• 02 Sep 2011 /  Südamerika, Uruguay

    Quer durchs Ländle  16.8 – 27.8. 2011

    Um an den Atlantik zu kommen, müssen wir zuerst einmal wieder in Argentinien einreisen. Doch hier wollen wir auf keinen Fall wieder durch den Bundesstaat Entre Rios mit seinen arroganten und höchst korrupten Polizisten.

    So fahren wir von Norden her, über Urugayana Brasilien, in Uruguay ein. Da wir ein paar Tage zu den Thermen Arapey wollen, wäre die nächste Grenze von Argentinien ein Umweg von 300 km. Wir bekommen am brasilianischen Zoll ein Zeitfenster von 12 Stunden um die 100 km brasilianische Abkürzung zu bewältigen und müssen nur Hidalgo deklarieren. Unsere Pässe bleiben vorläufig von neuen Stempeln verschont.

    So nett wie hier in Uruguay sind wir noch nie an einer Grenze empfangen worden. Mit einem Handschlag und ehrlichem Lächeln heisst uns der Zöllner willkommen und schiebt uns sogar Stühle unter den Hintern. Uruguay ist offenbar anders. Dieses Land mit seinen 187‘000 km2 (Schweiz, 42‘000) hat nur 3,42 Mio. Einwohner. Topfeben vom einen Ende zum Anderen sehen wir hauptsächlich Weideland und Baumschulen. Dem schnell wachsenden Eukalyptus mussten praktisch alle einheimischen Pflanzen weichen. Die meisten Menschen wohnen in den wenigen Städten, wie Montevideo, Maldonado und Punta del Este.

    Nach 5 Tagen in den warmen Quellen der Therme Arapey ziehen wir die Stecke von über 500 km in einem Tag durch und holen unsere Freunde Ruth und Walter am folgenden Tag am Hafen von Colonia del Sacramento ab.

    Und… Sie bringen unseren neuen Boiler mit, den wir sogleich montieren. Leider hat Felix dabei zu viel Kraft und dreht an einer Schraube so lange bis sie auseinander bricht. Ein satter Wasserstrahl spritzt uns entgegen. Grosses Gefluche und Gezeter, dieses Ersatzteil hier zu finden, ist aussichtslos. Das bedeutet, wir haben vorläufig kein heisses Wasser mehr. Nur gut, dass wir uns Richtung Wärme bewegen und nicht wie hier vor einem Jahr in den kalten Süden.

    Colonia del Sacramento, von den Portugiesen 1680 als Schmugglerstadt gegründet und in den folgenden Jahrzehnten mal in spanischer, mal in portugiesischer Hand, ist echt ein reizendes Städtchen mit vielen Strassenkaffees, kleinen, alten Gassen und einem Leuchtturm, den man besteigen kann. Nirgendwo anders sieht man so viele Oldtimer zur selben Zeit. Sogar die Überreste der historischen Stadtmauer sind noch vorhanden. In der Nacht wird wie mit gelbem Flutlicht der ganze Horizont mit der Lightshow Buenos Aires beleuchtet, die auf der anderen Seite des Río de la Plata liegt.

    Am 24. fahren wir ab, kommen aber nicht sehr weit. Paul aus Stans, ein Bekannter von Walter, wohnt in Solís an der Küste und freut sich über unseren spontanen Besuch. Da er schon Gäste für den Abend eingeladen hat, komme es auf 4 hungrige Mäuler mehr auch nicht mehr an. Wir haben viel Spass mit den Exilschweizern Silvia, Heinz, Paul und Fritz. Und jetzt kommt der Knaller: Fritz war ein Sanitär und Heizungsprofi und er habe bestimmt ein passendes Ersatzteil für den Boiler. So fahren Fritz und Felix kurz nach dem Abendessen zu seiner schönen Villa in Paraíso Suizo und durchstöbern sein Warenlager, in dem alles noch aus der Schweiz stammt. Ja und sie finden es tatsächlich. Lieber Fritz, wir danken Dir von ganzem Herzen, ab sofort sind wir wieder trocken.

    Durch die mondäne Hochhausstadt Punta del Este nehmen wir der Küste entlang Kurs nach Brasilien. Mit jedem Meter, den wir uns dieser Grenze nähern, verschlechtert sich das Wetter. Am Zoll in Chuy prasselt es nur so auf uns runter, auch wird es bitterkalt. Und das soll erst der Anfang einer riesigen, anhaltenden Gewitterzone sein. Ist das ein gutes Omen für ein tropisches Land?

    Ausser seinen auffallend lieben und gastfreundlichen Menschen, dem guten Fleisch der Grillrestaurants, sowie den gemütlichen Thermen bietet dieses Land in dieser Jahreszeit nicht gerade viel. Wenigstens für uns. Auch die tollen Strände locken bei einer Wassertemperatur von 14° noch nicht wirklich.

    Uruguay ist wirklich anders. Alle haben Wasser im Überfluss, hungern muss hier niemand. Wir wurden kein einziges Mal von der Polizei gestoppt, konnten bedenkenlos wild campieren und meistens ist alles hübsch und sauber.

