• 23 Feb 2012 /  Paraguay, Südamerika

    Von Paraguay nach Chile, 12.2. – 18.2.2012

    Die Felge ist perfekt geflickt und als Ersatzrad bereit. Nach einem kleinen Abschiedsfest starten wir voller Freude und Reiselust Richtung Chile. Als Erste durchfahren wir die von uns gebaute Umfahrung durch den Busch, da das Wasser im Chaco immer noch hoch steht. Danach, auf der Transchaco, einmal mit höherer Geschwindigkeit als sonst, mit 90 km/h Asunción entgegen. Ca. 70 km nach Filadelfia, oh Schreck…! Ein entgegenkommender LKW weicht einem Schlagloch aus und kommt direkt auf uns zu. Wir weichen auf die linke Strassenseite aus und erwischen prompt auch eines dieser grossen, tiefen Löcher. Dann ein Knall, und wir rutschen schleudernd und ziemlich schräg stehend über den Asphalt. Mit Mühe kann Felix Hidalgo bezwingen und ihn seitlich der Strasse zum Stehen bringen. Was war denn das??? Das gesamte linke Hinterrad wurde mit 3 Schrauben einfach von der Welle weggerissen und wir sind auf der Aufhängung und den Stossdämpfern 200 m geschlittert Dabei haben wir viel Metall und Gummi auf dem Boden liegen gelassen. Hier beginnt ein kleiner, nicht endenwollender Alptraum.

    Mit Hilfe von ein paar paraguayischen Indigenen wird der Schaden untersucht, Hiddy aufgebockt und der Abschleppdienst organisiert.  Zurück in Filadelfia nach der Untersuchung der Schäden in der Garage bekommen wir nur ein cooles „ No hai“! Auf Deutsch: Hier und in ganz Paraguay habt ihr keine Chance auf Ersatzteile, hier gibt es keine Toyotas. So wird alles behelfsmässig zusammen geschweisst und zurecht geklopft, bis wir 2 Tage später mit ziemlichem Bammel weiterfahren können.

    Ohne Halt geht es langsam nach Argentinien, um in der 1. grossen Stadt Formosa dasselbe zu hören. Eine neue Felge werden wir auch hier nicht bekommen. Resigniert fahren wir am nächsten Tag die nächste Stadt Resistencia an und hier haben wir mehr Glück. Bei Firestone will man uns helfen. Tatsächlich steigen diese Jungs so in die Hosen, dass wir am Abend mit neuen Stossdämpfern, neu geschweisster Felge, repariertem Hecklicht und Totalkontrolle entlassen werden. Es dauert viele Kilometer bis wir langsam wieder ein bisschen Vertrauen bekommen und so fahren wir durch bis kurz vor den Jamapass in Nordargentinien. Leider müssen wir noch registrieren, dass ein bereits geflickter Riss in der Windschutzscheibe wohl durch den Aufprall beim Unfall wieder zu laufen beginnt.

    Das nächste Übel beginnt in San Salvador de Jujuy. Die sonst von uns angefahrene Tankstellenkette YPS hat Lieferprobleme und folgedessen im ganzen Land keinen Diesel mehr. Unsere Tanks sind leer. So müssen wir bei Repsol für viel Geld beide Tanks füllen lassen, um über den 400 km langen Pass nach Chile zu kommen und dort nicht gleich den noch viel teureren Diesel tanken zu müssen. San Pedro de Atacama ist uns bekannt für überhöhte Preise. Wir klettern auf 3000 m, auf 4000 m, die Wolken ziehen sich zusammen. Es folgt ein heftiger Gewitterschneesturm und die Temperatur sinkt dem Nullpunkt entgegen.

    Hidalgo fängt an zu stottern, hat keine Kraft mehr und bleibt bald einmal stehen. Das auf über 4600 m im Sturm! Repsol hat die Gelegenheit genutzt und uns und wohl vielen anderen einen Dreckdiesel, verdünnt mit viel Wasser verkauft. Nach der Entleerung des Wasserabscheiders und zwei Dieselfilter später rollen wir in San Pedro ein. Als Krönung des Tages stehen wir noch schnell 4 Stunden am überfüllten Zoll, doch das war ein Klacks. Endlich können wir uns Nordchile anschauen!

