canyon in Amerika. Die bereisen wir jedoch etwas später. Im Sommer kann die Schlucht in 7 Stunden durchwandert werden. Das hätten wir natürlich gerne gemacht, aber: wir versinken schon auf der Krete tief im Schnee.

     

    Also geht es wieder talwärts an die Küste, wo wir mehrere gemütliche Schlafplätze zur Auswahl haben. Bei Preveza bezahlen wir 8 Euro, um den 7km langen Meerestunnel zu durchfahren. Danach folgen ruhige Felsküsten mit kleinen Sandstränden ohne Dörfer. Mit dem Allrad geht es auf einen kleinen Felsvorsprung, der wohl im Sommer von den Einheimischen als Wochenendplätzli genutzt wird und verbringen den Tag mit Beine enthaaren, Fischen (ohne Erfolg) und Müscheli sammeln. Anderntags bringt uns Hidalgo (wir können ja nicht immer „fahren“ schreiben), über die gewaltige Hängebrücke bei Patras auf den Peleponnes. 

     

    Für uns wird es wieder einmal Zeit, länger zu verweilen und das Gesehene zu verarbeiten. Dies ist immer der Fall, wenn wir am Morgen nicht mehr wissen, wo wir aufwachen. In Kastro bei Killini eröffnet die resolute, kleine, alte Griechin extra für uns den spitzenmässigen Camping. Mit krächzender, tiefer Stimmer kommandiert sie uns, wie auch ihre Untertanen herum, so dass alles in kurzer Zeit in bester Ordnung ist. Auf einem Spaziergang durch den Busch helfen wir einem Bauern, der seinen Toyota tief in den Morast gefahren hat. Ein kleiner Ast vor das spulende Rad, unser Gewicht auf der Ladefläche und der Hinweis wenig Gas zu geben, genügen schon. So haben wir einen neuen Freund gewonnen. Christos, der Biobauer mit grosser Plantage, führt uns durch sein Reich und beschenkt uns haufenweise mit frischen Erbsen, Bohnen, Olivenöl und Wein. Wir sind doch sehr erstaunt, um diese Jahreszeit bereits Gemüse vom Feld pflücken zu können. Beim Apero am nächsten Tag kommt noch ein völlig durchgeknallter Inder dazu und wir erleben griechisches Dolce va niente pur.

     

    Der Inder nennt sich Commander der Sicherheitsabteilung eines kleinen Hotels an der Strasse. Nach seinem Jobbeschrieb würden wir ihm in der Schweiz eher den Titel „alleiniger Nachtwächter“ geben. So verbringen wir ein paar geruhsame Tage in extrem freundlicher Umgebung. Wir wandern, klettern, und finden alle paar Schritte verschiedene Landschildkröten. Noch eine Anmerkung über unseren  Biobauern. Alles was er in seinem Durcheinander von Plantage nicht mehr braucht, wird Opfer der Flammen. Kubikmeter weise wird da Karton, Berge von Plastik und Styropor verbrannt. Auf unsere Frage, wie er das nun mit dem Bio genau meine: „Natürlich, muss sein, nur ein bisschen verboten.“  In dieser Gegend werden extrem viele Wassermelonen gezüchtet. Die sind bis Mitte April unter Plastikbahnen geschützt. Hänge man diese ganzen Felder zusammen, ergäbe dies Plastik von Athen bis in die Schweiz. Bis auf den letzten Rest wird das alles einfach verbrannt. „Was denn sonst? Bio, Ehrlich!“

    So, nun wird es aber echt sportlich! Am 22. März kurven wir zur antiken Olympiastätte. Felix fühlt sich wie Asterix, als er diese altehrwürdige Anlage betritt. Neben dem Sport wurde hier auch in mehreren Tempeln den Göttern gehuldigt. So stand auch die kolossale Zeusstatue aus Holz, Gold und Elfenbein im grössten Tempel. Dieses Werk zählte zu den sieben Weltwundern der Antike. Hier stossen wir auch das 1. Mal auf andere Touristen, die carweise  ankommen und ihren fähnchenschwenkenden Guides folgen. Im grossen Stadion, dannzumal Arena, hatten über 45000 Männer ihren Spass an den Wettkämpfen. Jawohl, Frauen war das Betreten der Anlage untersagt, da die Wettkämpfe nackt stattfanden. Offenbar hat sich einmal eine Frau als Athlet unter die Sportler geschmuggelt, darum nackt. Die ursprüngliche Wettlauflänge war 192,27 m lang und Felix bewältigt sie vor vielen Japanern in kurzer Zeit. Beim Heratempel wird noch heute das olympische Feuer mit einem Parabolspiegel entzündet, um dann an den jeweiligen Austragungsort getragen zu werden. Die Flamme hat ihre bis anhin weiteste Strecke an die Olympiade in Vancouver zurück gelegt.

