• Am 2. Juli durchqueren wir ganz Dänemark. Eigentlich planten wir hier zu bleiben, doch es hat uns zu sehr an die nordfriesische Küste gezogen.

    Nach der Fähre von Helsingborg in Schweden nach Helsingør in Dänemark geht es quer durch die Insel Sjælland, dabei umfahren wir wieder einmal grosszügig eine Hauptstadt, Kopenhagen. Wir sind erstaunt, wie viel Farmland und Platz es auch auf dieser doch kleinen Insel noch gibt.

    Via Frederiksund und Sorø kommen wir nach Korsør. Dort beginnt die 2. grosse Brücke übers Meer, die die dänischen Inseln miteinander verbindet. Die 1. Brücke von Schweden her haben wir ja mit der Fähre ausgelassen. 31 Euro kostet es uns, dieses wirklich gewaltige Bauwerk zu überfahren. Bestimmt 150m hoch und 10km lang ohne Sicht aufs Festland geht es bei heftigem Wind darüber. Immer wieder beeindruckend, was der Mensch schaffen kann. (… und leider auch das Gegenteil!)

     

    Erst an der Nordseeküste stellen wir ziemlich geschafft endlich den Motor ab. Die Camping- und Stellplätze in Dagebüll sind grausig und überfüllt. Wir finden aber hinter dem Haus des Schlüttsieler Hafenmeisters Kim einen ruhigen und einsamen Platz. Inmitten eines Naturschutzgebietes mit 100-en von Graugänsen, Austernfischern und Schafen.

     

    Die nächsten Tage stürzen wir uns im wahrsten Sinne des Wortes ins Wattenmeer. Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist eine weltweit einmalige Naturlandschaft und seit 2009 anerkannt als Weltnaturerbe. Das Wattenmeer hier zu erklären, würde jeden Rahmen sprengen. (Gehe zu Wikipedia: Wattenmeer) Wir lassen uns bei mehrstündigen Wattwanderungen von Biologen diese Biosphärenregion genau zeigen, sehen Seehunde, allerlei Kleintier und staunen, dass wir km weit übers Watt gehen können, wo vor kurzer Zeit 3m tiefes Wasser war.

       

    Seit Jahrhunderten gewinnen die Nordfriesen dem Meer Land ab und wohnen weit draussen im Meer auf den Marschinseln, den Halligen. Um Mensch und Tier vor den häufigen Sturmfluten (ca. 20mal  pro Jahr ist hier Land unter!) zu schützen, bauten die Bewohner ihre Häuser auf aufgeworfenen Erdhügeln, den Warften.

     

    Einen ganzen Tag gönnen wir uns Südseeurlaubfeeling auf der Insel Amrum. Wir packen unsere gemieteten Fahrräder auf die Fähre, schippern 2 Stunden übers Wattenmeer und: verlieben uns auf den 1. Blick. Von Wittdün im Süden bis zur Nordspitze erstreckt sich der 15km lange und bis zu 1,5km breite und teilweise schneeweisse Kniepsand. An der Nordspitze fasziniert ein knapp 68ha grosses Dünengebiet. Fantastische Ausblicke eröffnen sich uns von den bis zu 30m hohen Dünen, begleitet von den Rufen zahlloser Seevögel. Mit den Fahrrädern umrunden wir die Insel und gehen immer wieder zwischendurch in der Nordsee schwimmen.

     

    Die ganze Schleswig-Holsteinische Nordseeküste empfiehlt sich sehr für einen erholsamen Urlaub. Nun hat Felix seinen 2. Platz gefunden, an dem er für immer bleiben könnte. Der 1. war ja die Insel Armona in Portugal. Oder noch besser; im Sommer auf Amrum und im Winter auf Armona.

     

    Jetzt wird es aber für Franziska Zeit, die Schweiz an zu steuern. Familie und Freunde warten. Meist auf Nebenstrassen, jedoch gradlinig südwärts gondeln wir durch Germani. Nun haben auch wir das Hitzehoch von Europa erreicht. Bei Temperaturen bis zu 39° stoppen wir jeweils schon früh und kühlen uns in der Fulda, einem Moorteich und zuletzt beim Blautopf der Urdonau in Blaubeuren in der Badi ab.

     

    So kommen wir genau richtig zur Eröffnung der Outdoormesse in Friedrichshafen. Es müssen noch ein paar Dinge für Südamerika optimiert werden. Am Abend sind wir im Rheintal bei unseren Freunden, die uns ja eigentlich die letzten Bedenken genommen haben, um unser Reisevorhaben zu verwirklichen. Zusammen mit noch einem anderen Paar gehen wir im Glarnerland campen. J

     

    Tags darauf, nach der Überquerung des Klausenpasses treffen wir bei Ruth und Walter auf dem Seelisberg ein. Sie sind auf kurzem Heimaturlaub nach einem Jahr reisen von Kanada nach Patagonien. Ihr Fahrzeug Suri, es könnte der Bruder von Hidalgo sein, haben sie in Costa Rica für 8 Wochen eingestellt. So bekommen wir viele Infos aus erster Hand und können auch gleich einen Treffpunkt abmachen, wo und wann wir uns in Südamerika kreuzen.

    Am Sonntag, den 18. Juli 2010 kommen wir in Trimbach an, herzlich empfangen von den Kindern und den Eltern von Franziska. Der Kreis hat sich geschlossen und unser 1. Reisejahr ist zu Ende.

    Ein Fazit unserer Europareise sowie persönliche Gedanken erscheinen in den Zwischenbemerkungen 2.

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  • 06 Jul 2010 /  Europa, Schweden

     

    Also suchen wir in Schweden die wärmende Sonne. Den Tempomaten fixiert, zurück gelehnt und die Füsse hoch gelagert, steuern wir gemütlich mit unserem 60iger Schnitt nach Süden. So sind wir auch nach 2 Tagen via Aryeplog, Sorsele, Vilhelmmina und Ostersund noch nicht viel weiter südlich gekommen. An endlosen Wäldern ziehen wir vorbei. Dieses Land ist wieder so riesig, dass wir nur alle paar Stunden mal ein anderes Fahrzeug sehen.

     

    In Rumänien haben wir in einem Prospekt gelesen, sie hätten dort den grössten zusammenhängenden Wald Europas. Der Junge, der das geschrieben hat, war wohl noch nie in Schweden. Ganz Rumänien würde in diese Wälder passen. Unglaublich.

     

    Einige wildcampierte Nächte später passieren wir Torsby. Irgendwie kommt Felix der Name dieser Stadt bekannt vor. Torsby ist das Biathlon- und Langlaufmekka von Skandinavien. Auch finden hier jährlich Weltcuprennen statt. Speziell bekannt ist der einzigartige, 1,8 km lange, unterirdische Schneetunnel. Hier können die Athleten das ganze Jahr auf bestens präparierter Loipe trainieren.