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  • 14 Aug 2011 /  Paraguay, Südamerika

    Von Nordwest nach Südost, 10.7. – 15.8.2011

    Eigentlich wollen wir dieses Land ca. 9,5 x so gross wie die Schweiz, mit nur 6,5 Mio. Einwohnern in 2 – 3 Tagen durchfahren und noch schnell einen Besuch bei der Familie machen, die wir auf dem Schiff nach Südamerika kennen gelernt haben. Diese Zeugen Jehovas Familie ist von Immenstadt in die Hauptstadt von PY ausgewandert, um ihren Kindern ein Leben mit weniger weltlichen Einflüssen zu bieten als es in Deutschland möglich ist. Mal sehen?

    Wir wollen nur schnell den Chaco queren, eigentlich nichts anderes als eine riesige, flache und staubige Dornenwüste durch die eine einzige Strasse führt.

    Doch genau dieser Chaco mit all seinen wenigen aber lieben und interessanten Menschen hat uns gepackt.

    Der Gran Chaco, d.h. keine Menschenmassen sondern Wildnis pur. Die gewaltige Fläche, grob unterteilt in die Palmensavannen des feuchten Chaco (die ersten 350 km westlich von Asunción) und die Dornenwälder des trockenen Chaco (der Rest), nimmt die gesamte westliche Hälfte Paraguays ein und erstreckt sich bis nach Argentinien und Bolivien. Ein Naturparadies in dem viele Vögel, Amphibien und Wildtiere leben aber nur 3% der Gesamtbevölkerung.

    3 Tage lang gehen wir im Nordosten im NP Teniente Agripino Enciso auf Wildpirsch bevor wir nach vielen km Erstgangschlaglochstrasse, die Mennonitenstadt Filadelfia im Herzen des Chacos erreichen. Raymondo Friesen, der Leiter des Hotels Florida lädt uns spontan bei sich zuhause zu einem perfekten Asado ein und wir erfahren viel über diese Mennoniten. Wir sind interessiert und besuchen das Infocenter, das Museum, und einige industrielle Anlagen. Vor allem die Erdnussfabrik ist ein „Genuss“. Frau Harder, eine sehr engagierte Mennonitin, Leiterin des Infocentrum und freie Journalistin des gemeindeeigenen Radios erzählt uns in vielen Stunden die Geschichte der Mennoniten. Was uns am meisten erstaunt: Der Zürcher Reformator Ulrich Zwingli ist schlussendlich der Anlass, das diese deutsch- und russischstämmigen Mennoniten hier in der Dornenwüste gelandet sind.

    Mit Diktafon werden wir von Frau Harder im Hotelgarten über unsere Reise interviewt, mit dem Resultat, dass nach der Ausstrahlung im Radio ZP 30 mit einem Sendebereich von 600 km, uns jeder auf der Strasse erkennt und uns freundlich grüsst. Wir geniessen vor allem den deutschen Supermarkt. Lange ist es her, dass wir uns so mit Käse, dunklem Brot, Fleischkäse und Geräuchtem verwöhnen konnten.

    Am 2. Morgen in Filadelfia klopft es am Hidalgo und mit bernischem Dialekt werden wir vom Bienenernst in sein Dorf Rosaleda eingeladen. Ok, so fahren wir dann über 100 km zurück und dann noch 33 km nach links in den Busch. Wir wissen mittlerweile, dass sich hier im knochentrockenen Dornendschungel vor 15 Jahren ca. 20 Familien mit Kindern angesiedelt haben. Alles Selbstversorger mit einer eigenen kleinen Schule.

    Wir erwarten so ein kleines, sauberes, klischeehaftes Schweizer Dorf mit Zentrum, kleinen Chalets mit Geranientrögen im blumenreichen Vorgarten, mit rotweiss karierten Vorhängen, Dorfbrunnen, Trachtenverein und einem Migros. :-)

    Wir finden in H-Form angelegte Erdpisten und alle paar hundert Meter (bis einige km) eine Einfahrt zu den Anwesen in den Busch.

    Hier bekommt man auch heute noch viel Land für ein Butterbrot, was diese Leute genutzt und sich zum Teil mehrere hundert Hektaren gekauft haben. Wir finden grosse und grössere Anlagen mit allem was wir uns in dieser Wüste nicht vorstellen können. Sogar einige Swimmingpools entdecken wir. Dabei gibt es in dieser Gegend weder fliessend Wasser noch Strom. Das Wasser kommt entweder aus den grossen Zisternen oder salzhaltig aus 250 m Tiefe. Den Strom gewinnen die Rosaleder vom Generator oder mit Solarzellen. Alle backen sie Brot, verarbeiten die eigene Milch zu Käse, Joghurt, Quark und metzgen zwischendurch irgendeines ihrer Tiere  von denen es hier überall nur so wimmelt.

    Unser Bienenernst übertrifft das alles noch mit Pfauen, Truthähnen, 50 Kühen, Wasserbüffel, Schafen, Schweine und einem grossen Gemüse- und Heilkräutergarten. Dann natürlich noch viele Bienenvölker, daher auch der Name.  Und wieder ändern sich unsere Pläne, wir bleiben und fragen, ob wir ihm etwas helfen können, da er ganz alleine so viel um die Ohren hat. Wir werden herzlich empfangen und zu tun gibt es hier wirklich genug.

