• 25 Nov 2011 /  Brasilien, Südamerika

    Minas Gerais,  9.10. – 23.11.2011

    Vor knapp 6 Monaten haben wir bei den Geysiren in Bolivien auf 4600 m einen Österreicher kennen gelernt, der uns spontan zu sich nach Hause, in der Nähe von Belo Horizonte, eingeladen hat. Nun sind wir in der Gegend und wollen uns das nicht entgehen lassen. Wir freuen uns, wieder einmal mit jemandem zu sprechen, der uns versteht, da wir es aufgegeben respektive uns gar nie richtig bemüht haben, portugiesisch zu lernen. Kein einziges Wort wird hier nur annähernd so ausgesprochen, wie es geschrieben wird. Wir haben Dankeschön auswendig gelernt, das muss irgendwie reichen. Der Rest geht mit Händen und Füssen.

    Der grösste Bundesstaat Brasiliens ist die gebirgige Provinz Minas Gerais, übersetzt „Minen überall“. Diese Gegend ist reich an Bodenschätzen und Edelsteinen, welche im 18.Jh. grossen Reichtum brachten. Die Regionshauptstadt Belo Horizonte ist Ausgangspunkt für die Besichtigung diverser Barockstädtchen mit ihren zahlreichen goldverzierten Kirchen. Bevor wir Gunter und seine Frau Beatriz heimsuchen, stoppen wir für ein paar Tage in eben einem dieser Städtchen mit dem verheissungsvollen Namen Diamantina.

    Auf 1200 m klebt diese Stadt an  den steilen Hängen eines Hügels. Von Gunter bekommen wir aus dem Internet die perfekte Homepage eines Campings im Ort. Leider kennt hier kein Mensch diesen Platz, weder die Polizei noch die Feuerwehr. Alle sind sich sicher: sowas gibt es hier nicht. Auch das Zeigen der Page im Internet nützt nichts. So holpern wir diese kriminell steilen Steinplatten – Strassen rauf und runter, fragen hier und dort, werden fehlgeleitet oder vertröstet, bis uns endlich die glorreiche Idee kommt, bei der Telefonnummer auf der Page anzurufen. Und siehe da: kurz darauf stehen wir 10 Minuten vom Zentrum entfernt auf der anderen Talseite in einem Blumengarten und werden auf dem Camping Sao Pedro freundlich empfangen. Wir können nur hoffen, hier keine Feuerwehr oder Polizei zu benötigen…!

    Wirklich nett dieses Diamantina, mit seinen schmucken, bemalten Häusern, den verwinkelten Gassen mit Strassenkaffees und kleinen Läden. 50‘000 Menschen teilen sich hier über 15 Kirchen. Eine höhere Kirchendichte gibt es wohl nur noch in Ouro Preto. Dort gibt es eine Kirche, die mit 434 kg Goldstaub, das die Katholiken von den Indianern gebrandschatzt haben, verziert ist. Dieses von der UNESCO geschützte Städtchen besuchen wir aber erst später.

    Am folgenden Sonntag treffen wir in Alphaville auf einem Parkplatz Gunter, werden herzlich begrüsst und fahren zusammen zu seiner Dschungelvilla. Villa reiht sich hier an Villa. Das Geld verdient man in der 40 km entfernten Grossstadt Belo Horizonte, gewohnt wird hier. Nur mit Fingerprint und Ausweis kommt man an mehreren Sicherheitsleuten vorbei, in dieses mehrere km2 grosse, eingezäunte und stark bewachte Gebiet. Man ist unter sich, man fühlt sich sicher. Schon oft haben wir in Brasilien solche Anlagen gesehen. Offenbar ist das die Zukunft, um in Agglomerationen von Städten zu leben und der enormen Kriminalität auszuweichen. Wann werden wohl in der CH solche eingezäunten Siedlungen gebaut?

    Trotzdem ist es wunderschön hier. Wir bekommen auf der anderen Seite seines Baches, wirklich mitten im Dschungel das Gästehaus und schlafen seit 2 Jahren das 1. Mal nicht im Hiddy. Wir gehen Essen, besuchen Freunde und Sehenswürdigkeiten und Felix findet hier sogar Lust zum Zahnarzt zu gehen. Die ausgebissene Ecke eines Stockzahns muss geflickt werden und er bekommt für CHF 200.- ein perfektes Inlay.

    Gleich hinter unserem Häuschen entdecken wir ein Kolibrinest mit 2 Eiern. Kleiner und zierlicher geht es kaum mehr und wir würden gerne warten, bis die Jungen schlüpfen aber: Franziska fliegt morgen für 3 Wochen in die CH und Felix verzieht sich für diese Zeit zurück nach Diamantina.