     

    Dann wird es endlich sommerlich. Überall blühen wilde Lupinen und Sommerflieder und es duftet herrlich nach frischem Heu. Jetzt wird es definitiv Zeit für uns, eine längere Bleibe zu suchen. Das heisst: Ein hübscher Platz mit Strom und WiFi in einer interessanten Umgebung. In Kristinehamn bleiben wir 2 Tage, waschen die Wäsche und spazieren zur monumentalen Betonskulptur, die Karl Nesjar im Auftrag von Picasso himself geschaffen hat.

     

    Leider gibt es hier in Kristinehamn kein Internet, darum ziehen wir langsam weiter Richtung Malmö. Unterwegs rekognoszieren wir jeden Camping, bleiben mal hier, mal dort und finden auch ein paar wirkliche Bijous. Freundliche Schweden, die sich getrauen mit Ausländern zu reden, was nicht allzu oft der Fall ist, empfehlen uns Mariestad. Guter Tipp! Wir fühlen uns direkt am Vänernsee gleich sauwohl und richten uns ein. Einen See kann man den Vänern eigentlich nicht nennen. Das ist schon eher ein Binnenmeer, gefüllt mit klarstem Trinkwasser. Er soll weltweit das absolut beste Gewässer sein, um Edelfische zu fangen. Einen Lachs darf man erst ab einer Länge von 50 cm, eine Forelle und den Zander nur ab 45 cm fangen. Wir brauchen nicht einmal die sonst übliche Angellizenz. Zander wollen wir fischen, Hechte fangen wir. Der Grösste ist immerhin über 70 cm. Die Ausmasse dieses Sees sind gigantisch, man sieht von keiner Stelle das gegenüberliegende Land. Seine Uferlinie ist sage und schreibe 2000 km lang. Zum Vergleich sind da die ca. 70 km vom Zürichsee peanuts.

      

    25. Juni: Mittsommerfest. Das bedeutet den Nordländern etwa so viel wie uns der 1. August. Bereits ab Donnerstag beginnt sich der Campingplatz zu füllen und am Freitagmorgen wird das Tor wegen full booking geschlossen. Bis auf 2, 3 Deutsche und wir sind alles nur Schweden, die offenbar standesgemäss und schon beinahe obligatorisch mit riesigen Wohnwagen und noch grösserem Vorzelt, sich mit allem Komfort für die nächsten 3 Tage installieren.

     

    Zum Fest selber machen wir uns schön, um in der Stadt das Halligalli mit zu erleben. Man hat uns gesagt, überall finden Partys mit Musik, Tanz und Freinacht statt. Doch, oh Schreck! In Mariestad herrscht Totenstille, kein Mensch ist zu sehen und alle Kneipen sind geschlossen. Sind wir im falschen Film? Des Rätsels Lösung: Der Schwede feiert privat auf dem Land oder in Stockholm. Endtäuscht gehen wir zurück, rechtzeitig, läuft doch da gerade noch der WM-Matsch Schweiz / Honduras im TV. Nun restlos frustriert spazieren wir zurück zum Hiddy und warten, bis die inzwischen randvollen Schweden endlich Ruhe geben. Für uns war dieses Mittsommerfest eher endtäuschend.

     

    Volle 3 Tage und 2 neugierige Jungs braucht es, bis die 4 sehr nahe benachbarten, schwedischen Familien auftauen und mit uns zu sprechen beginnen. Dann wird aber alles umso intensiver nachgeholt, so dass wir erst weit nach Mitternacht und leicht bis mittelschwer beschwipst ins Bett kommen. Am Sonntagabend sind alle wieder verschwunden und es herrscht Ruhe.

     

    Von einem älteren Langzeitcamperpaar leihen wir uns Velos, dafür backt Franziska ihnen eine feine Butterzüpfä.

     

    Hier haben wir alles gesehen, der viele Fisch hängt uns langsam zum Halse hinaus, also brechen wir auf. Nächster Halt ist Trollhättan, die grosse Schleusenstadt am Götekanal. Dieser Kanal verbindet die Nordseeküste von Göteborg quer durchs Land nach Stockholm an die Ostsee. Wieder einmal wünscht sich Felix, mit einem Boot unterwegs zu sein. In Trollhättan muss der Kanal eine Höhe von ca. 80 m überwinden, um auf das grosse Seenplateau zu kommen. Hierzu wurden früher 11 handbetriebene Schleusen direkt hintereinander bezwungen und ein ganzer Tag ging flöte. Heute sind es deren 4 und innerhalb einer Stunde sind die Boote durch.

     

    Das südliche Schweden bietet uns nicht mehr viel. Die Landschaft wird eintönig, der Verkehr nimmt stetig zu und schöne, einsame Plätze werden rar. Eintönig empfinden wir diese Landschaft wohl, weil unsere Augen vom restlichen Skandinavien so extrem verwöhnt wurden. So fahren wir in 2 Tagen durch, um in Helsingborg die 20 minütige Fähre nach Dänemark zu nehmen. Auf Wiedersehen Schweden, Norwegen und Finnland.

     

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  • 19 Jun 2010 /  Europa, Norwegen

    Norwegen, ein Land zum Verlieben! Wir bereisen die Finnmark im Norden und die Vesteralen und Lofoten im Nordwesten. Überall Natur pur mit vielen verschiedenen wildlebenden Tieren und trotz arktischer Kälte, Schnee, Eis und viel Polarwind bleiben wir 18 Tage. Wer uns gut kennt, weiss was das bedeutet.

    Unser erstes Ziel ist Jakobselv, nordöstlichster Punkt Europas, an der Barentsee, direkt an der russischen Grenze. Im absolut unzugänglichen Niemandsland werden wir von 50m hohen Wachtürmen mit starken Fernrohren 24 Stunden überwacht. Vermutlich genau deshalb gelüstet es uns, einen Schritt über die Grenze zu machen.

    Hier soll es Belugawale (das sind die weissen) geben. Es windet bitterkalt, regnet und schneit. Doch Felix trotzt der Kälte und angelt… und brutzelt zum Abendessen in Winterausrüstung am Feuer Poulet. Da auf diesem Breitengrad kein Baum mehr wächst, haben wir das Holz dazu von Finnland importiert.

    Ohne die Wale gesehen zu haben, machen wir uns auf zur russisch-norwegischen Forschungsstation für Königskrabben in Bugøynes. Ein freundlicher, perfekt englisch sprechender Russe führt uns stolz durch die Anlage.