    So bauen wir einen Rinderimpfsteg, fabrizieren Heilkräuterextrakt, malen Ausstellungstafeln, melken, füttern, kochen, putzen, schneiden Zuckerrohr und vieles mehr. Macht grossen Spass wieder einmal andere Muskeln zu spüren. Um bei Kräften zu bleiben, füttert uns Ernst reichlich mit all seinen gesunden Bienenprodukten.

    Dazwischen lernen wir die anderen Rosaleder kennen. Ein bunt gemischtes Völklein. Einer verschifft in Containern so viel Material aus Armeebeständen hierher, dass er „Die perfekte Werkstatt“ mit allem nur erdenklichem einrichten kann.

    Eine Andere ist eine begnadete Korbflechterin mit einem Atelier wie aus dem Bilderbuch. Sie hat sogar eine Lehrtochter nach Schweizer Lehrplan. Der Nächste besitzt einen kleinen Laden mit Beiz, wo sich alle 2 x die Woche treffen können. Eine geniesst schlicht und einfach mit ihrer Rente die Ruhe und ihr Sohn hütet die Häuser, wenn die Besitzer mal auf Heimaturlaub sind. Alle haben sie aber etwas gemeinsam: Hier haben sie ihre Ruhe und das Leben, das zu ihnen passt.

    Von allen werden wir warmherzig aufgenommen und schon nach kurzer Zeit kommt es uns vor, als hätten wir schon immer hier gelebt.

    Wir könnten hier Wurzeln schlagen, wenn nur dieses vom Wind beherrschte Klima nicht wäre. Es gibt nur 2 verschiedene Winde. Entweder der heisse vom Norden oder der kalte vom Süden. Das heisst, im Winter kann es mit Nordwind locker über 35° werden und am nächsten Tag herrscht mit Südwind Frost. Im Sommer sind Temperaturen über 45° die Regel. Das Ganze mit viel Staub vermischt, macht es, wenigstens für uns, zu keinem wirklich gemütlichen Cocktail.  Aber eine tolle Erfahrung ist es auf jeden Fall.

    Zum Abschluss dieses 16-tägigen Rosaleda –  Aufenthalts feiern wir noch zusammen den 1. August mit allem, was dazu gehört. Das Feuer sticht 10 – 20 Meter in den klaren, kalten Nachthimmel, während die Würste und Rinderhälften auf dem Grill schmoren. Die Ansprache von  Frau Bundespräsidentin Micheline Calmy Rey wird verlesen, die Hymne fast auswendig gesungen und Felix spielt auf zum Tanz. Würden uns hier nicht überall Skorpione, Gürteltiere, Korallen- und Klapperschlangen begegnen, hätten wir das Gefühl, irgendwo auf dem Hauenstein zu feiern.

    Zwei Tage später treffen wir in der Hauptstadt Asunción ein und bekommen einen Stellplatz vor dem Haus unserer Bekannten.

    Asunción wird in kurzer Zeit abgehackt, da es für uns die bis jetzt wohl hässlichste Stadt auf diesem Kontinent ist. Die Innenstadt ist verlottert und wirkt leblos, die Geschäfte sind in grossen, modernen Shoppingcentren konzentriert und besondere Sehenswürdigkeiten gibt es keine.

    Wir treffen aber den Schweizer Christian König aus Rheinfelden (Papierhof), der schon lange hier lebt und werden für Sonntag in den Schweizer Club zur verspäteten 1. Augustfeier eingeladen. In einem wunderschönen Privatpark 70 km östlich der Stadt werden Berner Platte, Käsefondue und „Trittst im Morgenrot daher“ serviert. Die Ansprache von Calmy Rey wird hier auf Spanisch verlesen, da nur noch wenige der schweizerischen Landessprache mächtig sind. Wir verziehen uns bald, dürfen wir doch auf diesem Parkgelände übernachten.

    Weiter geht es der argentinischen Grenze entgegen. Viel Farm-und Weideland in hügliger Landschaft. Übrigens: einen richtigen Berg, so etwas höher als 400 m sucht man im ganzen Land vergebens. Auch ist es speziell für uns, dass wir viel mehr deutsch- oder schweizstämmige Menschen getroffen haben als Paraguayer.

    Im Camping Manantial in Hohenau nahe der Grenzstadt Encarnación werden wir richtig überrascht.Nicht
    nur, dass es ein perfekter, preiswerter mit allem Komfort eingerichteter Camping ist, sondern wir entdecken (und das finden jetzt nur reisende südamerikanische Insider spannend), den grünen Merzedescamper von Joseph. Den hat er hier für viele Euros dem Campingplatzbesitzer verkauft und ist nach Hause geflogen.

    Wir verbringen hier noch ein paar Tage, bevor wir Ruth und Walter in Uruguay treffen, um mit ihnen nach Brasilien in den Pantanal zu ziehen.