  • 07 Feb 2012 /  Paraguay, Südamerika

    Reisepause in der grünen Hölle, 24.11.2011 – 12.2.2012

    Alle Paraguayer, alle Rosaleder haben uns gewarnt. Wir wussten es!

    Wir wussten, dass es hier im Chaco in der Regenzeit bis über 45° heiss werden kann; wir wussten, dass nach einem Regenguss Wolken von aggressiven Moskitos, die höchst tagaktiv sind, nur darauf warten, uns zu pisaken.

    Trotzdem sind wir hier und wollen sogar über 2 Monate lang bleiben. Warum also sind wir nach nur 4 Monaten schon wieder hier? Auch der Chaco hat seine Vorteile und er hat uns in seinen Bann gezogen. Es ist die nahezu unberührte Natur mit ihrer einzigartigen Flora und Fauna; es ist die nach Brasilien so sehr ersehnte Ruhe vor menschlichem Lärm. Es ist aber auch ein Ort, an dem wir die südamerikanischen Sommerferien abwarten können und dies erst noch Budget erholend.

    Wir mieten bei Uschi und Ändu ein Haus und richten uns ein. Von Ueli, dem ältesten Rosaleder bekommen wir sogar noch eine Motocross Maschine, damit sich auch Hidalgo ausruhen kann, denn, oh Schreck, wir haben eine gebrochene Felge. Toll, hier eine Alufelge zu finden, kann ja heiter werden.

    Die Tage, oder besser gesagt die Vormittage, danach wird es uns zu heiss, verbringen wir mit diversen Jobs bei Ernst. Bei ihm haben wir ja auch im Winter, im Juli gewohnt. Wir bauen Geflügelgehege, einen neuen Schweinestall, putzen, kochen, schlachten und metzgen, stutzen Truthahnflügel, kastrieren Ferkel und vieles mehr. Oder wir fahren ins nächste Dorf Filadelfia um einzukaufen. Hier muss der Einkaufszettel stimmen, sind es doch um die 2 Stunden Fahrt einen Weg. Man stelle sich vor, ein St. Galler fährt nach Bern um einzukaufen.

    Und wir warten auf ein jährliches, grosses Spektakel, den Beginn der Regenzeit. Früher als normalerweise üblich geht es los. Der Himmel verdüstert sich, die Wolken quellen in Übergrösse und mit der Abenddämmerung öffnen sich die Schleusen zu einem 12-Stunden Gewitter. 160 mm in wenigen Stunden, das ist für den trockenen Chaco schon ziemlich viel. Die Hauszisternen sind  danach bereits voll und es darf Wasser auch nur mal zum Spass gebraucht werden. Sonst absolut verboten hier. Füdliblut tanzen wir wie kleine Kinder in dem so willkommenen, kühlenden Nass.

    Am Tag danach beobachten wir, wie sich die Landschaft blitzartig verändert. Die braunen Gräser werden grün und wachsen über 10 cm am Tag. Blumen und Kakteen öffnen ihre Knospen zu wundervollen Blüten. In der Sukkulentenausstellung in Zürich stehen die Menschen Schlange, um eine „Königin der Nacht“ zu sehen. Wir schaffen hier dutzende in einer Nacht.

    Für uns aber die grösste Attraktion ist das Erwachen der Frösche und Kröten. Nach einem 9 Monate dauernden Trockenschlaf tief im Erdreich entsteigen dutzende Arten in Millionenzahl dem immer weicher werdenden Boden. Danach geht es erst richtig los. In jedem neu entstandenen Tümpel oder Pfütze wird nun mit den unterschiedlichsten Tönen nach Partnern gesucht. Die Zeit bis das Wasser verdunstet ist kurz, also nutzen sie diese. Ein ganz normales Quak hört man kaum. Es ist eine Orgie mit allen Geräuschen dieser Welt.