     

    Die Fahrt der Küste entlang zum Kap Tenaro auf der Landzunge Mani (südöstlichster Punkt Europas) entpuppt sich als Pässefahrt. Die kleinen Dörfer erscheinen verlassen. Privathäuser wirken wie Burgen, perfekte Kulisse für einen mittelalterlichen Film. Vathia ist in seiner Geschlossenheit eines der schönsten maniotischen Dörfer überhaupt.

     

    Auf der 6 stündigen Autofahrt begegnen uns 5 Autos. Kurz vor Githio richten wir uns an der Mavrovounibeach gemütlich für die Ostertage ein.

  • 24 Mrz 2010 /  Europa, Österreich bis Albanien

    Schon bald zu einer schönen Routine geworden, ist unser Besuch bei unseren Freunden Ursula und Martin im Rheintal. Nach einem gemütlichen Abend mit philosophischen Diskussionen fahren wir am 10.3. gen Südosten in den Frühling. Doch ohalätz auf der Südseite des Felbertauerntunnels ist es tiefster Winter. Wir übernachten bei minus 8 Grad und einem halben Meter Neuschnee in Kärnten.

    Über den Plöckenpass ins Friaul, danach durch Slowenien fahren wir der kroatischen Küste entlang immer wieder durch Schnee. Hidalgo ist voll Streusalz und muss gewaschen werden. Langsam wird die Küste grüner und nach der kurzen Durchfahrt von Bosnien-Herzegowina steuern wir die Insel Peljesac an. Felix war schon als Kind mit seinen Eltern auf einem Zeltplatz in Zuljana. Er ist sehr erstaunt, dass das kleine Dorf nach über 40 Jahren noch praktisch unverändert hübsch ist. Einzige Änderung: Die Campingplätze sind in privater und nicht in sozialistisch staatlicher Hand. Alles ist noch im tiefsten Winterschlaf. Doch Mladen nimmt uns freundlich auf, holt eine Leiter, sägt uns den Weg in seinen Garten frei und wir schlafen wunderbar unter einem blühenden Mandelbaum.

     

    In Dubrovnik sehen wir im Kriegsmuseum, dass die Stadt 1992 mit über 200 Volltreffern durch Serbien und Montenegro schrecklich zerstört wurde. Erstaunlicherweise sieht man heute fast nichts mehr davon. Obwohl die Stadt eine touristische Hochburg ist, hat sie ihren Charme behalten.

     

    Bei der Zoll- und Wagenpapierkontrolle an der Grenze zu Montenegro wundern wir uns sehr: Die ID ist völlig unbekannt und wird erst nach einem Telefon mit dem Oberzöllner akzeptiert und wir müssen für 30 Euro eine Vignette kaufen, damit wir in Montenegro ein Jahr lang Auto fahren dürfen! Alles beteuern, dass wir in einer Stunde aus diesem Land ausreisen, nützt nichts. Mit dieser Stunde haben wir uns aber heftig getäuscht. Anstelle einer 100m langen Brücke, die es leider nicht gibt, müssen wir bei Tivat 69km um eine Bucht herumfahren und das bei schlechtem Strassenzustand.

    Am nächsten Tag holpern wir durch Albanien. Überall eine Mülldeponie, die Städte chaotisch und schmutzig, alles wirkt arm und verlottert. Viele angefangene Häuser, eine einzige Baustelle! Ebenfalls sehr erstaunlich sind die vielen Schützenstände. Tausende kleine Betonbunker mit Schiessscharten, die halb vergraben sämtliche Küsten und Täler verschandeln. Die Fahrt von Himaré nach Kakavia an der griech./alb. Grenze führt uns immer wieder ins bergige Hinterland. So gefällt uns Albanien viel besser.

     

    In Albanien sind wir wohl Exoten. Alle schauen uns hinterher und wenn wir anhalten müssen, steigen bettelnde Kinder auf die Trittbretter. Trotzdem ist unser Resumé dieses ersten Südosteuropareiseabschnittes (oh, oh, etwas lang…) positiv. Etwas mühsam waren die verschiedenen Währungen: Franken, Euro, Kuna, Mark, Lek und wieder Euro. Die Menschen waren freundlich, das wild campieren einfach und wir hatten trotz tiefster Armut in Albanien mit finsteren Gestalten und bettelnden Kinder nie wirklich ein schlechtes Gefühl. Übrigens hier sei noch ein Klischee erwähnt: ab Rijeka trägt Mann Trainerhosen…..