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  • 16 Jul 2011 /  Bolivien, Südamerika

    Ab nach Paraguay 4.7. – 10.7. 2011

    Die beinahe 2-wöchige Schlechtwetterfront mit kaltem Wind und viel Regen abzuwarten hat sich gelohnt. Am Tag unserer Abreise via Trinidad und Santa Cruz nach Paraguay  herrscht perfektes Hidalgowetter. Angenehm am Tag, kühl in der Nacht. Wir haben eine 1700 km lange Dschungelfahrt auf schlimmen Pisten vor uns. Bei Regen gibt es hier kein Durchkommen. Trotz dem Gerüttel geniessen wir es, wieder unterwegs zu sein. Nach Yocumo und San Borja verlassen wir die letzten Anzeichen von Zivilisation, und schon begrüssen uns die ersten Papageien  mit kräftigem Geschrei im Dschungel. Wir wollen beim Reserva Biosférica Beni übernachten, finden aber nur eine verlotterte und verfallene Anlage ohne Menschen. Macht nichts, denn auf der Wiese hinter dem Gebäude, mitten unter reifen Grapefruitbäumen, umzingelt von Hunderten von Aras, Loris und anderen Krummschnäbeln, fühlen wir uns auch so sehr wohl.

      

    Der Tag danach soll der Höhepunkt dieser Fahrt werden und tatsächlich, die schnurgerade Piste bis nach Trinidad kommt uns vor, als führe man durch einen Zoo. Da liegen Alligatoren kreuz und quer, links und rechts. Geflügel in jeder Farbe und Grösse. Auch sehen wir einmal eine Schlange der gefährlicheren Art. Von dieser schwarzen Mamba gebissen zu werden, heisst auf der Stelle, tschüss ihr alle.

      

    Viel gefährlicher als diese Schlange, empfinden wir die abenteuerliche Überfahrt des Rio Mamoré. Auf Pontons, die kaum grösser als unser Wagen sind, geht es mit 15 PS über den Fluss. Nur schon die Auf- und Abfahrten sind spektakulär. Gerne hätten wir gesehen, wie und ob das bei Regen auch noch funktioniert.

     

    Da es unmöglich ist, an diesen Dschungelstrassen auf die Seite zu fahren, um zu übernachten, fragen wir bei der 1. Estancia vor Trinidad und bekommen zwar verwundert, jedoch spontan ein „Si Señor, no problemo“. Wieder umzingelt von Grapefruits und vielen Schweinen verbringen wir die letzte kühle Nacht für längere Zeit.

       

    In Trinidad müssen wir dringend unser völlig verstaubtes und verkrustetes Fahrzeug waschen lassen, ab hier soll die Asphaltstrasse beginnen. Nur 3 Minuten später, der Asphalt hat sich aufgelöst und wird nun mit feuchtem Lehm verbunden, sieht Hiddy schlimmer aus als zuvor. Felix flucht und Franziska schüttelt nur noch den Kopf, wie wenn sie sowas geahnt hätte. Wie kommt sie nur darauf?

    Auch will Franziska jetzt  noch einen 50 km Abstecher zu einer Jesuitenmission machen. Nun denn, der Chef befiehlt. So besuchen wir die Jesuitenmission San Javier, die 1691 gegründet wurde und heute als UNESCO- Weltkulturerbe gilt. Wunderschön, was diese Jungs zusammen mit Ihren indigenen Helfern, andere würden heute Sklaven sagen, mitten in diesen trockenen Hügeln dannzumal auf die Beine gestellt haben.

      

    Wir schlafen auf dem Gelände einer Schreinerei, das eigentlich nur schon der Aussicht wegen toll war, jedoch hat uns niemand gesagt, dass kurz nach Mitternacht Baumstämme mit riesigen Trucks angeliefert werden und um uns herum ein Radau schöner geht‘s nicht fabrizieren.

    Santa Cruz gefällt nicht wirklich. Wir schlafen, gehen ins Internet, füllen unsere Vorräte im riesigen Supermercado auf, tanken Wasser bei der Feuerwehr und schon geht’s wieder weiter.

      

    Die Strasse wird richtig schön, wir rollen beinahe geräuschlos über frischen Teer und diverse Hügel. Gerne hätten wir jetzt die Kawasaki dabei. Plötzlich stehen wir vor einer grossen Salzlagune und möchten hier übernachten, jedoch, wie überall hier, führt kein Weg, kein Pfad zum Wasser. Wunderschön, doch kein Mensch kann diese Pracht aus der Nähe sehen, alles ist mit einem Dornenwald umgeben. Wir erinnern uns, ca. 5 km hinter uns eine Hacienda-Einfahrt gesehen zu haben. Probieren geht über studieren. So öffnen wir ausnahmsweise ein Tor und fahren auf Privatgrund einige km zum Gauchogebäude. Die Jungs hätten kein Problem, wenn wir uns hier verschlaufen, aber ihr Chef, ein Argentinier komme heute und sie wissen nicht, wie der reagieren würde………! Trotzdem bekommen wird die Erlaubnis, noch ein paar km weiter zu fahren und uns dort zu verstecken. Der Chef würde nie bis dorthin fahren. Ok, so stehen wir dann später direkt über dieser Salzlagune mitten im Busch und geniessen eine super ruhige Nacht.

      

    Nun sind es nur noch wenige km bis zur paraguayischen Grenze und wir bekommen noch ein nettes Abschiedsgeschenk von Bolivien. Eine frisch asphaltierte Strasse führt 85 km direkt zur Grenze. Diese darf aber noch nicht, (seit mind. 2 Jahren noch nicht) befahren werden, und wir müssen direkt daneben auf eine schlimme Staubpiste. Aber auch das schaffen wir nach einer Nacht zwischen Dornen und Papageien und sind am Morgen nach nur 5 Minuten Formalitäten in unserem 4. Land angekommen.