    Für Franziska vergeht die Zeit in der Schweiz mit ihrer Familie und ihren Freunden im Fluge. Bei Felix nehmen diese 3 Wochen jedoch kaum ein Ende, trotz einiger Berg – und Klettertouren, Autoreinigung und mehreren Stadtbummeln. Die einzige (und völlig unnötige) Action ist, als gleich hinter dem Campingplatz vor den Augen von Felix, ein eifersüchtiger Gockel seine Frau erschiesst und mit dem 4. Schuss gleich noch sich selbst. Sobald die Polizei (sie hat den Camping nun doch gefunden!) bei der Befragung von Felix merkt, dass er kein portugiesisch spricht, wird der „Fall“ abgeschlossen, die Leichen weggebracht und man kehrt zur Tagesordnung zurück.

    Am 14. November gibt es auf dem internationalen Flugplatz von Belo Horizonte endlich unser Wiedersehen. Gemeinsam beschliessen wir, die Aufenthaltsbewilligung für Brasilien nicht zu verlängern, da wir beide von diesem extrem lauten Land genug haben. Brasilianer lieben Musik und Lärm in jeder Form. Sie lassen sich 24 Stunden am Tag damit berieseln und das in einer Lautstärke, die in jeder Disco in der Schweiz verboten ist. Sein Auto mit gigantischen Audioanlagen auszurüsten ist cool. Wir sprechen nicht von 100 oder 200 Watt. Hier baut man 2000 bis 5000 Watt Anlagen ein. Natürlich muss der Automotor beim Picknick weiterlaufen, damit die Batterie nicht in Sekunden leer ist. So haben wir mehrfach das Vergnügen, irgendwo an einem stillen See, manchmal mitten in der Nacht, oder wo und wann auch immer rücksichtslos in einer Disco Latino zu landen. Reklamieren nützt nichts, sie würden nie verstehen, dass uns Musik stört. So kann uns auch der schönste aller Strände in wenigen Minuten verleiden und wir flüchten an „ruhige“ Tankstellen.

    Wir sind uns bewusst, dass wir im Norden Brasiliens die schönsten Strände verpassen, haben aber keine Lust 1000e km innerhalb 3 Mt. zu fahren, um dann solche Szenen zu erleben, die in der jetzt beginnenden Hochsaison bestimmt eintreffen würden.

    Es bleiben nur noch wenige Tage bis unsere 3 Monate Brasilien abgelaufen sind. So nehmen wir mehr oder weniger die direkte Verbindung nach Westen zur Grenze von Paraguay. Danach soll es via Argentinien zurück nach Nordchile gehen. Wir hoffen im Chaco von Paraguay und in den Anden wieder ein bisschen Ruhe zu finden.

    Die Costa Verde zwischen Rio de Janeiro und Santos mit ihren herrlichen Stränden nehmen wir jedoch noch mit. Auch ist es doch etwas Besonderes für uns, mit dem eigenen Auto über die Copacabana in Río und durch das Gewusel einer der grössten Weltstädte wie São Paulo zu fahren.

    In Dourados nahe der paraguayischen Grenze suchen wir eine Toyotagarage, um endlich unsere Lenkung zu reparieren. Der Mechaniker schüttelt den Kopf: „nein, wir haben die Ersatzteile nicht, hier gibt’s keine Landcruiser.“ Glücklicherweise weiss er aber von einer Firma, die sich auf Getriebe und Hydraulik spezialisiert hat. Und tatsächlich! Unsere Servo wird kurzerhand ausgebaut, in ihre Einzelteile zerlegt, eines davon wird auf der Drehbank neu hergestellt, alles gereinigt, neu zusammengebaut, mit einer hochmodernen Maschine getestet, neu gespritzt und wieder eingebaut. Das Ganze dauert 7 Stunden und kostet uns 800 Schweizer Franken. Aber wie sind wir froh, dass Felix unseren Hiddy wieder problemlos um alle Schlaglöcher dirigieren kann!

    Wir verlassen dieses Land gerne, bekommt es doch auf unserer südamerikanischen Hitliste am wenigsten Punkte. Die Brasilianer sind freundlich und interessiert, laden uns ein, bekochen uns und wollen wissen, ob uns ihr Land gefällt, wir hatten keine einzige Polizeikontrolle, Fauna und Flora sind spektakulär. Aber die Distanzen sind riesig und führen tausende Kilometer über gerodetes Land mit Monokulturen, Campingplätze gibt es ausser an den Stränden kaum, vom wilden campieren wird dringend abgeraten und vieles ist überteuert.

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  • 12 Okt 2011 /  Brasilien, Südamerika

    Episoden aus dem Herzen Brasiliens, oder:

    Wie wir beinahe verdursteten, von Mangos erschlagen und zu Tode gefüttert werden. 25. 9.  – 8.10.2011

    (für Martin)

    Ca. 1500 km weiter östlich, ein paar 100 km nördlich der Hauptstadt Brasilia steuern wir eine Hochebene an, die uns Natur, klare Flüsse und Wasserfälle verspricht. Doch dazu müssen wir, wollen wir nicht auf schrecklichen Pisten rumpeln, auf die Nationalstrasse 153. Das ist die Hauptverbindung vom Grossstadtmoloch Saõ Paulo nach Belem, der Stadt an der Mündung des Amazonas. Sämtliche Güter, die von Süd nach Nord transportiert werden, rollen, da es in BR keine Züge gibt, auf dieser Strasse. Im Verhältnis 10 LKWs : 1 PKW ist das der pure Wahnsinn! Diese LKWs fahren nicht etwa einfach ihren Zielen entgegen, nein es ist ein ständiges, grosses Elefantenrennen. Geht es bergan, kriechen die 35 t Trucks im Schritttempo vor uns, um auf der anderen Hügelseite mit über 100 km/h im Leerlauf und ohne Sicht nach Vorne runter zu donnern. Hier heisst es für uns einfach nur: Anpassen und versuchen mit zu halten.