    Eine Art ruft mit einem an- und abschwellenden Heulton. Machen das mehrere hundert zusammen, hört sich das an wie ein Formel 1 Rennen. Dann gibt es die Rasierapparate, die Kettensägen, die Alarmanlagen, die Hupen und Tröten. Es gibt melodische Flöten oder nur ein tiefer Plopp. Alles zusammen ergibt ein nächtelanges Konzert, das jede brasilianische Musikanlage übertönen kann.

    Jeden Tag erwachen andere Kreaturen, vor allem aber die Insekten. Die Ameisen und Termiten haben Flugwetter in solcher Anzahl, dass ein Schwarm Schatten wirft. Es kommen Käfer, Rüssler, Heuschrecken, Libellen und weiss der Teufel was noch alles. Die meisten verlieren nach dem Hochzeitsflug ihre Flügel und versuchen dann ein neues Volk zu gründen.

    Übrigens: Obwohl eine Ameise je nach Art nur zwischen 1 – 5 mg auf die Waage bringt, wiegen alle Ameisen der Erde zusammen etwa gleich viel wie alle Menschen. Nur haben wir jetzt das Gefühl, alle leben hier im Chaco.

    Der Boden ist bedeckt mit Insektenflügel und überall beginnt das grosse Fressen. Die ganze Futterkette hat den Tisch reich gedeckt. Für Moskitos und Fledermäuse, Schlangen und Skorpione, Leguane und Echsen, Hasen, Rehe und Füchse, bis hin zum Puma und Jaguar ist üppig angerichtet. Von letzteren sehen wir wie gehabt immer nur die Spuren, gehen aber regelmässig auf die Pirsch für ein Fotoshooting.

    Da bricht z. B. eine Boa Constrictor in einen Hühnerstall ein, verschlingt 2 Hühner und ist danach viel zu dick, um wieder das Weite suchen zu können. 2 Wochen auf Diät braucht sie um ihr Idealgewicht zurück zu bekommen, damit sie sich wieder trollen kann. Oder unsere Hausvogelspinne. Die wird kurzerhand von einem grossen, weissen Skorpion angegriffen, getötet und ausgesogen. Auch der Besuch einer hübschen Korallenschlange auf unserer Terrasse war spannend.

    Weihnachten und Neujahr sind ebenfalls sehr speziell hier. Felix schlachtet mit Alois zu Heiligabend ein Schwein, das von Kaspi herrlich zubereitet wird. Franziska bastelt aus allerlei Zapfen und Früchten Weihnachtsdeko und schmückt unseren Christbaum, eine 4 m hohe Kaktee. Sylvester grillen alle zusammen beim alten Schulhaus bei gegen 40° am Abend und Felix, bald wie gewohnt, spielt auf zu Stimmung und Tanz. Leider nicht sehr lange, da sein Keyboard den Geist aufgibt. Mit einem mulmigen Gefühl nehmen wir am nächsten Tag das Elektronenteil auseinander und finden… einen Käfer, der sich mitten auf einer Elektronikplatine ein Nest gebaut hat.

    Ernst muss für einige Tage nach Asunción und so kommen wir zu einem Extrajob. Wir sollen die ganze Farm hüten. 60 Kühe und Rinder, 14 Schafe,  80 Truten, 6 Schweine, 6 Pfauen und viele andere Vögel sowie je 2 Katzen und Hunde. Erschwerend dazu kommt in der 1. Nacht eine Regenfront wie seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr. 220 mm in 10 Stunden. Nach den schon vor einer Woche gefallenen 165 mm. Das bedeutet hier in dieser weiten Ebene Land unter. Das Haus von Ernst liegt plötzlich auf einer Insel, die Erdstrassen stehen bis einen Meter unter Wasser. Ernst kann nicht wie geplant nach 3 Tagen zurück fahren und so müssen wir 5 Tage den Weg zur Farm zu Fuss durch den Moskito verseuchten Sumpf in Angriff nehmen.