      

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  • 28 Jun 2011 /  Bolivien, Südamerika

    Rurrenabaque  13.5. – 30.6.2011

    Offensichtlich haben wir eine sehr gute Wahl getroffen mit unserem Standort. Hidalgo steht auf einem Hügel im Schatten eines Baumes mit Aussicht auf den tropischen Dschungel. Wasseranschluss und Steckdose in nächster Nähe. Einen Grill und eine Aussenkochstelle haben wir schnell gebaut und Brennholz steht bergeweise zur Verfügung.

      

    Mit Jürg Freundschaft zu schliessen, fällt uns auf Anhieb leicht und so kommt er auf eine geniale Idee: Er kauft extra für uns eine 250er Crossmaschine und vermietet sie uns für nur 200 US$ pro Monat. Jetzt können wir unabhängig ins Dorf zum Einkaufen und Internet fahren und kleine Touren unternehmen.

      

    Dann haben wir durch ihn endlich einen Metalldreher gefunden. Er verpasst unserem Gasadapter ein Innengewinde und fabriziert den notwendigen Anschluss dazu. Mit einem 3 m langen Schlauch und dem länderspezifischen Flaschenventil sind ab sofort unsere Gasprobleme für immer gelöst. Jetzt können wir auf der ganzen Welt irgendeine Gasflasche kaufen oder ausleihen und sie vom Kabinendach in unseren Tank überströmen lassen. Genial!

      

    An die feuchtheissen Temperaturen gewöhnen wir uns schnell und so planen wir die anstehenden Dschungelexpeditionen.

    Als erstes wollen wir den Berg gleich hinter uns in Angriff nehmen. Mit Machete und Seil ausgerüstet schlagen wir uns auf einem zugewucherten Trampelpfad 400 Höhenmeter hinauf zur Krete, um auf die andere Seite ins Benital zu sehen. Begleitet werden wir von „unseren“ Jagdhunden Max und Moritz. Sie lassen sich auch von steilsten Felswänden nicht aufhalten. Wir wollen ein Faultier aufspüren, finden aber immer nur Feuerameisen, die uns ganz schön zu Leibe rücken. Ihre Bisse schmerzen tagelang und lassen ein kleines Stück unseres Fleisches verfaulen. Igitt!

      

    Dann buchen wir eine Tour in die Feuchtsavanne. Das heisst, wir schippern von Santa Rosa den Rio Yacuma hinauf, ein Mündungsfluss des Rio Mamoré. Nach 150 km staubiger Rumpelpiste heisst es umsteigen in unser motorisiertes Einbaumboot. Unterwegs haben wir schon die ersten Kaimane (Unterfamilie der Alligatoren) und viele Vögel gesehen. Je weiter wir dem Fluss stromaufwärts folgen, desto mehr Getier kommt zum Vorschein. Cocodrillos, Wasserschildkröten, Eisvögel, verschiedene Kormorane und Fischreiher, Capivaras und vieles mehr. Und… wir sehen unseren schon lange ersehnten ersten, rosa Flussdelfin. Hammer! Die spätere Suche nach Anakondas bleibt erfolglos, umso besser ist aber die Anzahl gefangener Piranhas. 30 Stück haben wir am Schluss und die schmecken uns frittiert zum Abendessen sehr, wie Eglifiletchnusperli, mmhh.

      

    Zum Abschluss dieses grossartigen Tages mit vielen Tieren nehmen wir zwischen Kaimanen, Süsswasserstachelrochen und Piranhas ein kühlendes Bad inmitten einer Gruppe Delfine. Das ist schon sehr speziell bei einer Sicht von wenigen cm mit dem Wissen von all diesen Tieren. Felix hat sogar einen Kontakt mit einem Delfin. Er hofft wenigstens, dass es einer war und kein Alligator. Nicht vergessen dürfen wir die vielen Kapuziner- und Brüllaffen im Dickicht und hoch oben im Geäst eines Baumriesen sehen wir sogar einen Jabiru, mit seiner Grösse von 1.20 m und einer Flügelspannweite von 2.60 m der grösste Storch Südamerikas.

      

    Mitten in der Nacht überrascht uns ein Sur. Das ist ein starker, kalter Südwind aus Argentinien mit extrem starkem Regen. Frierend und völlig verdreckt kommen wir nach 3 Tagen wieder in Rurrenabaque an.

    Unsere Freunde Olivia und Lolo, die immer noch in La Paz in der Garage wohnen und auf ihre Getriebeteile warten, haben die Nase voll von der Stadt und besuchen uns mit dem Flieger für 10 Tage. Freude herrscht und wir staunen, dass sie so für die Strecke, die uns nervenaufreibende 24 Std. gekostet hat, nur 40 Min. brauchen.