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  • 07 Mrz 2010 /  Abreise, Europa, Schweiz

    Nach 2 Monaten Inseljumping, Tauchen, Nächte um die 30 Grad, Spanferkel a gogo, sun, fun and nothing to do und vielen Eindrücken vom philippinischen Leben in den Visayas sind wir zurück in der kalten Schweiz. Es war eine wunderschöne Art und Weise, den Winter zu verbringen. Da wir ohne Hidalgo unterwegs waren, schreiben wir keinen Bericht über die philippinische Zeit. Geniesse doch einfach die Bilder.

    Hidalgo hat in der Zwischenzeit eine komplett neue, stärkere Solaranlage bekommen und wartet schon ungeduldig auf den Ritt nach Südosteuropa. Nun wird gepackt und in wenigen Tagen gehts los.

  • 27 Dez 2009 /  Asien

     

    Nach gemütlichen Tagen bei unseren Familien verabschieden wir uns am 29.12.2009. Wir lassen unseren Hidalgo ausruhen und fliegen mit Rucksäcken ausgerüstet für 2 Monate in die Wärme. Auch der Laptop bleibt in der Schweiz. Somit gibt es eine längere Pause bis zum nächsten Bericht. Wir freuen uns, wenn du im März wieder in unsere Page schaust. “Hebs guet” und bis dann!

  • 23 Dez 2009 /  Zwischenbemerkungen

    In unseren Zwischenbemerkungen möchten wir etwas von unseren Gedanken oder Erlebnissen unseres neuen Lebens erzählen, die nicht direkt mit einem bestimmten Land zu tun haben.

    ·     Alle unsere Reiseberichte und Fotos sind nur Bruchstücke unseres Erlebens. Würden wir alle unsere Erlebnisse, Eindrücke, Abenteuer, Begegnungen, Schönheiten und Hässlichkeiten beschreiben, hätte kein Leser mehr Lust, unsere homepage zu lesen oder die Fotos zu betrachten.

    ·     Wir halten ein gemütliches Reisetempo. Immer wieder bleiben wir auch länger stationiert. Wir fahren durchschnittlich etwa 93 Tageskilometer.

    ·     Mit unserem Hidalgo sind wir fast restlos zufrieden. Wir haben immer wieder lustige Kontakte durch begeisterte Fans, die neugierig unser Auto betrachten oder sogar fotografieren. Nur unsere Energiebilanz bereitet uns noch Kopfzerbrechen. Die Unabhängigkeit von einer Steckdose ist noch zu kurz. Wir schaffen es noch nicht, mehrere Tage auch bei Bewölkung an einem Ort zu bleiben. So denken wir über ein zweites Solarpanel oder eine grössere Batterie oder eine Windturbine nach.

    ·     Öfters diskutieren wir über die selbstverständliche Nutzung aller Ressourcen zu Hause in der Schweiz. Wasser, Elektrizität, technische Kommunikationsmittel, alles stand immer im Überfluss bereit. Heute duschen wir mit 5 l Wasser und geniessen dies, gehen sehr sparsam mit Elektrizität um und freuen uns über funktionierendes Internet.

    ·     Es macht uns Spass, unsere Sprachkünste zu brauchen und zu verbessern. Auf Campingplätzen kann es sein, dass wir uns in drei Sprachen gleichzeitig unterhalten. Wir haben aber auch gemerkt, eine neue Sprache zu lernen ist nicht mehr ganz so einfach. An einem Tag ein neues spanisches Wort gelernt und am andern Tag schon wieder vergessen! Grillenhirn!

  • 12 Dez 2009 /  Europa, Spanien

    Nach Madeira haben wir erstmals nur ein Bedürfnis: gemütlich ein paar Tage am selben Platz stehen und dem Hiddy aus einer Steckdose Strom im Überfluss gönnen. So fahren wir am 9.November nach einem Grosseinkauf an der portugiesischen Südküste entlang nach Osten und finden bei Olhao einen friedlichen Campingplatz neben einem Naturschutzgebiet. Service, Preis, Umgebung, Nachbarn, alles stimmt: wir bleiben 8 Tage und geniessen die Tage mit Vögel beobachten, Konfi kochen, Velo fahren, Einkaufen im Fisch- und Gemüsemarkt, grillieren, Keyboard spielen, computerlen und vielen gemütlichen Gesprächen. Bei einem Ausflug mit dem Boot finden wir sogar einen möglichen Wohnort für die Zukunft. Die Insel Armona ist paradiesisch! Felix würde am liebsten sofort ein Haus und ein Boot kaufen und bleiben.