    Übernachtet wird, da sonst keine anderen Möglichkeiten, an den Tankstellen. Diese sind aber mit allem Komfort ausgerüstete riesige Versorgungsstellen mit Schattenplätzen, Restaurants, Duschen und allem, was so ein Fernfahrer braucht. Schafft man es, den ständigen Motorenlärm aus zu blenden, kann man hier sicher und gratis schlafen. Drei Mal hatten wir  bis jetzt dieses Vergnügen und es war auszuhalten.

    Der NP Chapada dos Veadeiros ist ein Schaufenster des einzigartigen Cerrado – Hochlands. Unter einem strahlenden Himmel tummeln sich Mähnenwölfe, riesige Ameisenbären und Nandus (südamerikanische Emus), während Canyons, Wasserfälle und Honigpalmhaine, die wie Oasen anmuten, sich zu einer sagenhaften Landschaft vereinen. So der Reiseführer.

    Die Wirklichkeit sieht etwas anders aus. Nur ein winziger Teil dieses Parks darf betreten werden und das nur wieder wie gehabt mit Führer auf einem 2 – stündigen Spaziergang auf breitem Weg zu  Canyons mit Wasserfällen. Mähnenwölfe, oder was auch immer, sehen wir so natürlich keine. Wir verstehen aber langsam, warum die Brasilianer geführt werden müssen. Die meisten dieser städtischen Touristen sind in der freien Natur schlichtweg überfordert. So unternehmen sie diese Wanderungen in blütenweissen Strandfähnchen mit Flipflops, müssen auf jede Bodenunebenheit oder tiefhängende Äste hingewiesen werden, um sich nicht zu verletzen. Sie füttern trotz Verbot die Fische mit Essensresten und würden vermutlich auch ihren Müll liegen lassen. Viele von ihnen können kaum oder gar nicht schwimmen und wir bestaunen teils verwundert, teils belustigt, wie sich junge Leute mit Schwimmwesten ausgerüstet im knietiefen Wasser tummeln.

    Obwohl diese Wasserfälle einen Schweizer nicht aus den Socken hauen, geniessen wir die Szenerien und das kühle Nass sehr und folgen unserer Führerin im Gänsemarsch.

    Etwas für die Statistiker:

    1. Oktober 2011 Wir sind nun genau 1 Jahr in Südamerika. In dieser Zeit haben wir 35‘400 km zurück gelegt. Trotzdem wir an vielen Orten recht lange geblieben sind und uns Zeit gelassen haben, ergibt das einen Tagesschnitt von 95,6 km. 4666,85 Liter Diesel haben wir dazu verbraucht, das einem Schnitt von 13,18 l pro 100 km entspricht. Der günstigste Diesel mit Fr. 0,48 pro Liter und der teuerste mit Fr. 1.56 haben wir, wen wundert’s beide Male in Bolivien getankt. Der Schnitt in allen Ländern, die wir bis jetzt bereist haben, liegt um einen Franken pro Liter. Wir haben 217 Nächte auf Campingplätzen, 62 Nächte wild und 85 Nächte auf privatem Grund verbracht. Franziska hat mit ihren Gourmetmenus, den Butterzüpfen und Weihnachtsguetzlis 50 Liter Gas verbraucht. Die höchste (4630 müM) war gleichzeitig auch die  kälteste Nacht (-18°). Die heisseste im Dschungel von Bolivien mit 31° .

    Auf der anderen Seite des Parks, in Cavalcante finden wir bei Beatriz und Fernando und Familie den herrlichen Camping Canto do Brasil und wollen hier auf eigene Faust die Gegend unsicher machen.

    Der Himmel ist bedeckt, die Temperatur um die 38° und wir befinden uns im Aufstieg zum Morro do Cruz. Wir wollen zum Gipfel mit super Rundsicht und dann auf der anderen Seite runter zum Fluss. Wasser haben wir wie auf jeder Tour genügend dabei. Kurz vor dem Gipfel bricht die Sonne durch, Schatten findet sich kaum. Franziska kann nur noch eine Pause mit viel Wasser vor dem Hitzschlag retten, während Felix die Strecke zum Fluss rekognosziert. Kein Problem, einfach runter durchs Gemüse, dann auf dem kleinen Weg nach rechts und zuletzt gerade durch den Busch zum Fluss. Doch bei diesem Busch gibt es kein Durchkommen. Vom Berg aus gesehen war es eine grosse Wiese mit lichtem Baumbestand. Unten nun stehen wir in hüfthohem Schilf mit Dornen, sehen keine 20 m weit und wissen von kleinen aber sehr giftigen Schlangen. Alles zurück zum Weg, weiter diesem entlang bis wir endlich eine Piste Richtung Fluss finden und dieser folgen. Einige km weiter stehen wir ziemlich aufgelöst vor einer Pousada (kleines Hotel) und können dort unser Wasser auffüllen. Auch den Fluss haben wir gefunden und kühlen unser kochendes Blut darin lange ab. So schnell kann es gehen, hätten wir wohl einen Führer gebraucht?