    Und nun immer nördlicher! Auf dem Weg nach Berlevåg beobachten wir in Kongsfjord, wie 2 Fischer Tausende von Dorschen immer zwei zusammengebunden an Holzgerüsten aufhängen. Etwa drei Monate bleiben sie hier zum Trocknen, bevor sie verkauft werden. Sie können jahrelang gelagert werden. Die Köpfe reisen bis nach Nigeria, um dort zu Suppe verkocht zu werden. In Norwegen werden die trockenen Fische drei Tage im Wasser aufgeweicht und dann wie frischer Fisch weiterverarbeitet. Schon die alten Wikinger hatten diese Art Fische als Vorrat dabei und handelten damit. Wir haben wohl etwas Fisch an unseren Crocs, jedenfalls stinkt‘s im Hiddy bestialisch!

    Leider hat‘s auf der Varangerhalvøya noch zu viel Schnee und die Piste nach Molvik ist gesperrt. Entschädigt werden wir aber von einem putzigen Fischotter, der uns zeigt, wie herrlich das freie Leben in Norwegen ist.

    Um nicht bis Tana bru zurück fahren zu müssen, entscheiden wir uns spät abends auf die Fähre der Hurtigruten zu warten und auf den nächsten Küstenfinger nach Merhamn zu schippern. Es gibt kein Büro, niemand verkauft uns ein Ticket und niemand weiss genau, wann die Fähre kommt. Es soll ca. 22.30 Uhr sein, je nach Wellengang. So warten wir ganz allein am Pier. Tatsächlich um 23.15 Uhr sehen wir das schöne Schiff am Horizont auftauchen. Wir machen uns bereit. Der Kapitän öffnet auf der Seite eine Luke, ein Gabelstapler ladet Waren ein und wir…. stehen einfach blöd rum. Wie soll das gehen? Warum kümmert sich niemand um uns? Des Rätsels Lösung: Es ist keine Camperfähre. Trotzdem hätten sie uns mitgenommen, wenn der Wasserstand nicht zu tief wäre, somit die Luke ganz geöffnet werden könnte, es eine höhenverstellbare Rampe gegeben hätte oder unser Hidalgo nicht so hoch wäre. So fahren wir eben die 150km zurück.

    Die Fahrt nach Gamvik, 71 ̊05̕ 33̕ ̕ (Für uns die nördlichste Station, da wir das zu touristisch vermarktete Nordkap umfahren werden.)über den von Osten her zweiten nördlichen Finger von Norwegen, die Nordkinnhaløya, lohnt sich auf alle Fälle. Malerische Pässe und Hochebenen jenseits der Waldgrenze und viele Rentiere, Fischotter und Seeadler, brütende Schmarotzerraubmöwen, kaum andere Menschen. Wir unternehmen warm verpackt mehrere Wanderungen und finden Rentiergeweihe.

    Der schönste Tag ist bestimmt Felix’ Geburtstag. Am Hopsfjorden haben wir endlich Anglerglück. Mit je zwei Seelachsen wird unsere Geduld belohnt. Es gibt frische Fischknusperli zum Znacht und danach Mitternachtssonne zum Hochgenuss. Dass es die ganze Nacht hell bleibt, daran haben wir uns schon fast gewöhnt, dass die Sonne aber um Mitternacht etwa eine Handbreite über dem Meer wieder zu steigen beginnt, ist schon sehr speziell. Und auch um 01.30 Uhr bei hellstem Sonnenlicht ins Bett zu gehen.

    Absolut zufrieden und mit vielen romantischen Bildern gesättigt zurück nach Ifjord, dann über unberührte, wilde Natur, die immer grüner wird, nach Lakselv. Bei den vielen Kilometern, die wir hier im Norden um Fjorde fahren, bleibt uns nichts anderes übrig, als in Norwegen zu tanken, bei einem Diesel- Literpreis von sage und schreibe 2.28Fr. Auch sollten wir dringend die Reifen auswuchten. Norwegische Pneuheinis wollen dafür aber 200Fr! Sogar der Einkauf von Lebensmitteln tut dem Portemonnaie weh und ein Päckchen Zigi kostet 15Fr. Zum Glück hat sich Felix in der Ukraine damit eingedeckt. Trotzdem wieder bestens ausgerüstet steuern wir auch den 4. Finger der Finnmark an. Über die Porsangerhalvøya geht’s nordöstlich zum Nordkap, für uns aber nordwestlich nach Havøysund, einem der grössten Fischerdörfer hier im Norden. In der Fischfabrik werden Dorsche halbmaschinell verarbeitet und für den Export verpackt. Im Offenverkauf im Dorf sind sie für uns unverständlicherweise immer noch sehr teuer. Wie auch der geräucherte Lachs vom Fischer direkt. In der Migros kostet dieser höchstens die Hälfte. Schade.

    Da es leider einfach nicht wärmer werden will, verlassen wir den Norden und fahren in unüblich langen Tagesetappen via Finnland und Schweden wieder zurück nach Norwegen auf die Vesterålen. Unterwegs grillieren wir endlich die litauischen Cervelats (ungeniessbar!), kaufen in Karesuando Rentierkoteletts ein (superlecker!) und bleiben einen Tag am gefrorenen Torne-Träsk, einem grossen Bergsee in Schweden. Auf dieser Etappe können wir auch endlich einen Elch aus nächster Distanz und lange Zeit bewundern und fotografieren.

    Die Vesterålen, eine Inselgruppe im Nordwesten steuern wir nur aus einem Grund an: dort entlang verläuft der Bleik Canyon, das Nahrungsgebiet der Pottwale von Mai bis September. Für einmal mischen wir uns unter die anderen Touristen, melden uns auf der Walforschungsstation in Andenes zur Expedition an und warten auf besseres Wetter. Auch als sich die See beruhigt hat, schaukelt der Kahn heftig und trotz Pillen ist für viele die 4 stündige Walsafari ein Graus. Wir stehen die ganze Zeit zuvorderst an der Reling und werden mit Eindrücken der Superlative belohnt. 7 Pottwale zeigen sich direkt vor unserer Nase. Ein Männchen nach dem andern (die Weibchen bleiben im Süden) gondelt wenige Minuten dahin, um danach für 30-40 Minuten ca. 1800m abzutauchen, uns dabei die mächtige Fluke zeigend. Ein Wal ist bis zu 70 Tonnen schwer und frisst täglich etwa 1 Tonne Fisch und Calamares. Es gibt noch 360`000 Pottwale weltweit und alle Wale zusammen fressen pro Tag gleich viel Fisch wie wir Menschen. Uns erstaunt immer mehr, dass es überhaupt noch Fische gibt.

    Um viele Fjorde herum und durch einige Tunnels, einer sogar unter dem Meer hindurch, landen wir auf den Lofoten, einer weiteren Inselgruppe, die für ihr mildes Klima bekannt ist. Wir spazieren durch Henningsvær, ein sehr altes Fischerdorf und bleiben auf einem kleinen Campingplatz. Anderntags besteigen wir den Aussichtsberg Hoven und können nochmals das besondere Licht der Mitternachtssonne bewundern.