    Wir schaffen alles und nach 4 Tagen ist auch das Wasser wieder soweit gesunken, dass alle normal funktionieren können. Beides war ein grosses Erlebnis. So z. B. sind wir Lebensretter: 5 Trutenküken konnten im Aufzuchtsgehege dem vielen Wasser nicht entrinnen und sind beinahe ertrunken. Wir fanden sie mehr tot als lebend im tiefen Schlamm. So haben wir sie unter fliessendem Wasser sauber gemacht und in Heu eingepackt. In der Trockenheit und der Wärme sind 4 Küken wieder zum Leben erwacht und 2 Tage später wieder quitschfidel ins Gehege entlassen worden. Nur ein einziges Tier ist den Fluten zum Opfer gefallen. Fast ein kleines Wunder.

    Dafür kommen wieder die Frösche in breiter Front. Wir sehen Kaulquappen in der Grösse von Felix‘s Hand. Und die unselig grausigen Skorpionswürmer, bis 20 cm lang, fühlen sich nach dem Regen auch pudelwohl, vor allem in den Häusern. Wie diese gefährlich stechenden Viecher, die mit den Skorpionen verwandt sind, in Schlafzimmer, Bad und Küche gelangen ist allen ein Rätzel. Wir kehren unser Haus von oben bis unten durch. Alles klar, die Luft ist rein. Denkste, plötzlich krabbelt wieder so ein Unding unter dem Bett hervor.

    Liebenswürdigerweise zeigen Rosie und Sämi Franziska etwas aus ihrer früheren Berufswelt. Sie darf die nigelnagelneue Behindertenwerkstatt besichtigen. Der Leiter zeigt stolz die freundlichen Räumlichkeiten, die Schreinerei und die Metallwerkstatt und beantwortet Fragen nach Personal, Arbeitsaufträgen, Finanzierung und weiss Interessantes zu berichten. Pädagogische oder psychologische Ausbildung hat kein Angstellter, auch das handwerkliche Rüstzeug wird aus der Erfahrung geholt. Dafür ist viel Geduld, eine liebevolle Einstellung und Fröhlichkeit spürbar. Die geistig behinderten Männer sitzen gemütlich draussen und formen Kugeln aus Ton. Frauen arbeiten in der hellen und grossen Küche oder sind in der Wäscherei trotz beträchtlicher Hitze beim Bügeln. Danach fahren wir auch noch in die Psychiatrie. Da Rosie 3 Jahre hier gearbeitet hat, dürfen wir überall reinschauen und uns mit dem Personal und den Patienten unterhalten. Franziska geniesst den Einblick in die sozialen Institutionen der Mennoniten und viele Ideen verhindern abends das Einschlafen. Viel gäbe es hier zu tun, Frühförderung oder sogar heilpädagogische Schulen gibt es hier nicht.

    Am 6. Februar findet statt, was vor einem halben Jahr sorgfältig eingefädelt wurde: Felix Tochter Nicla kommt für 6 Monate nach Rosaleda. Bei Ernst möchte sie mithelfen und sich während dieser Auszeit Ideen für die Zukunft holen. Wir freuen uns sehr, dass alles geklappt hat und kramen unsere Reiseführer  und Karten hervor. Langsam wird es Zeit zusammenzupacken und Hidalgo zu satteln.

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  • 25 Nov 2011 /  Brasilien, Südamerika

    Minas Gerais,  9.10. – 23.11.2011

    Vor knapp 6 Monaten haben wir bei den Geysiren in Bolivien auf 4600 m einen Österreicher kennen gelernt, der uns spontan zu sich nach Hause, in der Nähe von Belo Horizonte, eingeladen hat. Nun sind wir in der Gegend und wollen uns das nicht entgehen lassen. Wir freuen uns, wieder einmal mit jemandem zu sprechen, der uns versteht, da wir es aufgegeben respektive uns gar nie richtig bemüht haben, portugiesisch zu lernen. Kein einziges Wort wird hier nur annähernd so ausgesprochen, wie es geschrieben wird. Wir haben Dankeschön auswendig gelernt, das muss irgendwie reichen. Der Rest geht mit Händen und Füssen.