       

    Zusammen beschliessen wir, diesmal südwärts in den richtigen Dschungel zu gehen, in den Nationalpark Madidi. Er umfasst einen riesigen Lebensraum für wilde Tiere vom tropischen Regenwald bis zu den Gletschern der Anden und beherbergt die grösste Artenvielfalt aller Schutzgebiete der Welt. Forscher haben hier mehr als 1000 Vogelarten und mehr geschützte Arten als sonst auf der Welt gesichtet. Über 100 km weit fliegt unser 65 PS- Einbaum den Beni und Río Tuichi hinauf in die absolute Wildnis. Unser Führer Pedro, im Dschungel geboren und Kenner von Flora und Fauna zeigt uns voller Stolz sein Reich. Das Camp mitten im Regenwald empfängt uns überhaupt nicht südamerikanisch. Es ist neu, sauber und alles ist durchdacht und funktioniert. Das Essen ist wie übrigens überall in Bolivien einfach nur hervorragend. Zu fünft unternehmen wir lange Trecking durch den Dschungel, immer auf der Suche nach Tieren und besonderen Pflanzen.

      

    Tiere hat es massenhaft, wir sehen tausende von Spuren. Darunter auch viele Abdrücke von Jaguaren und Tapiren, aber zu Gesicht bekommen wir nur Wildschweine in grosser Zahl. Das Gebiet hier ist so riesig und wir sind so laut und stinken schon von weitem nach Mensch, dass die Viecher alle Zeit der Welt haben sich zu verschlaufen. Aras und Tukane sehen und hören wir jede Menge, jedoch immer in den Baumwipfeln, zu weit weg um gute Fotos zu schiessen.

      

    Beim Abendessen Angeln haben wir wie schon öfters mehr Glück, viel mehr sogar. In jeder der vielen Palmsprösslinge am Flussufer haust eine kleine Made. Mit diesen fangen wir in einem kleinen Nebenfluss 10 cm kleine Sardinen, welche an 10 cm grosse Angelhaken an einem 3 mm starken Silch aufgespiesst werden. Kurz darauf stehen wir alle am Ufer des reissenden Tuichi und werfen diese Köder aus. Binnen Minuten fängt Franziska einen 8 kg schweren Gigant-Piranha, Olivia einen Stachelrochen und Felix zuerst einen sehr schmackhaften Yatorona und zum Abschluss einen über 40 kg schweren Wels. Rochen und Wels werden wieder frei gelassen, da wir so viel Fisch nicht essen können und im Camp  es auch keinen Kühlschrank gibt.

      

    Die Köchin brutzelt unsere Fische auf traditionelle Weise in Bananenblättern und einer Bambusröhre über dem Feuer und serviert sie mit Maniok, Reis und diversem Gemüse. Vor dem Essen stolpern wir noch beinahe über die zweitgiftigste Schlange Amazoniens und eine grüne Baumcobra, sowie diverse behaarte und andere Spinnen kommen zu Besuch.

      

    Wir lernen auf anschauliche Weise, dass der Dschungel nicht wirklich menschenfreundlich ist, jedoch bei richtigem Verhalten relativ ungefährlich wird. Gestochen, gefressen und ausgesaugt werden wir nur von den Myriaden von Sandfliegen. Die Beine unsere Frauen sehen aus wie geschwollene mit blutigen Punkten übersäte Klumpfüsse.

    Auch lernen wir, wie man das tödliche Pfeilgift Curare aus der Rinde desselben Baumes fördert oder warum der Knoblauchbaum seinen Namen bekam. Oder ein anderer riesiger Baum, bei dem man das Gefühl hat, er sei innen hohl. Schlägt man mit einem Knüppel an den Stamm, hört sich das an wie eine Trommel, daher sein Name: Trommlerbaum. Oder wie löschen die Indigenen und heute wir  im Dschungel ihren Durst? Man suche sich die überall herumhängende Liane Uña del Gato (Kralle der Katze), schlägt davon mit der Machete ein armlanges Stück ab und hat sofort  bestes Trinkwasser, manchmal sogar genug für eine kleine Dusche.

      

    Schlafen ist hier auch etwas ganz Besonderes. Es quakt, zirpt, brüllt, trillert und kreischt nur so um uns herum. Die ganze Luft scheint mit den verschiedensten Tönen richtig aufgeladen zu sein.

    Begeistert kommen wir auch hier nach 3 Tagen wieder in die Zivilisation zurück und lecken unsere Wunden. Sie waren es uns mehr als Wert.

      

    Die Zeit vergeht wie im Fluge. Olivia und Lolo fliegen zurück nach La Paz, ihr VW-Büssli soll wieder fit sein. Wir müssen das undichte Küchenfenster ausbauen und neu verleimen, ausserdem verfugen wir alle anderen Fenster neu und Felix malt an die Wände von Jürgs neuen Bungalows Fantasieblumen. Sehr grossen Spass macht es uns, wie wir im Dorf Fuss fassen. Wir wissen genau wo, was und wie man am besten einkauft, die Anrede hat sich von Gringo auf Amigo geändert, und wir werden überall freundlich gegrüsst und auf einen Schwatz eingeladen.

      

    Jedoch genau hier scheitert es leider immer noch. Unsere Spanischkenntnisse hinken unserer Anwesenheitszeit in Lateinamerika noch deutlich hinterher. Hallooo, wer kann abends um 20.00 Uhr bei 30 ° und 80% Luftfeuchtigkeit Spanisch lernen. Aber wir wollen uns verbessern und motivieren uns gegenseitig zum Büffeln.