    Die nächste Attacke auf unser Leben kommt am Abend auf dem Camping, wo wir unter riesigen Mangobäumen im Schatten stehen. Unmengen Mangos hängen direkt über uns und schon in einem Monat sind die Früchte reif. Doch soweit soll es nicht kommen. Wie aus dem Nichts fegt ein trockener Sturm über 5 Stunden lang durchs Tal. Wir werden richtig gehend mit Mangos bombardiert. Mit der Überzeugung, der Baum dürfte wohl bald keine Früchte mehr tragen, und weil wir zu faul sind alles einzuräumen, wollen wir Hidalgo nicht verschieben und Felix baut sogar noch Polster auf die Solarpanels und Dachfenster. Es knallt schrecklich, wenn so eine harte Mango aus 15 m Höhe auf unser Dach fällt, doch dann ist der Spuck vorbei. Am Morgen danach stehen wir in einem Feld aus Mangos. Schade, das wäre ein Schmaus gewesen.

    Der Schmaus kommt aber schon am nächsten Tag. Wir werden von Beatriz zum Essen eingeladen. Es gibt Pequi, eine Spezialität dieser Region. Die ganze Familie sitzt zusammen und geniesst diese kleinen gelben Bollen mit Hühnchen und Reis. Eine grüne apfelähnliche Frucht wird halbiert und die bis Golfball grossen gelb/orangen Kerne entnommen. Diese müssen dann am besten mit Reis lange gekocht werden. Beim Essen heisst es vorsichtig die weiche Schicht vom Kern knappern, da im Kern selbst höchst unangenehme Stacheln zum Vorschein kommen. Entweder man liebt Pequi oder man hasst sie. Franziska liebt sie auf jeden Fall.

    Wir lernen auch andere Früchte Brasiliens kennen, wie z. B. die Cashew. Bei uns bekannt als Cashew-Nuss. Dass dies aber keine Nuss ist, und warum so teuer erfahren wir hier. Jede Frucht trägt nur eine  „ Nuss“. Die muss man erst von der Frucht trennen, die äusserst schmackhaft ist und dann lange, lange rösten. Schliesslich wird sie aufgebrochen und die eigentliche „Nuss“ kommt zum Vorschein. Die Frucht kennen wir bei uns nicht, da sie nicht transportiert werden kann und schon kurz nach dem Pflücken verfault. Wir essen sie haufenweise und trinken ihren herrlichen Saft.

    Langsam müssen wir nun weiter, da offensichtlich hier die Regenzeit beginnt.

    Muss man die Hauptstadt Brasiliens, Brasília gesehen haben, wenn man schon mal in der Nähe ist? Nachträglich finden wir: nein, das muss nicht sein. Unser Navi ist wegen den unzähligen Autobahnkreuzen total überfordert. Wir auch. Keine Wegweiser, keine Strassennamen, alles nur Ziffern und Nummern der vielen Quadranten, die den Regierungssitz in Form eines grossen Flugzeuges umgeben.

    Ende der 1950er- Jahre realisierte der damalige Präsident von Brasilien eine 130-jährige Idee. Er nahm seinen Stadtplaner Costa und den Architekten Niemeyer zur Seite und zusammen realisierten sie  innerhalb von 3 Jahren mitten in der unberührten Pampa eine neue Hauptstadt mit Regierungssitz, und zwar in der Form eines übergrossen Flugzeuges. Rund herum entstand bald eine richtige Stadt mit vielen Einwohnern. Man muss wohl Architekt sein, um diesen Betongebilden etwas abgewinnen zu können. Wir schiessen für unseren Architekten Lolo ein paar Bilder und ziehen fluchtartig weiter.

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  • 23 Sep 2011 /  Brasilien, Südamerika

    Im Pantanal 9.9. – 24.9.2011

    Ein weiteres von unseren grossen Zielen in Südamerika haben wir erreicht. Das Pantanal, das grösste Überschwemmungsgebiet der Erde ist ein an Vielfalt kaum zu übertreffendes Landschaftsmosaik aus Flüssen, Grassavannen, Seen, Sümpfen und tropischen Wäldern. In der Regenzeit wird das Pantanal weiträumig überflutet und nur die etwas höher liegenden Landflächen, die Cordilheiras, ragen dann wie Inseln aus dem Wasser. Wegen seiner aussergewöhnlich hohen Tier- und Pflanzenwelt wurde es 2000 von der UNESCO zum Weltnaturerbe und Biosphärenreservat erklärt.