    Wie überall im Norden von Norwegen begeistert uns diese gewaltige Landschaft. Zwischen steilsten Klippen ein kleiner, weisser Strand. Zuoberst auf einem felsigen Bergrücken ein Moor. Schneebedeckte Hochebenen mit kristallklaren Wildwassern, Wasserfällen und Seen. Flechten bewachsene Tundra mit kleinen Blumeninseln dazwischen. Das Ganze in ein Licht verpackt, das es wohl nur hier oben gibt. Wahnsinn!

    Leider regnets bald schon wieder. So ist für einmal ein Museumsbesuch angesagt. Im Wikingermuseum ist ein Häuptlingshaus aus der Eisenzeit samt Inneneinrichtung rekonstruiert worden und eine kompetente deutsche Führung gibt einen guten Einblick in Handwerk und tägliches Leben der Wikinger.

    Mit der Fähre von Svolvær nach Skutvik zurück aufs Festland, danach etwa 200km südlich nach Saltstraumen, ein Geheimtipp für Fischer. Saltstraumen = Salzströmung, hier soll die grösste Gezeitenströmung Europas sein. Sie ist wirklich beeindruckend. Ein Fjord in der Grösse des Bodensees entleert sich bei Ebbe durch einen nur 50m breiten Durchgang. Riesige Wassermassen in reissender Strömung kommen plötzlich zum Stehen und wenden sich danach auf die andere Seite. Und eben in diesem Moment kommen alle Fischer. An jedem Meter Ufer werden die Angeln ausgeworfen und wir mitten darin. Wir bekommen einen regelrechten Fischrausch und mit 11 Seelachsen im Kessel müssen wir uns um 24.00 Uhr zwingen aufzuhören. Wer soll dies alles essen, wir haben ja keinen Gefrierschrank. Felix schneidet Filets, die wir die nächsten Tage grillieren oder mit etwas Butter, Zwiebeln, Weisswein und Rahm pochieren. Festessen!

    Läge Norwegen auf dem Äquator J und wäre nicht alles soo teuer, würden wir noch lange bleiben. Da dem aber nicht so ist, bewegen wir uns Richtung Schweden. Wir brauchen ein sonniges Fleckchen, um ohne Faserpelz draussen zu sitzen und einige Tage zu bleiben.

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  • 01 Jun 2010 /  Europa, Finnland

    Eine Seefahrt, die ist lustig stimmt hier in jedem Fall. Karaoke singende, tanzende und Sturz betrunkene Finnen unterhalten uns in der 2,5 stündigen Überfahrt bestens, lassen aber kein gutes Bild zurück.  Ist das Alkoholproblem in Finnland wirklich so gross, wie hier der Eindruck entsteht?

      

    In Helsinki angekommen fahren wir nach vergeblicher Suche eines wilden Übernachtungsplatzes auf den Camping. Finnlands Hauptstadt lässt sich mit einem Dayticket ausgerüstet gut mit Metro, Tram und Schiff auskundschaften. Mit der Metro fahren wir ins Zentrum, besuchen den Dom, die orthodoxe Kirche und den Hafenmarkt; mit dem Tram lassen wir uns gemütlich an allen Sehenswürdigkeiten vorbeikutschieren; mit dem Schiff schippern wir nach Suomenlinna, eine der grössten Seefestungen der Welt und zu Fuss stapfen wir ins Olympiastadion (Sommerolympiade 1952)mit seinem 72m hohen Turm und sogar noch zum Vergnügungspark mit der hölzernen Achterbahn.

     

    Obwohl Helsinki vieles bietet, werden wir nicht richtig warm. Es fehlt uns der Charme einer Altstadt. So machen wir uns anderntags auf, die finnische Seenlandschaft zu entdecken. Und wir werden nicht enttäuscht. Tagelang fahren wir durch Birken-, Fichten- und Föhrenwälder und können uns kaum sattsehen an den tausenden Seen und Inseln. Meistens bewegen wir uns auf der Via Karelia ganz nahe der russischen Grenze.

     

    Immer wieder an der Strasse das Verkehrsschild, das vor den Elchen warnt. Felix ist in ständiger Bremsbereitschaft. Uns fallen bald die Augen aus dem Kopf, so angestrengt suchen wir die Wälder nach Tieren ab. Erst auf der Fahrt nach Rovaniemi sehen wir die ersehnten Rentiere. Ohne Scheu lassen sie uns näherkommen und wir haben Zeit zu fotografieren.

     

    Den ersten Elch sehen wir leider ausgestopft im Museum Arktikum in Rovaniemi. Dort erfahren wir auch einiges über das Leben der Samen (übersetzt: Sumpfleute), die früher Lappen genannt wurden. Auch die anfangs dieses Berichts gestellte Frage wird beantwortet. Eine Sonderausstellung ist dem Alkoholkonsum gewidmet. Das Saufen war und ist ein immer wiederkehrendes Thema in Finnland.

    Hier noch eine köstliche Geschichte, wie klein doch die Welt ist. Da zeigt uns ein fremder Schweizer auf seinem Laptop ein Foto, das von einem mit ihm befreundeten Engländer in Portugal aufgenommen wurde. Auf diesem Bild ist unser Hidalgo in Grossformat. Wenn dieser begeisterte Engländer nicht extra um ein Foto zu schiessen bei uns angehalten hätte, wenn er nicht diesen Schweizer kennengelernt hätte, wenn dieser nicht ebenso begeistert dieses Foto auf seinem Laptop abgespeichert hätte, wenn wir nicht zur selben Zeit in Rovaniemi campieren würden, wenn der Schweizer nicht auf uns zugekommen wäre, dann sähen wir unseren Hiddy nicht auf einem fremden Laptop am Polarkreis.

     

    Gleich bei Rovaniemi direkt auf dem Polarkreis ist der Weihnachtsmann zu Hause. Hier wird seine Post verarbeitet, die von den Kindern aus aller Welt versendet wird. Und hier ist 365 Tage im Jahr Weihnachtsmannhalligalli mit Fototreff und Souvenirs.

    Die nächsten Tage geht’s auf Nebenrouten nördlich, nördlich, nördlich! Dazwischen 60km Schlammpiste! Der ganze Hiddy ist mit Lehm betoniert. Seine Reinigung kostet Felix nur mit Schwamm und Wasserkessel ausgerüstet Stunden!

     

    Unterwegs besichtigen wir eine Huskyfarm, die auch Wolfshunde züchtet und wandern bei strömendem Regen und 0 Grad im finnisch-norwegischen Nationalpark zu einem alten Rentierscheideplatz. Dorthin wurden die Herden im Winter getrieben, die Tiere gezählt, markiert und verkauft. Und wir sehen die langersehnten Elche. Scheu sind sie, nie sind wir schnell genug für ein Foto.