    Und dann wollen wir eigentlich gemütlich Kuchen backen für das Fest San Juan mit Jürg und seinen Freunden und Angestellten und danach langsam unsere Zelte in Rurrenabaque abbrechen, aber:

    Aus der Kabine tropft Wasser!!!! In einer Sitzbank steht das Wasser und alles ist tropfnass! Nach einer genauen Kontrolle des gesamten Wassersystems steht fest, dass nur der Boiler der Übeltäter sein kann. Nach einem kurzen Telefon mit Tartaruga wird der Boiler ausgebaut, da vermutlich sein O-Ring undicht ist. Das bedeutet: stundenlange Arbeit mit der Demontage unseres Wassersystems und in Kauf nehmen von Schäden an Kabinenwand und Möbelbau. Zuerst wird alles fotografiert und einiges gezeichnet, damit wir irgendwann alles wieder richtig einbauen können.

      

    Tatsächlich hat der O-Ring eine Furche. Wir können ihn austauschen und installieren am nächsten Tag alles wieder. Abends beim Test sind wir total frustriert: es rinnt immer noch Wasser aus dem Boiler! Am folgenden Morgen also alles nochmals von vorn! Diesmal wird der Boiler ganz ausgepackt und alle Schweissnähte mit Druck überprüft. Und wirklich ist eine defekt! Wir suchen uns im Dorf einen Schweisser und müssen uns anhören, dass die ganze Naht brüchig sei und wohl nicht lange halten wird. Super, und das soll deutsche Qualitätsarbeit sein! Nach der 2. Installation bleibt Hidalgo jedenfalls trocken und wir hoffen, dass das so bleibt.

    Jetzt sind wir innen trocken, dafür wird es draussen umso nässer. Ein neuer, intensiver Viento Sur setzt alles unter Wasser und will nicht aufhören. Am 28. Juni wollen wir endgütlich hier abfahren, doch die nächste grosse Regenfront ist bereits angesagt. Da die Strecke nach Trinidad bei Trockenheit schon sehr happig ist, und uns gesagt wird, bei Regen komme man nur mit einer Seilwinde durch, warten wir nun auch diese Front noch ab. Wir müssen das Land ja erst am 24. Juli verlassen haben. Tranquilo!

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  • 02 Jun 2011 /  Bolivien, Südamerika

    Sucre, La Paz und dann Dschungel, 28.4. – 13.5.2011

    Wir verlassen die Wüste Richtung Nordosten und kommen, da zwischenzeitlich die Strasse zu 70% asphaltiert wurde, schon bald in der Minenstadt Potosí an. Uns erscheint es nicht besonders erstrebenswert, die einst reichste Stadt des Kontinents und heute noch höchste Stadt der Welt zu besichtigen. Sie liegt auf 4070m am Fuss des Cerro Rico. Diesem „reichen Hügel“ verdankt sie ihre Gründung im Jahre 1545, denn damals entdeckten die Spanier seine ergiebigen Silberadern, die heute aber praktisch ausgebeutet sind. Wir tanken bloss und fahren weiter nach Sucre, das der Verfassung nach die Hauptstadt und gleichzeitig schönste Stadt Boliviens ist.

       

    Uns gefällt sie auf Anhieb und wir finden im Hotel Austria auch einen gemütlichen und ruhigen Innenhof um zu campen. Mehrmals durchqueren wir zu Fuss diese echt reizende Stadt mit ihren zahlreichen, restaurierten Kolonialbauten, farbigen Märkten und weiss gestrichenen Kirchen. Auch buchen wir hier eine Touritour ins 63 km entfernte Dorf Tarabuco, wo jeweils sonntags die Tarabuqueños Markt halten. Ihre Tracht gehört zu den eigentümlichsten des Landes. Zum roten Poncho werden Lederhelme und Holzschuhe getragen.

       

    Ein Fotosujet jagt das Andere. Möchten wir jedoch ein „offizielles Foto“ schiessen, müssten wir tief in die Tasche greifen. Die Einheimischen wissen hier genau, wie mit Touristen umzugehen ist.

       

    Am 2. Mai verlassen wir diese schöne Berglandschaft und erreichen 2 Tage später auf guter Strasse die grösste und verrückteste Stadt Boliviens, La Paz.

    Unterwegs, in einem kleinen Dorf mit 15 Hütten, werden wir herzlich eingeladen einem Fest zu Ehren des Dorfheiligen San Sebastian mit viel Bier und Cocablättern beizuwohnen. Da die meisten Dorfbewohner selber zu Akteuren geworden sind, gibt es ausser uns kaum Zuschauer. Uns fällt hier zum wiederholten Mal auf, dass Bolivianer anders sind als die Argentinier oder Chilenen. Sie sind spontan, offen, gastfreundlich, liebenswert und interessiert.

       

    Wir wären gerne die schlechte Piste über Santa Cruz und Cochabamba gefahren, jedoch haben wir uns das mit den 3 abgebrochenen Kühlerflügeln nicht getraut. Aus diesem Grund steuern wir auch zuerst in La Paz die unter Overländern bestens bekannte Garage von Ernesto Hug an. Er soll Hidalgo wieder auf Vordermann bringen.

    Kurz vor der Stadt verpassen wir die richtige Ausfahrt und geraten so direkt nach El Alto, der riesigen Agglomeration von La Paz. Wir haben zwar die GPS-Koordinaten aber keine Karte oder Wegführung auf dem Navi zur Garage. So kämpfen wir uns der Luftlinie nach quer durch Gassen und Gässchen, Märkte und steilste Strassen und fahren ohne uns zu verirren direkt bei Ernesto vor.