    Trotzdem, für uns unerklärlich, gehört das 230‘000 km2 grosse Gebiet beinahe ausschliesslich privaten Grossgrundbesitzern. Und genau hier liegt für uns das Problem. Um Tiere und unberührte Natur zu sehen, muss man weg von den Pisten und Strassen, rein in die Wildnis, und das geht meistens nur, wenn man auf einer dieser Farmen (Fazendas) eine Tour bucht.

    Doch zuerst haben wir am Hidalgo einen weiteren kleinen Schaden. Der Luftkompressor, um die Reifen dem Strassenbelag anzupassen, gibt seinen Geist auf. Beim Autoelektriker, der den Elektromotor auseinander nimmt, finden wir den Übeltäter. Die Kupferspule löst einen Draht nach dem anderen ab und verklemmt sich. Auch ein Versuch, die abgerissen Drähte neu zu wickeln scheitert und so landet das Teil, es ist schon unser 2. auf dem Müll.

    In Miranda versuchen wir in der 250 km entfernten Stadt Corumbá ein Pontonschiff zu buchen, das uns mit Hidalgo den Rio Paraguaí in den nördlichen Pantanal hinauf schippern soll. Das wäre Abenteuer pur und wir würden viele Strassenkilometer sparen. Man verheisst uns, es würde klappen, das Schiff mit uns in 6 Tagen auslaufen.

    So haben wir jetzt 1 Woche Zeit, den südlichen Teil zu erforschen. Die Estrada Parque do Pantanal, eine Sandpiste mit über 87 zum Teil abenteuerlichen Holzbrücken, läuft quer durch die südlichen Sümpfe. Eine dieser Brücken genau in der Mitte der 120 km langen Strecke ist leider von der letzten Flut so stark beschädigt, dass man nur von beiden Seiten in die Estrada Parque hinein fahren, sie aber von Ost nach West nicht durchqueren kann. Wir nehmen die östliche Stichstrasse bis es nicht mehr weiter geht und finden beim Ecological Expeditions Camp einen Schlafplatz. Von da unternehmen wir verschiedene Touren.

    Hier wimmelt es von Kaimanen. Wir sehen allerlei Vögel in grosser Zahl. Auch Brüllaffen, Capivaras und vor allem zum ersten Mal die Hyazintharas, die grössten Papageien überhaupt und nur hier vorkommend. Auf einer Lodge fressen Sie uns sogar aus der Hand. Sehr schwierig erweist sich hier das Piranhas fischen, denn 2 mal haben wir ein Kroko an der Angel. Ein grosser Kaiman ist von der Schwimmerkugel so fasziniert, dass er sie dauernd verfolgt und fressen will.

    Wir sitzen an einem Wasserloch und hören dem Schauerlärm der Brüllaffen zu, sehen ein halbes Dutzend Eisvögel nach Fischen tauchen und ab und zu streift ein Papagei über uns hinweg. Der Duft des Dschungels überwältigt uns. Die Mischung aus verschiedensten süssen Blüten, Tieren, stehendem Wasser und Moder hängt schwer in der heissen Luft und berauscht uns regelrecht.

    Auf der westlichen Stichstrasse fahren wir nur die 50 km bis Porto Da Manga am Rio Paraguaí, denn schon am nächsten Tag müssen wir in Corumbá am Hafen sein.  Hier verabschieden sich Ruth und Walter von uns. Die beiden wollen zuerst noch einen grossen Abstecher nach Bolivien machen. Vielleicht sehen wir sie irgendwann, irgendwo wieder.

    Am Hafen in Corumbá die grosse Endtäuschung. Unser Boot, warum auch immer, fährt nicht nach Porto Joffre hinauf. So suchen und fragen wir weiter nach einer Möglichkeit. Einer würde auf der Stelle mit uns auslaufen, wenn wir den Preis von  US$ 1200.- bezahlen, anstatt den vom ersten Kapitän verlangten 400.-. Dann halt nicht, wir fahren mit dem Auto hoch.

    Da wir ja jetzt keine Termine mehr haben, fahren wir zurück in die östliche Stichstrasse und finden auf der Fazenda Xaraes einen herrlichen Platz, um ein wenig zu bleiben. Und hier haben wir wieder einmal das grosse Los gezogen. Mitten auf einer grossen Buschlichtung, umrandet vom Rio Abobral, im Schatten eines grossen Baumes, direkt neben dem Swimmingpool und Grillplatz dürfen wir uns für einen „symbolischen“ Preis einrichten. Perfektes WIFI und jede Menge zu sehen und zu tun.

    Wir machen einsame Buschwanderungen oder ziehen lautlos im Kanu inmitten dutzender Kaimanen auf einem See dem Sonnenuntergang entgegen. Es ist einfach nur schön. Eines Abends, Freude herrscht, stossen Olivia und Lolo zu uns, mit ihnen haben wir ja schon in Bolivien GZ, SZ gehabt. Dies ist nun aber auch schon 3 Monate her und es gibt wieder viel zu quatschen. Da sie im November in Buenos Aires aufs Schiff zurück in die CH müssen, halten sie sich ab jetzt nur noch südlich. Wir hingegen nehmen die seitliche, sehr schlechte und sehr lange Piste um die Sümpfe in den Nordpantanal. Wir wollen endlich einen Ameisenbären sehen. Glück auf! Da diese grossen Ameisenbären schlecht sehen und hören und der Wind für uns aus der perfekten Richtung kommt, gibt es eine geniale Fotosession. Bis auf 2 m kommen wir ran und das über 30 Minuten.