    Der grösste Bundesstaat Brasiliens ist die gebirgige Provinz Minas Gerais, übersetzt „Minen überall“. Diese Gegend ist reich an Bodenschätzen und Edelsteinen, welche im 18.Jh. grossen Reichtum brachten. Die Regionshauptstadt Belo Horizonte ist Ausgangspunkt für die Besichtigung diverser Barockstädtchen mit ihren zahlreichen goldverzierten Kirchen. Bevor wir Gunter und seine Frau Beatriz heimsuchen, stoppen wir für ein paar Tage in eben einem dieser Städtchen mit dem verheissungsvollen Namen Diamantina.

    Auf 1200 m klebt diese Stadt an  den steilen Hängen eines Hügels. Von Gunter bekommen wir aus dem Internet die perfekte Homepage eines Campings im Ort. Leider kennt hier kein Mensch diesen Platz, weder die Polizei noch die Feuerwehr. Alle sind sich sicher: sowas gibt es hier nicht. Auch das Zeigen der Page im Internet nützt nichts. So holpern wir diese kriminell steilen Steinplatten – Strassen rauf und runter, fragen hier und dort, werden fehlgeleitet oder vertröstet, bis uns endlich die glorreiche Idee kommt, bei der Telefonnummer auf der Page anzurufen. Und siehe da: kurz darauf stehen wir 10 Minuten vom Zentrum entfernt auf der anderen Talseite in einem Blumengarten und werden auf dem Camping Sao Pedro freundlich empfangen. Wir können nur hoffen, hier keine Feuerwehr oder Polizei zu benötigen…!

    Wirklich nett dieses Diamantina, mit seinen schmucken, bemalten Häusern, den verwinkelten Gassen mit Strassenkaffees und kleinen Läden. 50‘000 Menschen teilen sich hier über 15 Kirchen. Eine höhere Kirchendichte gibt es wohl nur noch in Ouro Preto. Dort gibt es eine Kirche, die mit 434 kg Goldstaub, das die Katholiken von den Indianern gebrandschatzt haben, verziert ist. Dieses von der UNESCO geschützte Städtchen besuchen wir aber erst später.

    Am folgenden Sonntag treffen wir in Alphaville auf einem Parkplatz Gunter, werden herzlich begrüsst und fahren zusammen zu seiner Dschungelvilla. Villa reiht sich hier an Villa. Das Geld verdient man in der 40 km entfernten Grossstadt Belo Horizonte, gewohnt wird hier. Nur mit Fingerprint und Ausweis kommt man an mehreren Sicherheitsleuten vorbei, in dieses mehrere km2 grosse, eingezäunte und stark bewachte Gebiet. Man ist unter sich, man fühlt sich sicher. Schon oft haben wir in Brasilien solche Anlagen gesehen. Offenbar ist das die Zukunft, um in Agglomerationen von Städten zu leben und der enormen Kriminalität auszuweichen. Wann werden wohl in der CH solche eingezäunten Siedlungen gebaut?

    Trotzdem ist es wunderschön hier. Wir bekommen auf der anderen Seite seines Baches, wirklich mitten im Dschungel das Gästehaus und schlafen seit 2 Jahren das 1. Mal nicht im Hiddy. Wir gehen Essen, besuchen Freunde und Sehenswürdigkeiten und Felix findet hier sogar Lust zum Zahnarzt zu gehen. Die ausgebissene Ecke eines Stockzahns muss geflickt werden und er bekommt für CHF 200.- ein perfektes Inlay.

    Gleich hinter unserem Häuschen entdecken wir ein Kolibrinest mit 2 Eiern. Kleiner und zierlicher geht es kaum mehr und wir würden gerne warten, bis die Jungen schlüpfen aber: Franziska fliegt morgen für 3 Wochen in die CH und Felix verzieht sich für diese Zeit zurück nach Diamantina.

    Für Franziska vergeht die Zeit in der Schweiz mit ihrer Familie und ihren Freunden im Fluge. Bei Felix nehmen diese 3 Wochen jedoch kaum ein Ende, trotz einiger Berg – und Klettertouren, Autoreinigung und mehreren Stadtbummeln. Die einzige (und völlig unnötige) Action ist, als gleich hinter dem Campingplatz vor den Augen von Felix, ein eifersüchtiger Gockel seine Frau erschiesst und mit dem 4. Schuss gleich noch sich selbst. Sobald die Polizei (sie hat den Camping nun doch gefunden!) bei der Befragung von Felix merkt, dass er kein portugiesisch spricht, wird der „Fall“ abgeschlossen, die Leichen weggebracht und man kehrt zur Tagesordnung zurück.