    So gestärkt verlassen wir ein wenig wehmütig das liebgewonnene Portugal und überqueren am 17.November bei Huelva die Grenze nach Spanien. Schliesslich gibt es in Andalusien noch viel zu sehen, bevor wir an Weihnachten in der Schweiz erwartet werden.

    El Rocio, die Westernstadt ohne eine einzige geteerte Strasse ist völlig ausgestorben und im Donana Nationalpark sind die Salzseen ausgetrocknet. Ich hätte so gerne die Flamingos gesehen.

     

    Also weiter Richtung Aracena Nationalpark. Der Rio Odiel ist ganz speziell gefärbt und überall riecht es nach Eukalyptus. Wir übernachten nach einer kurzen Offroad-Strecke in einem „Zeltliwald“.

     

    Am nächsten Tag besichtigen wir in Jabugo eine Schinkenproduktion. Die zu tausenden aufgehängten Schinken beeindrucken und den Geruch werden wir wohl nicht so schnell vergessen. Die ganze Stadt lebt vom getrockneten Schinken, der schwarzen Schweine, die im Nationalpark überall unter den Steineichen weiden. Eigentlich würden wir gerne einen Schinken direkt ab Fabrik in die Schweiz schicken, aber die Zollgebühren verdoppeln den Schinkenpreis.

     

    In Aracena steigen wir auch in die gewaltige Tropfsteinhöhle hinab. In verschiedensten Farben spiegeln sich ihre Stalaktiten und Stalagmiten in unterirdischen Seen.

     

    Nun aber wollen wir nach Sevilla. Parkplatz? No! Camping? No! Fahrt nach Los Hermanos, 12km von Sevilla entfernt: Campingplatz? Es stinkt bestialisch und kostet 20Euro! No! Nächtliche Fahrt zurück nach Sevilla: Parkplatz? Yes! Wir bleiben, unternehmen einen Nachtbummel, beobachten, wie eine 8-er Gruppe junger Männer für die Karfreitagsprozession übt, ein mit Tüchern verhülltes ,schweres Gestell blind durch die Gassen zu tragen, dann essen wir Chicken von Kfc und schlafen tatsächlich mitten in einer Grossstadt. Am nächsten Morgen besichtigen wir wieder einmal eine Kathedrale.

     

    Die Fahrt dem Rio Guadalquivir entlang nach El Puerto de San Maria im Süden, ist abenteuerlich, da sich die Strasse als Piste mit riesigen Schlaglöchern entpuppt. Sie windet sich kaum mehr als einen Meter über Fluss, wird bei jedem Hochwasser überspült und flicken lohnt sich nicht. Landschaftlich aber sehr lohnenswert.

     

    Unseren Hidalgo auf dem Campingplatz lassend, fahren wir mit dem Boot nach Cadiz. Dort streifen wir vor allem lange durch die riesige Markthalle. Immer wieder bin ich fasziniert vom Reichtum, den die Meere bergen. An allen Küsten der Welt wird pausenlos gefischt, überall hat es Fischerboote mit riesigen Netzen und trotzdem bietet der Atlantik noch ein überwältigendes Angebot. Wie lange noch?

     

    Unser nächstes Ziel ist eigentlich Gibraltar. Kurz vor Tarifa bleiben wir aber an einem wilden Strand mit über 30 Kitesurfern hängen. Hier schneiden wir unsere 3. Matratze mit dem Skalpell zurecht. Langsam haben wir Übung.

     

    In Gibraltar ist es wie immer in England: es nieselt und der berühmte Fels ist nebelumhangen.

     

    So fahren wir nach einem kurzen Einkauf im Morrisons weiter, in die Berge nach Ronda mit der schönen Brücke und dann zum Stausee Guadalteba. Wieder einmal stehen wir in einem Coto privado de Gaza, was bedeutet, dass rundherum wild herumgeballert wird. Was diese Jäger wohl schiessen? Jedes Zipfelchen Land ist in Spanien so ein Coto de Gaza (Jagdgebiet). Überall stehen diese Schildchen, Tiere sehen wir aber leider selten, obwohl wir uns sehr häufig in der Natur aufhalten.