     

    In Inari wird nochmals getankt und Essen eingekauft, da in Norwegen alles noch teurer sein wird. Ein letztes Mal übernachten wir an einem teilweise noch gefrorenen See in Finnland. Nach einer Nacht mit Minustemperaturen fahren wir am 25.5. 10 vor Kirkenes über die norwegische Grenze.

     

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  • 17 Mai 2010 /  Europa, Litauen/Lettland/Estland

    Am 13. Mai 2010 fahren wir in Polen los, in der Absicht, die nächsten 3 Länder in kürzester Zeit zu durchfahren. Uns bleiben nur noch 8 Wochen, um Skandinavien anzuschauen. Danach werden wir in der Schweiz vom Automechaniker, dem Zahnarzt, dem Frauenarzt, dem Banker, dem Versicherer und natürlich allen Freunden und Verwandten und schlussendlich ca. am 19.8.2010 von der Grimaldi line in Hamburg erwartet.

    Nach einem Grosseinkauf in Polen durchqueren wir Litauen in wenigen Stunden. Erst in Lettland, 60km vor Riga übernachten wir auf einem Bauernhof. Am andern Tag entscheiden wir uns  ausnahmsweise wieder einmal eine Hauptstadt zu besuchen. Mit Riga lohnt es sich! Auf einer Flussinsel mitten in der Stadt befindet sich ein nüchterner aber praktischer Campingplatz. Hier treffen sich heute 18 0815-Camper zum Start für eine 6monatige, organisierte Asienreise. Sie wollen über Moskau, Bajkalsee, die Mongolei, nach Peking und auf der Seidenstrasse zurück. Von Ursula und Hermann erhalten wir ein Homepagekärtli und werden natürlich diese Reise mit grossem Interesse und Skepsis verfolgen.

     

    Riga ist eine bunte, quirlige, hochmoderne Stadt, in der es sich gut leben lässt. Abends staunen wir über das pulsierende Nightlife. Man sitzt draussen, überall gute Livemusic und viele gestylte Menschen. Offenbar leben aber nicht alle Leute auf diesem Niveau. Mittendrin sehen wir doch viele Bettler, keine Randständige, sondern ganz normale Omas und Opas. Nach Aussagen eines Bauern kennt Lettland keine Sozialversicherung.

     

    In Estland steuern wir direkt den Fährhafen in Tallinn an. Alle Fähren sind über die nächsten 4 Tage ausgebucht. (Das Internetbooking hat vor einigen Tagen wie schon oft keinen Erfolg gebracht.) Na toll, nix mit schnell nach Finnland!

     

    Macht nichts, wir haben ja Zeit und installieren uns für 3 gemütliche Tage in der Nähe der russischen Grenze, direkt am baltischen Meer auf einem Campingplatz. Zum ersten Mal ist es erstaunlicherweise ausgerechnet hier im Norden auch sommerlich warm und wir können endlich unsere Faserpelzjacken mit kurzen Hosen und Bikini tauschen. Auch anhand der Länge des Tageslichts erkennen wir, wie weit nördlich wir schon sind.  Erstes Licht 03.15, letztes Licht 23.30 Uhr. Felix kommt kaum mehr zu Schlaf, nur mit gröberen Verdunkelungsmassnahmen herrscht Ruhe im Hiddy. Die langen Tage vergehen im Fluge mit spazieren, sonnenbaden, grillieren und recherchieren im Internet. Estland garantiert staatlich jedem Bürger freien Zugang zum Internet.

     

    Bevor wir in Tallinn den Hafen ansteuern, erkunden wir diese Stadt und sie gefällt uns sehr gut.

     

    Am 18.5.2010, 18.00 Uhr verlassen wir das Baltikum mit der Fähre und freuen uns auf Skandinavien.

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  • 13 Mai 2010 /  Europa, Polen

     

    Diese Story lohnt sich im Detail zu erzählen. 200 km vor der polnischen Grenze. Wir stehen über die Mittagszeit neben der Hauptstrasse und wollen duschen. Da fahren 2 völlig verschmutzte Nissan Patrol  mit 9 Insassen und 2 Kleinkindern von der Strasse direkt vor unseren Hiddy, stürmen aus den Autos auf uns zu und flippen völlig über unser tolles Fahrzeug aus. Spontan werden wir für die Nacht nach Polen eingeladen und sie wollen versuchen uns im Eilzugstempo über die Grenze zu bringen. Man brauche normalerweise mindestens, egal zu welcher Tageszeit 7 – 8 Std. Pläne ändern sich, also nichts wie los. Diese Offroad- Bande ist ein eingespieltes Team und ihr vermeintlicher Boss, Thomek ein grossherziger Bluffkünstler. Kaum vorstellbar, aber bereits mehrere km vor der Grenze beginnt die Warteschlange. So wie es hier aussieht, warten diese schon seit Stunden. Wir würden uns jetzt hier, genau wie (fast) überall hinten anstellen und vermutlich 10 – 12 Std. ausharren. Die Nissan Patrols nehmen uns in die Mitte und fahren an der Kolonne vorbei bis zum ersten, schwer bewaffneten Militär. Thomek, der 32 jährige Lausbub und Tausendsassa springt aus dem Auto, spricht kurz mit dem Mann und schon geht es weiter an allen vorbei. Das wiederholt sich noch 2 Mal und wir haben den Ausreisestempel der Ukraine im Pass. Geschafft, denken wir. Jedoch war das erst die Ausreise, die Probleme beginnen jetzt vor dem Polenzoll. Da in der Ukraine alles viel billiger ist als in Polen, floriert das Schmuggelgeschäft. So würden sämtliche Fahrzeuge gründlich gefilzt. Aber auch hier schafft es dieser Überredungskünstler an allen mürrischen Beamten und hunderten Schlange stehenden Pw`s vorbei und wir stehen zuvorderst. Kurze Passkontrolle, ein noch kürzerer Blick in unsere Wohnung und wir sind sage und schreibe nach 20 Minuten durch.

    Was er genau erzählt hat wissen wir nicht, jedoch im Stil von: Wir haben an einer schweizerisch/polnischen Expedition teilgenommen.  Nun sind wir und im Speziellen die beiden Kleinkinder  sehr müde, der hintere Nissan habe ein Motorproblem und darf nicht halten und der Schweizer müsste dann den Motor reparieren. Ääähh. Es funktionierte. Man muss dies erlebt haben, um es zu glauben.

     

    Nun geht die Gastfreundschaftgeschichte weiter. Wir werden unter diesen netten Menschen durchgereicht. Wir müssen alle  mindestens eine Nacht besuchen. Die anderen kommen natürlich jeweils auch und so herrscht ein endloses Haligali. Jeder zeigt uns auch noch einige Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel das Schloss der Familie Zamoyski und die Stadt Lublin mit der Kirche, und ihrem akustisch verblüffenden Raum. Masse ca. 20m x 18 m, 8 m hoch gewölbt. In einer Ecke steht Felix und flüstert leise gegen die Wand und diagonal versteht Franziska in derselben Position jedes Wort.