    Im PN Chapada dos Guimarães auf dem Hochplateau das über dem Pantanal thront, und deshalb, Gott sei Dank einiges tiefere Temperaturen hat, unternehmen wir wie gehabt nur diese Touren, die wir ohne Führer dürfen. Wunderschön und spektakulär die Aussicht von der Abbruchkante dieser uralten tektonischen Erhebung. Wasserfälle und klare Flüsse, in denen wir uns abkühlen, Aussichtspunkte, der geografische Mittelpunkt Südamerikas und ein nettes Dorf. Hier haben wir unseren neuen Hitzerekord in der Kabine. 42° stöhn!!!

    Das Pantanal am Ende der Trockenzeit ist absolut sehenswert. Um tiefer in die Sümpfe eindringen zu können, müsste man aber ein um einiges leichteres Fahrzeug haben. Spannend wäre, das Ganze in der Regenzeit mit einem kleinen Boot zu bereisen oder längere Zeit mit einem indigenen Führer auf die Pirsch zu gehen. So hat uns Hidalgo seine Grenzen gezeigt, die aber schon ziemlich hoch gesteckt waren.

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  • 15 Sep 2011 /  Brasilien, Südamerika

    Der reiche Süden 27.8. – 8.9.2011

    Brasilien empfängt uns mit sintflutartigen Regenfällen, obwohl die Regenzeit erst im November beginnen soll. Wir fahren tagelang der Küste entlang nördlich, um aus diesem Tief so schnell wie möglich heraus zu kommen. Schlussendlich müssen wir in Rio Grande feststellen, dass wir auf unserer Karte im Massstab 1 : 3‘850‘000 lediglich 2 cm weit gekommen sind. Brasilien ist wahrhaftig riesig. Es ist mit Abstand das grösste Land Südamerikas mit 8‘456‘510 km2, das heisst etwa in der Grösse der USA ohne Alaska.

    Der Regen hält an und zusätzlich ist der Wind so stark geworden, dass die Fähre über die Meeresbucht Lagoa dos Patos ihren Betrieb einstellt. Wir fragen (mit Händen und Füssen), ob wir wohl die Nacht auf dem Fährgelände verbringen dürfen und bekommen sogar noch eine Stromleitung direkt vor unsere WOMOS geliefert. Beim Warten interessiert sich eine Gruppe Offroader, die mit 5 Jeeps unterwegs ist, für uns und wir beantworten die Routinefragen: woher, wohin und ob es uns in ihrem Land gefällt.  5 Minuten dauert dieses Gespräch und wir werden von einem dieser Jungs (Leonardo) in sein Haus in Garibaldi eingeladen, sollten wir diese Stadt irgendwann passieren.

    Auf der Höhe der Küstenstadt Torres biegen wir links ab ins Landesinnere, um die atemberaubenden Canyons im Park Aparados da Serra zu durchfahren, sehen aber ausser dichten Regenwolken und Nebel manchmal kaum einen Meter weit. Mit Allrad und Untersetzung geht es endlich wieder einmal eine Passstrasse bergauf. Dort stehen wir mit langen Gesichtern auf dem Hochplateau vor einem geschlossenen Parkeingang. Dieser ist leider nur 3 Tage die Woche geöffnet. Den Reiseführer genau zu studieren, wäre eine gute Idee gewesen.

    Später fahren wir durch eine Gegend nordwestwärts, die uns viel mehr ans Emmental erinnert, als an ein Tropenland und in Gramado meinen wir, mitten in einem Schwarzwälder Badekurort oder Kitzbühl zu stehen. Mondäne Strassen und teure internationale Geschäfte, verpackt in schmucke Häuser. Alles perfekt auf luxuriösen Tourismus getrimmt. Mit viel Kitsch verkauft man hier vor allem Schokolade und Dinge, die man eigentlich gar nicht braucht.

    Die Canyonroute, die Ruta Romantica liegt tatsächlich auf dem Weg nach Garibaldi und wir entschliessen uns, bei Leonardo anzuklopfen. Franziska navigiert uns trotz Nullsicht und Dunkelheit direkt vor die Einfahrt seines Arbeitsplatzes. Leonardo ist Önologe und ein hohes Tier bei der Firma Chandon, dem Nr. 1 Champagnerproduzent von Brasil. Da schon lange Arbeitsschluss ist, ruft eine Wächterin bei ihm zu Hause an und wir werden bald schon abgeholt.