    Die Stadt selbst ist in einem Talkessel eingepfercht zwischen riesigen Gebirgen und vom untersten bis zum obersten Viertel liegen ganze 1400 Höhenmeter. Unglaublich!

       

    Für die Reparaturen werden wir uns noch 6 Tage lang vertröstet, da die Garage Hug völlig ausgebucht ist. So beziehen wir 500 Höhenmeter weiter unten im Stadtteil Mallasa im Hotel Oberland Quartier. Wir werden von Walter Schmid, einem Schweizer und seit 14 Jahren Besitzer des Oberlands herzlich begrüsst und treffen hier jede Menge Gleichgesinnte. Vor dem Hotel gibt es Platz für ca. 15 Wohnmobile, die praktisch das ganze Jahre durch belegt sind. Das Oberland ist DER Treffpunkt für Fernreisende in Bolivien und bald wissen wir auch warum. Ein sicher Platz in Zentrumsnähe mit Käsefondue, Zürigeschnetzeltem, Chateaubriand, Nüsslisalat, einfach allem, womit man sich gerne wieder einmal verwöhnen lässt. Und dann die Preise!!!! 6 Nächte mit Pool, Strom, WIFI, 2 x Chateaubriand, 4 x Fondue, 4 weitere Essen, 7 kg Wäsche waschen lassen insgesamt für CHF 192.-. Bolivien ist das günstigste Land Südamerikas. Ein feines 3-Gangmenu in der Stadt bekommt man für 2 Franken und 30 Min. Taxi fahren kosten gerade mal 5.-. Toll! Wir spazieren durchs Valle de la Luna, durchstreifen den Hexenmarkt mit seinen Kräutern, Glücksbringern und getrockneten Lamaembryos, trinken frische Fruchtsäfte, kaufen eine Pachamama, bewundern geometrische Blumenrabatte, tauchen in Menschenmengen ein und kaufen im Supermarkt Haribo Gummibärchen.

      

    Hier treffen wir auch wieder mit Olivia und Laurent zusammen, mit ihnen wollten wir eigentlich die Lagunenstrasse fahren. Leider hatten sie in Uyuni an ihrem VW-Bus einen kapitalen Getriebeschaden, mussten den Wagen über 500 km nach La Paz schleppen lassen und hoffen nun hier die defekten Teile tauschen zu können.

      

    Wir wollen auf die beiden warten, aber nicht hier in dieser Megacity mit allem, was wir eigentlich nicht so gerne haben wie Lärm und Abgase vom schlimmsten.

    Nach 9 Tagen (2 Nächte davon in der Garage), Hidalgo ist wieder 100% fit und hat sogar für wenige Bolivianos neue Reifen bekommen, zieht es uns in den Dschungel.

    Direkt über La Paz auf dem 4600 m hohen Pass Abra La Cumbre bricht der Altiplano plötzlich steil ab. Von hier geht es nur noch runter. Runter in den grössten Dschungel der Welt, in die Yungas, ein Teil Amazoniens.

    Wir wollen die gefährlichste Strasse der Welt dafür nehmen, aber bei Nebel und strömendem Regen verschieben wir das auf die zwingende Rückfahrt. Jedoch nur 60 km weiter mündet die neue Strasse wieder in den Camino de la Muerte und ab hier wird es wirklich gefährlich. Nicht weil rechts Felswände in den Himmel ragen und links bodenlose Abgründe klaffen, nicht weil die Piste kaum breiter ist als eine Fahrzeugspur und Linksverkehr herrscht, …

       

    Auch die unbefestigte, meist nasse Abbruchkante beeindruckt uns nach dem was wir schon erlebten nicht wirklich. Gefährlich ist hier der grosse Gegenverkehr, der von unten kommend absoluten Vortritt geniesst. Die Truck- und Taxifahrer machen davon rücksichtslos Gebrauch und speeden uns mit irrem Tempo entgegen. Wir haben oft beobachtet, dass Busfahrer sich vor der Abfahrt 3 -5 x bekreuzigen, einen frischen Ballen Cocablätter in den Mund schaufeln und los geht die wilde Fahrt. So bestärkt wird ja wohl nichts passieren können. Hunderte sind so auf dieser Strecke schon in den Tod gerast. Mit unserer neuen, lauten Hupe und Geduld haben wir auch das geschafft und sind 2 Tage später, bei 24 Std. reiner Fahrzeit für 400 km in Rurrenabaque in den Tropen angekommen.

      

    Dieses Dorf liegt direkt am Fusse des letzten Hügelzugs der Anden und am Ufer des Rio Beni. Danach folgt die unendliche Ebene des Einzugsgebiets des Amazonas. Vor 20 Jahren hat sich hier ein Schweizer Ingenieur ein grosser Stück Dschungel gekauft und mit der Zeit eine hübsche kleine Hotelanlage mit Pool gebaut. Er selbst wohnt oberhalb in seinem selbstgebauten Haus namens „Ufo über den Wolken“. Hier wollen wir uns häuslich niederlassen und die nächsten Wochen bleiben.

       

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