    Am 14. November gibt es auf dem internationalen Flugplatz von Belo Horizonte endlich unser Wiedersehen. Gemeinsam beschliessen wir, die Aufenthaltsbewilligung für Brasilien nicht zu verlängern, da wir beide von diesem extrem lauten Land genug haben. Brasilianer lieben Musik und Lärm in jeder Form. Sie lassen sich 24 Stunden am Tag damit berieseln und das in einer Lautstärke, die in jeder Disco in der Schweiz verboten ist. Sein Auto mit gigantischen Audioanlagen auszurüsten ist cool. Wir sprechen nicht von 100 oder 200 Watt. Hier baut man 2000 bis 5000 Watt Anlagen ein. Natürlich muss der Automotor beim Picknick weiterlaufen, damit die Batterie nicht in Sekunden leer ist. So haben wir mehrfach das Vergnügen, irgendwo an einem stillen See, manchmal mitten in der Nacht, oder wo und wann auch immer rücksichtslos in einer Disco Latino zu landen. Reklamieren nützt nichts, sie würden nie verstehen, dass uns Musik stört. So kann uns auch der schönste aller Strände in wenigen Minuten verleiden und wir flüchten an „ruhige“ Tankstellen.

    Wir sind uns bewusst, dass wir im Norden Brasiliens die schönsten Strände verpassen, haben aber keine Lust 1000e km innerhalb 3 Mt. zu fahren, um dann solche Szenen zu erleben, die in der jetzt beginnenden Hochsaison bestimmt eintreffen würden.

    Es bleiben nur noch wenige Tage bis unsere 3 Monate Brasilien abgelaufen sind. So nehmen wir mehr oder weniger die direkte Verbindung nach Westen zur Grenze von Paraguay. Danach soll es via Argentinien zurück nach Nordchile gehen. Wir hoffen im Chaco von Paraguay und in den Anden wieder ein bisschen Ruhe zu finden.

    Die Costa Verde zwischen Rio de Janeiro und Santos mit ihren herrlichen Stränden nehmen wir jedoch noch mit. Auch ist es doch etwas Besonderes für uns, mit dem eigenen Auto über die Copacabana in Río und durch das Gewusel einer der grössten Weltstädte wie São Paulo zu fahren.

    In Dourados nahe der paraguayischen Grenze suchen wir eine Toyotagarage, um endlich unsere Lenkung zu reparieren. Der Mechaniker schüttelt den Kopf: „nein, wir haben die Ersatzteile nicht, hier gibt’s keine Landcruiser.“ Glücklicherweise weiss er aber von einer Firma, die sich auf Getriebe und Hydraulik spezialisiert hat. Und tatsächlich! Unsere Servo wird kurzerhand ausgebaut, in ihre Einzelteile zerlegt, eines davon wird auf der Drehbank neu hergestellt, alles gereinigt, neu zusammengebaut, mit einer hochmodernen Maschine getestet, neu gespritzt und wieder eingebaut. Das Ganze dauert 7 Stunden und kostet uns 800 Schweizer Franken. Aber wie sind wir froh, dass Felix unseren Hiddy wieder problemlos um alle Schlaglöcher dirigieren kann!

    Wir verlassen dieses Land gerne, bekommt es doch auf unserer südamerikanischen Hitliste am wenigsten Punkte. Die Brasilianer sind freundlich und interessiert, laden uns ein, bekochen uns und wollen wissen, ob uns ihr Land gefällt, wir hatten keine einzige Polizeikontrolle, Fauna und Flora sind spektakulär. Aber die Distanzen sind riesig und führen tausende Kilometer über gerodetes Land mit Monokulturen, Campingplätze gibt es ausser an den Stränden kaum, vom wilden campieren wird dringend abgeraten und vieles ist überteuert.