      

    Einen Nachmittag verbringen wir im KZ Majdanek.    „Ohne Worte“

     

    Dann geht die Fahrt der weissrussischen Grenze entlang zur nordpodlassischen Ebene ins Naturreservat Bialowieza. 1500 qkm grosser Urwald mit den letzten in Europa freilebenden Wisent. Auch kommen Ornithologen aus der ganzen Welt, um dieses urtümlich gebliebene Ökosystem zu bewundern. Von den vielen nicht gesehenen Bären und Wölfen haben wir die Nase voll. Nun wollen wir die europäischen Bisons finden und, …..wir haben Glück. Morgens um 04.45 Uhr, genau zum Sonnenaufgang bei leichtem Bodennebel trottet eine kleine Herde an uns vorbei. Wir sind richtig gerührt, so hat uns diese Szenerie gefallen.

      

    Nach weiterem endlosem Durchstreifen dieses Urwaldes, zu Fuss und mit dem Bike, sichtigen wir auch noch die anderen Waldtiere. Am häufigsten sehen, hören und fühlen wir die Stechmücken, die uns wirklich zum Fressen gerne haben. Als kleine Abwechslung bringt uns Hans, ein bündner Jäger, mit seinem Alphorn ein Ständchen. Felix packt sein Keyboard aus, programmiert sein Alphorn und schon spielen sie im Duett Amazing Grace. Weitere Lieder werden von Franziska begleitet, da nur sie die Noten lesen kann.

     

    7 Tage sind wir geblieben, dieses Gebiet hat uns echt sehr gut gefallen. Wir müssen aber langsam weiter ziehen, da es weiter nördlich ja noch Elche und Rentiere zu sehen gibt.

     

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  • 10 Mai 2010 /  Europa, Ukraine

    Mit gemischten Gefühlen stehen wir am 1. Mai in Siret an der Ukrainischen Grenze. Viel Gutes haben wir von diesem Land nicht gehört. Viele Banditen, katastrophale Strassen, korrupte Scheriffs. Selbst die Polizistin vom Rumänischen Zoll verdreht nur die Augen. Wir sollen schnell durch, nicht anhalten und vor allem nicht mit „diesen“ Leuten sprechen. Die wären „anders“ und niet, niet, niet. Genau darum wollen wir ja da rein. Also nichts wie los. Nur eine Stunde dauern die Formalitäten. Offenbar eine Spitzenzeit. Viele Stempel, das Auto wird gefilzt und der kleine Zöllner mit der riesigen Deckelkappe merkt sogar, dass er von uns nur eine Kopie des Fahrzeugausweises in der Hand hält. Nachdem alle Kästli „open, ok, close“ durchgecheckt und alle Medikamente überprüft sind, kommt ein freundlicher Handschlag und ein „go“. Hallo Ukraine, hallo andere Welt. Gott sei Dank hat der Autofilzer, übrigens ein Militär, nicht zu genau nachgeforscht und hat so mein Nachtsichtgerät nicht entdeckt. Das hätte ins Auge gehen können. Für Südamerika lassen wir das Teil wohl besser zu Hause.

    Um 11.00 Uhr fahren wir durch die erste ukrainische Grossstadt,  Cernivci. Sämtliche Strassen in dieser City sind mit 100 jährigem Kopfstein gepflastert. Zweimal muss Felix stoppen, da bei diesem  Geholper die Blase empfindlich reagiert. In der 2. grossen Stadt ohne Strassenschilder und wenn dann nur in Russisch, verfransen wir uns ein wenig, da auch das Navi ahnungslos ist. So fragen wir wie gewohnt einen Mann auf der Strasse. Langer Rede, kurzer Sinn: Mit Hilfe der etwas englisch sprechenden Schwiegertochter parken wir 10 Minuten später in Kolomyja hinter seinem Haus und werden zu Speis und Trank vom aller liebsten eingeladen. Gut dürfen wir mit diesen „anderen Menschen“ kein Wort wechseln.

     

    Gemeinsam mit der Schwiegertochter besuchen wir das Eiermuseum.

     

    Der Zufall will es, dass am nächsten Tag Sonntag ist und unser lieber Gastgeber der Pfarrer. Wo könnten wir besser die Leute mit ihren Bräuchen kennen lernen als in der Kirche und den Gesprächen danach. So sitzen wir sonntäglich gewandet mit einer englischen Bibel ausgerüstet und einer Dolmetscherin an unserer Seite 2 ½ Stunden in einem Gottesdienst mit vielen verschiedenen, inbrünstigen Rednern, einem Chor mit wunderschönen ukrainischen Liedern und tiefgläubigen Christen. Als plötzlich während einem Gebet viele zu weinen beginnen, wird es Felix doch langsam zu viel, er geht. Anschliessend gibt es noch einen Familienfestschmaus und wir verlassen am nächsten Morgen die überschäumende Gastfreundschaft Richtung Norden.

     

    Die Ukraine ist wieder einmal ein Land, das mit Campern nichts anzufangen weiss. So ist es für uns schwierig, jeweils einen ruhigen Schlafplatz zu finden. Keine Wege führen von den Strassen in den Busch, überall Sumpf und Campings gibt es keine. So fragen wir privat.  An einem kleinen See, eine Backsteinfabrik aus dem vorletzten Jahrhundert, wir fragen, kriegen eine Besichtigung, viel ukrainisches Interesse an unserm Vorhaben, eine Einladung zu Butterbrot, Wurst und Schnaps und einen sicheren aber unruhigen Schlafplatz, da die Fabrik 24 Std in Betrieb ist.

     

    Wir wollen möglichst nahe dem Zoll die letzte Nacht verbringen, um am folgenden Morgen speditiv in Polen einreisen zu können.

     

    Jedoch kommt es wieder einmal anders als man denkt. Wir werden in die Zange genommen:

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  • 05 Mai 2010 /  Europa, Rumänien

    Nächstes Ziel ist ein Besuch bei den Vampiren in Transsilvanien. Mit Holzpflock und Knoblauch ausgerüstet geht es erstmals Richtung südliche Karpaten, die überfahren werden müssen, um nach Siebenbürgen zu gelangen. Siebenbürgen,Transsilvanien, bekam den Namen von den 7 Burgen, die sich wie ein grosser Kreis in der hügeligen Landschaft verteilen. Wir nehmen den südöstlichsten Karpatenübergang, von Ploiesti nach Brasov. 40 km vor Brasov holt uns das schlechte Wetter ein. Wir beschliessen abzuwarten und richten uns auf einem improvisierten Camping ein. Zufälligerweise mit perfektem Wifi. So haben wir Zeit, um homepage schreiben, Gulasch und frischen Kartoffelstock zu kochen und uns auszuruhen.