     

    Nach einer wunderschönen Fahrt durch riesige Olivenhaine und der vergeblichen Suche nach wilden Flamingos in der Laguna de la Fuente de Piedra lassen wir uns auf dem Campingplatz in Cordoba nieder. Frühmorgens besichtigen wir fast ganz allein die riesige Mezquita, die ehemalige grösste Moschee der mittelalterlichen islamischen Welt mit der Kathedrale inmitten der Anlage. Wir lassen uns bezaubern von der Stimmung im 104m langen Betsaal mit seinen berühmten 800 Säulen.

     

    Auf der Fahrt via Baena in die Sierra Nevada machen wir einen Kurzabstecher nach Granada. Nur schnell zur Post und dann ab in die Natur. Wir sind gesättigt und mögen keine weiteren Kathedralen oder andere Bauwerke besichtigen. Stattdessen fahren wir ganz in die Berge und übernachten bei winterlichen Temperaturen auf 2388m.

     

    Mit 5 Schichten Kleidern, Kappe und Handschuhen ausgerüstet kämpfen wir uns durch eisigen Wind (mit Böen gegen 200 km), der mich einmal sogar umbläst, auf den Gipfel des 3392m hohen Pico Veleta. Er ist der 2. höchste Berg Spaniens und wir hatten grosses Glück. Es war der letzte Tag ohne Schnee. Oder Pech? Mit Schnee könnte man am Skilift bis 100 m unter den Gipfel ziehen lassen. Auch unsere Skinati trainiert hier dann und wann.

     

    Übrigens: Ohne TV zu sein ist toll, jedoch vermisst Felix die Skirennen schon sehr. Vor allem wenn Didier so gut beginnt wie in Sölden.

    Am nächsten Tag fahren wir über die Sierra Nevada und lange an ihrer Südseite entlang nach Mini Hollywood.  Diese Filmkulissenstadt liegt in der einzigen echten Wüste Europas, der Desierto de Tabernas, mit Jahresniederschlagsmengen unter 130 mm. Hier wurden Filme gedreht, wie  Zwei glorreiche Halunken mit Clint Eastwood, Spiel mir das Lied vom Tod mit Charli Bronson oder Lawrenze von Arabien. Wir erleben hier für 16.50 Euro p. P. ein kleines Westernspektakel. Übrigens: Wenn ihr im nächsten Tom Cruise Film eine rote Ducati durch Sevillas Altstadt brausen seht; wir waren dabei!

     

    Bei den Salinenbecken von Cabo de Gata entdecken wir endlich die schon lange gesuchten, frei lebenden, rosa Flamingos. Es ist immer wieder etwas Besonderes, Zootiere in der freien Natur zu beobachten.

     

    Einige Buckelpisten später, wir fahren mehrere kleine, wilde Strände an der Costa de Almeria an, landen wir in Las Negras, einem kleinen Fischerdörfchen mit einfachem Zeltplatz. Wir fischen zu zweit unermüdlich mit allem, was unsere Angelausrüstung bietet und werden ab und zu mit einem Nachtessen belohnt. Wir wünschen uns Fischmässig den Atlantik ins Mittelmeer. Dazwischen wird Zopfgebacken, Orangenmarmelade gekocht, Keyboard gespielt und Felix entdeckt beim Klettern noch frische Gewürze. So werden unsere Gerichte sogar mit Rosmarin, Salbei und Thymian verfeinert.

     

    Auf den Spuren von Don Guichote zieht es uns noch ein paar hundert Kilometer ins Landesinnere durch  Kastilien la Mancha. Über mehrere X- Tausend Quadratkilometer wechseln sich Olivenhaine mit Orangenplantagen und Reben ab, dazwischen mit Geiern besiedelte Schluchten und bizarre Felsformationen. Die wuchtigen Farbunterschiede erfreuen unsere Augen. Das tiefe Ocker der Erde mit den dunkelgrün leuchtenden Oliven vor azurblauem Himmel…., dazwischen Millionen von Manderindli… Phuaa. Wir übernachten mehrmals wild.

     

    Langsam geht unsere Westeuropareise und damit unser 1. Halbjahr als Globedriver zu Ende.  

    Wir werden nach dem Flussdelta vom Rio Ebro, vor einigen Wochen waren wir noch an seiner Quelle, vermutlich doch noch eine Grossstadt, Barcelona mitnehmen und uns gemütlich an der Rhone entlang in die Schweiz kämpfen.

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  • 10 Nov 2009 /  Europa, Madeira

    Um Kosten zu sparen, haben wir keine Kabine auf der Fähre gebucht. Felix hat Glück und findet für uns ein windgeschütztes Plätzchen, das von der Abluft der Kältemaschinen gewärmt wird. Kurzerhand organisieren wir uns zwei Liegestühle und verbringen Ende Oktober bei 25 Grad eine gemütliche Nacht auf Deck.