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  • 12 Okt 2011 /  Brasilien, Südamerika

    Episoden aus dem Herzen Brasiliens, oder:

    Wie wir beinahe verdursteten, von Mangos erschlagen und zu Tode gefüttert werden. 25. 9.  – 8.10.2011

    (für Martin)

    Ca. 1500 km weiter östlich, ein paar 100 km nördlich der Hauptstadt Brasilia steuern wir eine Hochebene an, die uns Natur, klare Flüsse und Wasserfälle verspricht. Doch dazu müssen wir, wollen wir nicht auf schrecklichen Pisten rumpeln, auf die Nationalstrasse 153. Das ist die Hauptverbindung vom Grossstadtmoloch Saõ Paulo nach Belem, der Stadt an der Mündung des Amazonas. Sämtliche Güter, die von Süd nach Nord transportiert werden, rollen, da es in BR keine Züge gibt, auf dieser Strasse. Im Verhältnis 10 LKWs : 1 PKW ist das der pure Wahnsinn! Diese LKWs fahren nicht etwa einfach ihren Zielen entgegen, nein es ist ein ständiges, grosses Elefantenrennen. Geht es bergan, kriechen die 35 t Trucks im Schritttempo vor uns, um auf der anderen Hügelseite mit über 100 km/h im Leerlauf und ohne Sicht nach Vorne runter zu donnern. Hier heisst es für uns einfach nur: Anpassen und versuchen mit zu halten.

    Übernachtet wird, da sonst keine anderen Möglichkeiten, an den Tankstellen. Diese sind aber mit allem Komfort ausgerüstete riesige Versorgungsstellen mit Schattenplätzen, Restaurants, Duschen und allem, was so ein Fernfahrer braucht. Schafft man es, den ständigen Motorenlärm aus zu blenden, kann man hier sicher und gratis schlafen. Drei Mal hatten wir  bis jetzt dieses Vergnügen und es war auszuhalten.

    Der NP Chapada dos Veadeiros ist ein Schaufenster des einzigartigen Cerrado – Hochlands. Unter einem strahlenden Himmel tummeln sich Mähnenwölfe, riesige Ameisenbären und Nandus (südamerikanische Emus), während Canyons, Wasserfälle und Honigpalmhaine, die wie Oasen anmuten, sich zu einer sagenhaften Landschaft vereinen. So der Reiseführer.

    Die Wirklichkeit sieht etwas anders aus. Nur ein winziger Teil dieses Parks darf betreten werden und das nur wieder wie gehabt mit Führer auf einem 2 – stündigen Spaziergang auf breitem Weg zu  Canyons mit Wasserfällen. Mähnenwölfe, oder was auch immer, sehen wir so natürlich keine. Wir verstehen aber langsam, warum die Brasilianer geführt werden müssen. Die meisten dieser städtischen Touristen sind in der freien Natur schlichtweg überfordert. So unternehmen sie diese Wanderungen in blütenweissen Strandfähnchen mit Flipflops, müssen auf jede Bodenunebenheit oder tiefhängende Äste hingewiesen werden, um sich nicht zu verletzen. Sie füttern trotz Verbot die Fische mit Essensresten und würden vermutlich auch ihren Müll liegen lassen. Viele von ihnen können kaum oder gar nicht schwimmen und wir bestaunen teils verwundert, teils belustigt, wie sich junge Leute mit Schwimmwesten ausgerüstet im knietiefen Wasser tummeln.

    Obwohl diese Wasserfälle einen Schweizer nicht aus den Socken hauen, geniessen wir die Szenerien und das kühle Nass sehr und folgen unserer Führerin im Gänsemarsch.