    Dann staunen wir Bauklötze, wie  herzlich wir von seiner ganzen Familie, in dieser Megavilla empfangen werden. Es gibt ein Fisch- und Seafoodgericht und alle Champagner seiner Firma werden der Reihe nach aufgetischt. Jeder schmeckt uns vorzüglich. Um 23.00 Uhr kommt noch ein Freund mit seiner 8-jährigen Tochter zu Besuch (völlig normal in Brasilien). Francesco singt in einer Countryband und lädt Felix spontan zu einer Jamsession mit Grill und Bier am nächsten Abend ein, doch leider möchte die Mehrheit lieber schon wieder weiterfahren.

    Am Morgen danach, mit leichtem Brummschädel, werden wir durch die moderne Kellerei geführt und bekommen als Abschiedsgeschenk je noch eine Flasche Chandon Passion. Drei Traubensorten, Hefe und Zucker für die 2. Fermentierung und einige Monate Zeit braucht es für diesen exzellenten Champus. Es war toll.

    Dann erreichen wir Foz do Iguaçu, mit seinen wunderschönen Wasserfällen. Hier waren wir schon vor einem Jahr, nur stehen wir heute auf der brasilianischen Seite.  Uns beindruckt das Getöse mindestens ebenso stark von dieser Seite, da wir die Wasserfront nun direkt vor der Nase haben. In Argentinien kommt man zwar viel näher heran, aber das Gesamtbild ist nicht so gewaltig.

    Tagelang quälen wir uns auf einer LKW-Verbindung gegen Norden. Wir müssen uns beeilen, da die Regenzeit im Pantanal nicht auf uns wartet. Hunderte von einschläfernden km sehen wir nur gigantische Maisfelder und Kühe in allen Farben und Formen der Welt. Das einzig richtig Spannende an dieser Strecke ist, dass Ruth und Walter sich bei einem Früchtestand ausschliessen. Gott sei Dank finden wir bald schon einen Autoknacker, der ohne Schaden das Schloss öffnet.

    Am 4. Sept. kommen wir wieder in den Tropen an. Die Gegend um Bonito ist umgeben von spektakulären Naturwundern. Die Stadt ist der Mittelpunkt des Ökotourismusbooms von Mato Grosso do Sul und lockt mit kristallklaren Flüssen mit 30 verschiedenen Fischarten, Schnorcheln, Tauchen, Rafting und vielem mehr. Ganz speziell ist die Vogelwelt hier. Es wimmelt geradezu von Aras, Tukanen, Ibissen, und vielen uns fremden Arten. Z. B. ein normaler Morgen: Geweckt werden wir von Tukanen, die über unserem Autodach Äste knappern; beim Morgenessen fliegen Aras über uns hinweg, irgendwelche übergrossen Meerscheinchen spazieren vorbei, Affen wollen unser Frühstück stibitzen und die Rotte Wildschweine, die uns um 03.00 Uhr schon geweckt hat, als sie unter Hidalgo nach Futter suchte, grunzt immer noch in der Nähe herum.

    Wir baden und schnorcheln in den klaren und kühlen Flussläufen, denn draussen ist es gegen 40°.

    Eine geführte Schnorcheltour im klarsten Fluss überhaupt mit bis zu 40 Metern Sicht wollen wir uns nicht leisten. Felix weigert sich strickt, 50.- Franken zu bezahlen, um in einem Fluss unter Aufsicht eines Guides schnorcheln zu dürfen.

    Auch gibt es hier einen Blautopf, ein Krater, der vor langer Zeit in sich zusammen gefallen ist und nun von einer unterirdischen Quelle gefüllt wird. Man könnte ihn betauchen, im klarsten Wasser auf 50 m runter gehen und die Fische beobachten, wenn man bereit ist, für dieses Spektakel 130.- Franken auszugeben. Wir lassen auch dies „leider“ bleiben.

    In der Nähe von Jardim besuchen wir das Schutzgebiet Buraco das Araras. Dort wohnen ca. 100 rot – blaue Aras in und um eine einzigartige Doline aus lachsrotem Sandstein. Die Doline ist 100 m tief, besitzt am Grund einen grünen See mit einem Kaimanenpaar und hat einen Durchmesser von 160 m. Fasziniert verfolgen wir ihre Flugmanöver und versuchen eine Stunde lang, gerade dies fotografisch festzuhalten.

    Von Südbrasilien sind wir sehr positiv überrascht. Seit bald 3 Wochen hier on the road und noch keine einzige Polizeikontrolle. Die Strassen durchaus gut, Wegweiser und km Angaben überall vorhanden und kaum zerschossen. Die Dörfer und Städte haben überall Strassencafés, die Häuser sind meis schmuck mit viel Grünzeug im Garten und eigentlich ist immer alles auffallend sauber.

    Das Beste sind die Brasilianer selbst. Wildfremde Menschen bedanken sich bei uns, dass wir ihr Land bereisen. Alle sind sehr freundlich und hilfsbereit und wollen mit uns quatschen, aber portugiesisch, und dazu noch mit diesem Süddialekt? Es ist grauenhaft, für uns hört sich das wie eine Mischung aus russisch und einem Sprachfehler an. Aber wir kommen zurecht und es macht grossen Spass.