     

    Am 26. Oktober landen wir auf der Blumeninsel im Atlantik. Einen Reiseführer haben wir auf der Fähre gekauft und natürlich schon viel gelesen.  Wie so oft holen wir uns erste Informationen direkt beim Touristenzentrum in der Hauptstadt Funchal. Wir erfahren, dass es nur einen Campingplatz auf der 80 mal 30 km grossen Insel gibt, dafür ist es erlaubt, auf jedem Parkplatz zu übernachten. Da auf der Schifffahrt unsere Batterie ziemlich entladen wurde ( der Kühlschrank war proppenvoll und das Auto unter Deck natürlich ohne Sonne), möchten wir an eine Steckdose. So fahren wir als erstes an die Nordwestküste nach Ribeira da Janela und wundern uns über den Designer dieses Campingplatzes: Wunderschön aber nur für Zelte, da man den Platz nur über eine kleine Fussgängerholzbrücke erreichen kann. Strom und Wasser weit entfernt.

     

     Im Laufe der Zeit merken wir auch, dass wir wohl der einzige Camper auf der ganzen Insel sind. Die Gründe dafür werden uns bald klar: Auf dieser Insel geht es entweder steil hinauf ( bis zu 25% ) oder steil hinunter. Die Strassen sind von den kurzen Autobahnstücken abgesehen sehr schmal, mit Geisterbahn ähnlichen Tunnels, Wasserfällen direkt auf die Strasse, oft in schlechtem Zustand, auf der einen Seite eine senkrechte Felswand und auf der anderen Seite kann es ohne Leitblanke mehrere Hundert Meter direkt ins Meer hinunter gehen.

     

    Uns gefällt`s, obwohl wir meistens nur im 2. Gang unterwegs sind. Wir stellen die Insel auf den Kopf.

     

    Aus dem Grün ragen die felsigen, von Zedern und Heidegebüsch bewachsenen Bergzinnen des Zentralgebirges. Nur auf der östlichen Halbinsel gibt freiliegendes Vulkangestein den Farbton an.

     

    Üppig und vielfältig sind die passenden Attribute für Madeiras Landschaften und wir packen unsere Rucksäcke.

    Auf dem Fanal, tausend Meter hoch und nur wenige Hundert Meter vom Meer weg, finden wir uralte, knorrige und gigantische Lorbeerbäume, die mit Flechten, Moos und Farnen bewachsen sind.

     

    Auch wandern wir mehrere Stunden im nebligen und regnerischen Rabacal den Levadas entlang. Dies sind die madeirischen Wasserkanäle, die wie im Wallis vor Urzeiten aus dem Fels gehauen wurden, um das Wasser mit wenigen Promillen Gefälle von einem Tal ins andere zu leiten. Rabacal ist von der Unesco als Weltnaturerbe erfasst. Überall Moos, Farne, Lorbeer und Baumheideurwald, überall rauscht Wasser in dieser unberührten Natur. Forellen tummeln sich in den Kanälen und viele Wasserfälle gibt es zu bestaunen.

     

    An einem Abend fahren wir zum Achada do Teixeira, dem Ausgangspunkt auf 1592m für die drei höchsten Gipfel Madeiras. Wir beenden gerade unser gemütliches Abendessen (Hähnchen grilliert mit Teigwaren), als ein Polizeijeep die Passstrasse hochkommt und neben uns parkiert. Längere Zeit steht er da, bevor ein Polizist scheu zu uns kommt und uns auffordert, jetzt doch bitte unseren wunderschönen Übernachtungsplatz zu räumen. Verständnislos gucken wir uns an. Diese Strasse wird tatsächlich 800m tiefer um 19.00 Uhr geschlossen. Da die hiesige Polizei keine Erfahrung mit Campern hat, brauchen wir keine lange Überredungskunst, ihn davon zu überzeugen, dass wir bei Sonnenaufgang die Wanderung zu den drei Gipfeln beginnen wollen. So geniessen wir weit hinter der geschlossenen Schranke eine absolut störungsfreie Nacht und frühmorgens um 7 bereits unterwegs einen einsamen Sonnenaufgang.

     

    Wir wollen weit und hoch. Über den Pico Ruivo,  den Pico das Torres zum Pico do Arieiro und durch die für die normalen Wanderer in den Fels gehauenen, dunkeln Tunnels auf der anderen Seite wieder zurück. Die zerklüfteten Felshänge sind spektakulär und die Aussicht auf die Küsten grandios. Was man von der Nordseite nicht sehen kann……! Auf den letzten Gipfel, dem Arieiro, führt eine Strasse und wir treffen auf hunderte Turnschuh-Touris und Panflötenmusik aus Peru. Schnell was trinken und wieder zurück in die Einsamkeit.