     

    Nach 36 Std. strömendem Regen geht es durch eine uns wohl bekannte Landschaft über den Pass. Hier sieht es aus wie in der Schweiz. Als würde man über den Albula fahren, wären da nicht die unzähligen 1PS-Fuhrwerke, die Zigeuner und die Hutzelfraueli am Strassenrand. Hutzelfraueli? Bunte Pantoffeln, 3 Nummern zu grosse Strümpfe und Socken, unzählige Röcke und eine Schürze übereinander, mehrere Strickjacken und ein Kopftuch. Bekleide man Mutter Theresia damit und gebe ihr eine Hacke oder Schaufel in die Hand, perfekt. Jede Einzelne wäre ein Foto wert, bewusst verzichten wir darauf.

    Im Städtchen Bran erster Kontakt mit Dracula. Auf einem Hügel thront die Törtzburg, die den irischen Schriftsteller Bram Stoker zu seinem Buch Dracula inspirierte. Schönes, altes Schlösschen aber von blutsaugenden Monstern keine Spur. Gerne würden wir heute Abend Roman Polanskis Tanz der Vampire sehen.

     

    Auf Nebenstrassen steuern wir den höchsten Pass Rumäniens an. Die Transfagarasan führt direkt am höchsten Berg des Landes vorbei, dem 2544m hohen Moldoveanu. Stundenlang geht es das Tal hoch bis kurz vor dem Pass ein kleines Schild rumänisch darauf hinweist, dass er geschlossen ist. Wir fragen nach und tatsächlich besteht bis Ende Juni Wintersperre. Enttäuscht kehren wir um, hätten wir diesen 1900m hohen Pass doch sehr gerne überfahren. Also alles wieder zurück durch eine Landschaft, die uns sehr ans Toggenburg erinnert. Nun nehmen wir gezwungenermassen die normale Strecke durch das Olttal nach Sibiu. Wir versuchen am nächsten Morgen via Suici eine Querverbindung in dieses Tal. Auf unserer Strassenkarte wird diese als „other roads“ deklariert.  Doch schon nach kurzer Zeit müssen wir forfait geben: Tief im Schlamm, über 20% Steigung, tiefste Gräben, die Profile vollgepappt, ein Vorderrad in der Luft, die Hinterachse schlittert seitwärts Richtung Graben, möchte Franziska doch lieber umkehren. Komisch….

     

    Wir haben keinen Reiseführer, sondern fahren immer der Nase nach. Wir fragen, ob und wo es etwas zu sehen gibt. Oft führt uns auch einfach der Zufall zu Schönem und Interessantem. Klar, so können wir auch etwas verpassen, aber ebenso Spezielles entdecken. Heute finden wir 10km nördlich von Sibiu/Hermannstadt die ums Örtchen Ocna Sibiului/Salzburg verteilte Salzseelandschaft. Dutzende von kleinen Weihern und Seen mit einem Salzgehalt von bis zu 465g/l. Hier wurde schon seit der Eiszeit bis 1931 im Tagbau Salz gefördert. Danach wurden die Abbaustellen einfach geflutet und schon kamen die kranken Touristen, um ihre HNO-, Rheuma- und endokrinen Leiden zu kurieren. Auch wir nehmen im  4* - Hotel ein Bad mit Sauna und sind danach völlig plemm.

     

    Die Transfagarasan lässt uns keine Ruhe. Wir versuchen die Passstrasse von der anderen Seite. Auch hier kommen wir nur knapp bis zur Baumgrenze, wo bei einer Bergbahn das Schild „Inschis“ (geschlossen) steht.

     

    Wir packen unsere Bergausrüstung und los geht es rauf zur Bergstation. Nach 2 Stunden durch unwegsamstes Gelände mit viel Schnee erreichen wir beim 1. Masten ein Hochplateau. Aha! Nun sehen wir, warum diese Strasse geschlossen ist. Hier liegt noch meterhoch Schnee wie im tiefsten Winter. Auf dem Rückweg nehmen wir die Strasse und auch dort wäre zurzeit kein Vorbeikommen. Tonnen von Geröll und riesige Felsblöcke versperren den Weg in jeder Kurve.  Dafür haben wir wieder einmal eine tolle Bergtour gemacht.

     

    Nach Besichtigung der Stadt Sighisoara/Schässburg und einem weiteren Salzwasserkurort Sovata, in dem wir uns einige Tage Ruhe gönnen, wollen wir nun in den Ostkarpaten auf Wolf- und Bärensuche gehen, die  offenbar hier noch in grosser Zahl leben.

     

    Die letzte Nacht in Rumänien verbringen wir nach einer schönen Offroad Strecke in der Wildnis auf 1110m. Das einzige Wildtier, das sich uns zeigt, ist ein scheues Reh. Diese Wälder um uns herum haben eine so riesige Ausdehnung, dass sich die Viecher bestens von der Zivilisation zurückziehen können. Eindrücklich und schön waren die Ostkarpaten von Rumänien aber allemal. Das ganze Land, mitsamt der Bevölkerung hat uns wirklich gefallen. Man muss sich einfach Zeit lassen und sich darauf einlassen.

     

    Zum Schluss noch etwas Rumänisch:

    Lapte: Milch / Apa: Wasser / inchis: geschlossen / dechis: offen / indizis: verboten / arrevedere: Tschüss / Drum bun: auf Wiedersehen

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  • 19 Apr 2010 /  Europa, Rumänien

    100 schrecklich holperige km über das Ludogorskoplato mit endlosen Äckern, Feldern und ärmlichen Dörfer, die schöne blaue, (graue) Donau. Im Eilzugtempo durch den äusserst freundlichen Zoll zur kleinen Wackelfähre, die uns für 10 Euro nach Rumänien bringt. Die Fähre deshalb, da es nur eine Brücke von Land zu Land gibt, und die ist weit entfernt. Noch schnell einen Sack voll Banknoten aus dem Automaten lassen und eine Schlafstelle suchen, was hier gar nicht so einfach ist. In einem kleinen Kaff direkt am Fluss finden wir hinter dem Polizeiposten bei einer riesen Sau im Pferch einen ruhiges Plätzchen. Dachten wir: Der Polizeihund, eine Trottoirmischung, kläfft fast die ganze Nacht.

     

    Dafür campen wir die nächste Nacht im Wald und haben das Gefühl, mitten in einer Volliere zu stehen. Wir hören und sehen zig verschiedene Federviechs. Aufzählung folgt. Nach einer regnerischen Nacht geht’s über Babadag ins Delta, wo wir schon nach kurzer Zeit einen Mega Platz finden, um zu bleiben und auf die Pirsch zu gehen. Zuerst werden wir aber noch von 3 plötzlich auftauchenden Polizisten gecheckt und unsere IDs werden registriert. Bürokratie mitten im Nichts, jedoch sehr freundlich, und wir haben die offizielle Erlaubnis hier zu stehen.