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  • 02 Sep 2011 /  Südamerika, Uruguay

    Quer durchs Ländle  16.8 – 27.8. 2011

    Um an den Atlantik zu kommen, müssen wir zuerst einmal wieder in Argentinien einreisen. Doch hier wollen wir auf keinen Fall wieder durch den Bundesstaat Entre Rios mit seinen arroganten und höchst korrupten Polizisten.

    So fahren wir von Norden her, über Urugayana Brasilien, in Uruguay ein. Da wir ein paar Tage zu den Thermen Arapey wollen, wäre die nächste Grenze von Argentinien ein Umweg von 300 km. Wir bekommen am brasilianischen Zoll ein Zeitfenster von 12 Stunden um die 100 km brasilianische Abkürzung zu bewältigen und müssen nur Hidalgo deklarieren. Unsere Pässe bleiben vorläufig von neuen Stempeln verschont.

    So nett wie hier in Uruguay sind wir noch nie an einer Grenze empfangen worden. Mit einem Handschlag und ehrlichem Lächeln heisst uns der Zöllner willkommen und schiebt uns sogar Stühle unter den Hintern. Uruguay ist offenbar anders. Dieses Land mit seinen 187‘000 km2 (Schweiz, 42‘000) hat nur 3,42 Mio. Einwohner. Topfeben vom einen Ende zum Anderen sehen wir hauptsächlich Weideland und Baumschulen. Dem schnell wachsenden Eukalyptus mussten praktisch alle einheimischen Pflanzen weichen. Die meisten Menschen wohnen in den wenigen Städten, wie Montevideo, Maldonado und Punta del Este.

    Nach 5 Tagen in den warmen Quellen der Therme Arapey ziehen wir die Stecke von über 500 km in einem Tag durch und holen unsere Freunde Ruth und Walter am folgenden Tag am Hafen von Colonia del Sacramento ab.

    Und… Sie bringen unseren neuen Boiler mit, den wir sogleich montieren. Leider hat Felix dabei zu viel Kraft und dreht an einer Schraube so lange bis sie auseinander bricht. Ein satter Wasserstrahl spritzt uns entgegen. Grosses Gefluche und Gezeter, dieses Ersatzteil hier zu finden, ist aussichtslos. Das bedeutet, wir haben vorläufig kein heisses Wasser mehr. Nur gut, dass wir uns Richtung Wärme bewegen und nicht wie hier vor einem Jahr in den kalten Süden.

    Colonia del Sacramento, von den Portugiesen 1680 als Schmugglerstadt gegründet und in den folgenden Jahrzehnten mal in spanischer, mal in portugiesischer Hand, ist echt ein reizendes Städtchen mit vielen Strassenkaffees, kleinen, alten Gassen und einem Leuchtturm, den man besteigen kann. Nirgendwo anders sieht man so viele Oldtimer zur selben Zeit. Sogar die Überreste der historischen Stadtmauer sind noch vorhanden. In der Nacht wird wie mit gelbem Flutlicht der ganze Horizont mit der Lightshow Buenos Aires beleuchtet, die auf der anderen Seite des Río de la Plata liegt.

    Am 24. fahren wir ab, kommen aber nicht sehr weit. Paul aus Stans, ein Bekannter von Walter, wohnt in Solís an der Küste und freut sich über unseren spontanen Besuch. Da er schon Gäste für den Abend eingeladen hat, komme es auf 4 hungrige Mäuler mehr auch nicht mehr an. Wir haben viel Spass mit den Exilschweizern Silvia, Heinz, Paul und Fritz. Und jetzt kommt der Knaller: Fritz war ein Sanitär und Heizungsprofi und er habe bestimmt ein passendes Ersatzteil für den Boiler. So fahren Fritz und Felix kurz nach dem Abendessen zu seiner schönen Villa in Paraíso Suizo und durchstöbern sein Warenlager, in dem alles noch aus der Schweiz stammt. Ja und sie finden es tatsächlich. Lieber Fritz, wir danken Dir von ganzem Herzen, ab sofort sind wir wieder trocken.

    Durch die mondäne Hochhausstadt Punta del Este nehmen wir der Küste entlang Kurs nach Brasilien. Mit jedem Meter, den wir uns dieser Grenze nähern, verschlechtert sich das Wetter. Am Zoll in Chuy prasselt es nur so auf uns runter, auch wird es bitterkalt. Und das soll erst der Anfang einer riesigen, anhaltenden Gewitterzone sein. Ist das ein gutes Omen für ein tropisches Land?

    Ausser seinen auffallend lieben und gastfreundlichen Menschen, dem guten Fleisch der Grillrestaurants, sowie den gemütlichen Thermen bietet dieses Land in dieser Jahreszeit nicht gerade viel. Wenigstens für uns. Auch die tollen Strände locken bei einer Wassertemperatur von 14° noch nicht wirklich.

    Uruguay ist wirklich anders. Alle haben Wasser im Überfluss, hungern muss hier niemand. Wir wurden kein einziges Mal von der Polizei gestoppt, konnten bedenkenlos wild campieren und meistens ist alles hübsch und sauber.

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