     

    Unsere letzte Wanderung führt uns an den Ostzipfel der Insel. Nichts erinnert hier an die subtropischen Wälder der Nordküste, die tropischen Anpflanzungen des Südwesten, die von Wasserrauschen erfüllten Schluchten oder an liebliche Täler. Madeiras Ostzipfel wirkt rau, felsig und karg. Häufig haben wir Ausblicke auf beide Küsten.

     

    Auf der Nordseite braust die Brandung gegen die Felsen, die Südseite bleibt vergleichsweise ruhig. Dort gönnen wir uns im glasklaren, warmen Meer ein Nacktbad, was von der portugiesischen Armee erstaunlicherweise sofort bemerkt wurde. Plötzlich stehen drei Jungs im Kampfanzug am Ufer und haben wichtige Dinge zu tun. Zum Glück rettet Felix die Situation und wirft Franziska den Bikini ins Wasser.

     

    Zwischen den Wanderungen erkunden wir mit dem Auto die Insel. Überall blühen Strelitzien, Hortensien, Fuchsien und Frangipani. Auf kleinsten Feldern wachsen dicht die Bananen, Reben, Passionsfrüchte und Zuckerrohr.

     

    Wir besichtigen eine Zuckerrohrmühle, baden in künstlichen Meerwasserbecken, versuchen Madeirawein, essen Degenfisch, die schwarze Spezialität der Insel aus 1500m Tiefe, kaufen schon die 3. Matratze und schlafen dort, wo es uns gefällt, oder eigentlich dort, wo es möglich ist.  Das Städtchen Porto Moniz an der Nordwestküste gefällt uns besonders gut. Die Meerwasserbecken sind eine fantastische Notlösung, da Madeira nur über einen einzigen natürlichen 50m breiten Sandstrand verfügt und die nördlichen Küsten alle sehr wild und steil sind.

     

    Gerne würden wir wieder einmal mehrere Tage an einem Ort bleiben, um Zeit zu haben, Keyboard zu spielen, zu lesen, die Wäsche zu waschen, einfach eine Pause einzulegen vor neuen Eindrücken. Auch sollten wir wieder einmal unsere Batterien richtig aufladen, da wir immer nur kurze Strecken unterwegs sind und auch die Sonne an der Nordküste nur dürftig scheint, sind unsere Stromreserven dürftig.

    Leider geht von alldem nichts, wir finden keinen Platz, um uns gemütlich auszubreiten und beschliessen deshalb,….zurück aufs Festland. Beim Surfen sehen wir, auch in Südspanien herrschen noch Temperaturen von 25° J

    Fazit:

    Eine herrliche Insel! Sehr Wetterlaunisch mit vielen Klimazonen. So kann es im Norden aus Kübeln regnen, in den Bergen ist dichter Nebel und Luftlinie nur 3 km südlich ist schönstes Badewetter.

    Die Madeirer sind nett, zuvorkommend und zurückhaltend und dann sind da noch die Testosteron getränkten, jungen Männer die völlig durchgeknallt die ganze Nacht jede mögliche Strasse in irrem Tempo mit ihren Kisten sinnlos rauf und runter fahren. Vom Parkplatz 100 m zum Kreisel und zurück. 10 x hintereinander ohne Problem.

    Und…. Die Frauen walken, oft in Flipflops, zu zweit oder dritt gemütlich plaudernd, nicht den Stränden entlang sondern im Quadrat. Ob wohl einmal jemand im TV gesagt hat: „gehen sie jeden Tag tausend Schritte egal ob hin und her oder im Quadrat.“

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  • 29 Okt 2009 /  Europa, Portugal

    12. Oktober, Santiago de Compostela. Von jetzt an geht es nur noch südwärts. Nicht weil wir das unbedingt wollen, J sondern Richtung Westen gibt es kein Land mehr.

    Wir schaffen nur noch wenige km nach der Grenze in Portugal, zu schön sind die Strände und der azurblaue Atlantik. In Afife verstecken wir uns gleich am Meer in einer Lagune im Schilf. Füdliblut steht Felix nach dem Duschen im Auto als es draussen klopft und schon streckt ein hübsches Girl ihren Kopf herein und fragt französisch, ob wir auch aus der CH kommen. Die Lausannerin ist alleine mit ihrem 54 kg schweren Mountainbike nach Australien unterwegs. Schnell laden wir sie und noch einen deutschen Biker zu einem Glas Wein ein und geniessen gemeinsam den herrlichen Abend.