     

    Die Pirsch danach wird zu einem richtigen Erlebnis. (Unsere Kamera kann tauchen und sich auf Steine fallen lassen, aber leider kann sie Objekte kaum näher zoomen.) Ausser einer Steilküste mit griechischen Ruinen sehen wir: Fasane, Wiedehopfs, Kormorane, Eichelhäher, Spechte, Wiesel, verschiedene Reiher, Schlangen, Donaumurmeltier?, unendlich viele Frösche und schneiden zwischendurch noch unser Abendessen: Berge von wildem Spargel. Aromatischer und zarter als alles Gespargelte zuvor. Dann sind da noch die Myriaden von Mantschmücken. Felix gibt ihnen diesen Namen, da sie bloss berührt  gleich zu Mantsch werden. Alles ist voller Mantsch, Kamera, Taschen, Brillen ja bis in die Stiefel. Trotzdem wunderschön und wir sind wie meistens völlig allein.

     

    Sergej Conrad in 3. Generation Fischer und neu Tourguide im Donaudelta schippert uns am nächsten Tag stundenland durch diese wunderschöne Land- und Wasserschaft. Von Murighiol geht es via Hauptkanal durch engste Wasserläufe, durchs Schilf über Seen bis wir weder sitzen noch gucken können. Er kennt alles und alle. So kommt es immer wieder mitten auf dem Fluss zu einem Schwatz mit Fischern, einem Schluck Wein aus der Petflasche und einem Fischgeschenk. Zu unseren gesehenen Tieren kommen heute noch Pelikan (jupiduhh!), Löffler, Ibisse, Eisvögel, Schlangen usw. dazu. Erstaunlich, was für eine überwältigende Natur es in Europa noch gibt. Doch was heisst hier Europa. Wir tuckern immerhin an der ukrainischen Grenze entlang und das war vor nicht allzu langer Zeit Russland.

     

    Was die ganze Geschichte noch spannender machte: Sergej spricht französisch, er hat vor 20 Jahren kurz in Lausanne gearbeitet. So erzählt er uns von alten Zeiten, als er mit seinem Vater und Grossvater als Kind im Sommer in der weit vom Dorf entfernten Fischergemeinschaft gearbeitet hat. Voller Stolz zeigt er uns das inzwischen verfallene Kooperationsgebäude und singt auch noch eine alte Weise. Jetzt würde ihm nur noch der Wodka fehlen. Dann sehen wir noch das Eishaus. Wir glauben es kaum, aber die ganzen Gewässer um uns herum sind jeden Winter meterdick gefroren. Das haben sich die Fischer früher zu Nutze gemacht. Zur kältesten Zeit sind die harten Männer für Tage aufs Eis, haben dicke Würfel daraus gesägt und im Eishaus  mit Lehm, Erde und  viel Schilf bedeckt. So hatten sie für den ganzen nächsten Sommer genug Eis, um die gefangenen Fische zu lagern, bevor sie in der Stadt verkauft wurden. Wirklich erstaunlich da hier Sommertemperaturen von über 35° herrschen können. Mit der Fahrt von Tulcea nach Smardan der Donau entlang und anschliessender Übersetzung bei Braila beenden wir unsere Zeit im grössten Delta von Europa.

     

  • 19 Apr 2010 /  Europa, Türkei/Bulgarien

    Von nun an kann es nur noch Nord, nordöstlich gehen. Wird alles so, wie wir es uns vorstellen, wollen wir ja Mitte Juni in Norwegen, dem nördlichsten Punkt von Europa stehen. Wir beide haben noch nie die Mitternachtssonne gesehen.

    An der türkischen Grenze erleben wir zum ersten Mal, ausser auf unseren Fernreisen mit dem Flieger, den Bürodschungel am Zoll. Nachdem der am ersten Posten im Stuhl hängende Beamte unsere IDs 20 Mal gedreht, 20 Mal mit dem Fahrzeugausweis verglichen und schon Einiges mit System alter Adler in den PC gepickt hat, fragt er mich: „where are you come from?“ Die Pässe lassen wir absichtlich im Tresor liegen, da sonst jedes Mal unser Auto eingetragen würde, was die Aufenthaltsdauer am Zoll erheblich verlängert. 5 weitere Stationen zu Fuss, Stempel hier, Zetteli da, sind wir in der Türkei. Uns ist es viel besser ergangen, als dem vor uns eingereihten Töfffahrer aus Andorra? Die Zöllner haben wohl noch nie von diesem Land gehört…. Via Ipsala, Uzunköprü nach Kirkareli. Köphta und Glace essen und über Land an die bulgarische Grenze. Güle güle Türkei, deine Landschaft mit den Ortschaften und seinen freundlichen Menschen hat uns gut gefallen.

     

    Tarnovo, bulgarischer Zoll: Dasselbe Cabaret nur unfreundlicher. Emil könnte damit eine herrliche Nummer schreiben. Zudem müssen wir eine Autovignette kaufen. Wir wünschen diese für eine Woche „niet“. Aber wir wissen vom TCS, dass man eine für eine Woche kaufen kann. „Niet! Wir haben nur für 7 Tage!“ Nun haben wir die Strassengebühr bezahlt und dann dies: Der blanke Horror! Mit einem 30-er Schnitt hüpfen wir von Schlagloch zu Schlagloch.

     

    EU-Land Bulgarien gefällt uns nicht. Die Dörfer am Schwarzen (Grauen) Meer fallen durch ihre Vergammelung auf. Die Häuser schief, morsch und schmutzig. Die Armut schreit uns geradezu entgegen. Eigentlich kein Problem, ja gar beinahe so erwartet. Das Schreckliche daran sind die dazwischen neu gebauten Prunkhotelpaläste, die eingegittert, des Nachts hell in allen Farben leuchtend, auf ihre Gäste, vornehmlich reiche Russen warten. Und es wird heftig weiter gebaut. Mit EU-Geldern? Für die Strasse, Infrastruktur oder das Volk werden sie jedenfalls nicht verwendet.

    Hier wollen wir nicht bleiben. Auch das Wetter ist seit wir die CH verlassen haben zum ersten Mal miserabel. Tags darauf geht’s via Varna durchs Landesinnere Richtung Rumänien. Unterwegs bewundern wir noch den steinernen Wald. 50 Mio. Jahre alte Felstürme mitten in der Pampa. Die Geologen sind sich nicht einig, wie das Naturphänomen entstanden ist. Die für uns logischste Erklärung der 4 verschiedenen Hypothesen: Methangasschlote im tiefen Ozean durch Ablagerungen zu Türmen gewachsen und Millionen Jahre später aus dem Meer emporgehoben. Offenbar soll dies auch ein besonderer Kraftort sein. Wir probieren es und es geht uns prächtig.

      

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