     

    Weiter geht’s immer nach einem schönen Schlafplatz Ausschau haltend Richtung Lissabon, das wir dann aber später doch grossräumig umfahren, wie viele andere Städte auch. Die Suche gestaltet sich ziemlich schwierig hier, da immer nur Stichstrassen von mehreren km zur Küste führen, und diese sind ausschliesslich mit schrecklichem, ja ich weiss auch schmuckem Kopfstein gepflastert. Mit unseren 4.6 bar in den Reifen ist dies eine schöne Schütteltour. Wir haben aber keine Lust, ständig den Luftdruck den Strassen anzupassen.

    Am nächsten Abend, im tiefen Sand stehend, geniessen wir nach einem gemütlichen Nachmittag mit fischen und lesen, einen selbstgemachten Pulpesalat. Früh am morgen ist an dieser Beach Action angesagt. 15 Fischer ziehen mit 3 Traktoren, und einem Boot ein 2 km langes Netz durch die sehr starke Brandung und fangen so auf die Schnelle ca. 100 kg Fisch. Das meiste sind Sardinen und Makrelen und leider gehen beim Beifang auch noch 2 Katzenhaie drauf. Franziska ist den Tränen nahe und Felix versucht sie, natürlich die Haie zu reanimieren. Erfolglos.

     

    In Santo André richten wir uns für mehrere Tage ein, kaufen Würmer, zum Fischen natürlich und Speis und Trank. Von einem netten Fischer erfahren wir, dass man in Portugal überall eine Fischerlizenz benötigt. Diese kann man aber nur in der Regionalhauptstadt oder am Bankomaten! lösen. Jetzt versuch einmal portugiesisch 7 Seiten auf der Mattscheibe zu lesen und die richtigen Antworten einzugeben!! Freundliche Eingeborene wollen helfen, doch auch sie schaffen es nicht. Ein Freund vom Fischergeschäft hat dann Erfolg und ich bin stolzer Besitzer einer offiziellen Lizenz. Jedoch nur für diesen kleinen Nationalpark, in dem wir gerade sind. 2 Tage und eine halbe Nacht fischt Felix ohne einen einzigen Schwanz zu sehen. Er hat, so erfährt er vom Professor Fischer im Ort, das völlig falsche Equipment. Hier mit dieser starken Brandung und der sehr steilen Beach muss man die Köder mit mindestens 120 g Blei über 100 m weit hinauswerfen, damit sie von den Wellen nicht gleich wieder zurück gespült werden. So ist Felix jetzt auch Besitzer einer echten Profirute mit einer Rolle Silch mit über 250 m.

      

    Die Kontakte mit den anderen Fischern sind unglaublich herzlich. Immer wieder kriegen wir Gratistipps und werden sogar noch zum Frühstück eingeladen.

     

    Nun sind wir wieder zurück an der Beach südlich von Lissabon nach einem 600km Abstecher in die Universitätsstadt Salamanca. Auf der Fahrt zurück nach Portugal geht es durch die Extremadoura. Uns faszinieren die Korkeichen in den verschiedenen Stadien der Korkgewinnung.

     

    Nur mit dem Fischen wird es leider auch hier in den nächsten Tagen nichts. Eine Schlechtwetterfront kommt von den Azoren auf uns zu. In der 2. Sturmnacht stehen wir direkt an einer 100 m hohen Klippe und bekommen die Wucht voll zu spüren.

     

    Mitten in der Nacht müssen wir fliehen, kurz bevor uns vermutlich eine Orkanböe auf die Seite wirft. Im Landesinnern, in den Bergen am Stausee Santa Clara finden wir nach dem tosenden und krachenden Meer-und Sturmlärm tiefste, erholsame Stille und einen gigantischen Sternenhimmel. Irgendwo in der Pampa, am Rand eines kleinen Dorfes bei einem Quellbrunnen machen wir an uns dreien einen grossen Service. Felix putzt und schmiert und Franziska liegt im Schatten und kuriert ihre starke Erkältung aus.

     

    Nach einer kurzen Nacht, wir hatten Spass mit 2 deutschen Paaren, die auch das Weite und die Wärme suchen, geht es am 24. Oktober nach Portimao. Wir haben heraus gefunden dass Europa eigentlich noch nicht fertig ist… und buchen uns einen 22 stündigen Fährenritt auf die Insel Madeira.

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