    Etwas für die Statistiker:

    1. Oktober 2011 Wir sind nun genau 1 Jahr in Südamerika. In dieser Zeit haben wir 35‘400 km zurück gelegt. Trotzdem wir an vielen Orten recht lange geblieben sind und uns Zeit gelassen haben, ergibt das einen Tagesschnitt von 95,6 km. 4666,85 Liter Diesel haben wir dazu verbraucht, das einem Schnitt von 13,18 l pro 100 km entspricht. Der günstigste Diesel mit Fr. 0,48 pro Liter und der teuerste mit Fr. 1.56 haben wir, wen wundert’s beide Male in Bolivien getankt. Der Schnitt in allen Ländern, die wir bis jetzt bereist haben, liegt um einen Franken pro Liter. Wir haben 217 Nächte auf Campingplätzen, 62 Nächte wild und 85 Nächte auf privatem Grund verbracht. Franziska hat mit ihren Gourmetmenus, den Butterzüpfen und Weihnachtsguetzlis 50 Liter Gas verbraucht. Die höchste (4630 müM) war gleichzeitig auch die  kälteste Nacht (-18°). Die heisseste im Dschungel von Bolivien mit 31° .

    Auf der anderen Seite des Parks, in Cavalcante finden wir bei Beatriz und Fernando und Familie den herrlichen Camping Canto do Brasil und wollen hier auf eigene Faust die Gegend unsicher machen.

    Der Himmel ist bedeckt, die Temperatur um die 38° und wir befinden uns im Aufstieg zum Morro do Cruz. Wir wollen zum Gipfel mit super Rundsicht und dann auf der anderen Seite runter zum Fluss. Wasser haben wir wie auf jeder Tour genügend dabei. Kurz vor dem Gipfel bricht die Sonne durch, Schatten findet sich kaum. Franziska kann nur noch eine Pause mit viel Wasser vor dem Hitzschlag retten, während Felix die Strecke zum Fluss rekognosziert. Kein Problem, einfach runter durchs Gemüse, dann auf dem kleinen Weg nach rechts und zuletzt gerade durch den Busch zum Fluss. Doch bei diesem Busch gibt es kein Durchkommen. Vom Berg aus gesehen war es eine grosse Wiese mit lichtem Baumbestand. Unten nun stehen wir in hüfthohem Schilf mit Dornen, sehen keine 20 m weit und wissen von kleinen aber sehr giftigen Schlangen. Alles zurück zum Weg, weiter diesem entlang bis wir endlich eine Piste Richtung Fluss finden und dieser folgen. Einige km weiter stehen wir ziemlich aufgelöst vor einer Pousada (kleines Hotel) und können dort unser Wasser auffüllen. Auch den Fluss haben wir gefunden und kühlen unser kochendes Blut darin lange ab. So schnell kann es gehen, hätten wir wohl einen Führer gebraucht?

    Die nächste Attacke auf unser Leben kommt am Abend auf dem Camping, wo wir unter riesigen Mangobäumen im Schatten stehen. Unmengen Mangos hängen direkt über uns und schon in einem Monat sind die Früchte reif. Doch soweit soll es nicht kommen. Wie aus dem Nichts fegt ein trockener Sturm über 5 Stunden lang durchs Tal. Wir werden richtig gehend mit Mangos bombardiert. Mit der Überzeugung, der Baum dürfte wohl bald keine Früchte mehr tragen, und weil wir zu faul sind alles einzuräumen, wollen wir Hidalgo nicht verschieben und Felix baut sogar noch Polster auf die Solarpanels und Dachfenster. Es knallt schrecklich, wenn so eine harte Mango aus 15 m Höhe auf unser Dach fällt, doch dann ist der Spuck vorbei. Am Morgen danach stehen wir in einem Feld aus Mangos. Schade, das wäre ein Schmaus gewesen.

    Der Schmaus kommt aber schon am nächsten Tag. Wir werden von Beatriz zum Essen eingeladen. Es gibt Pequi, eine Spezialität dieser Region. Die ganze Familie sitzt zusammen und geniesst diese kleinen gelben Bollen mit Hühnchen und Reis. Eine grüne apfelähnliche Frucht wird halbiert und die bis Golfball grossen gelb/orangen Kerne entnommen. Diese müssen dann am besten mit Reis lange gekocht werden. Beim Essen heisst es vorsichtig die weiche Schicht vom Kern knappern, da im Kern selbst höchst unangenehme Stacheln zum Vorschein kommen. Entweder man liebt Pequi oder man hasst sie. Franziska liebt sie auf jeden Fall.

    Wir lernen auch andere Früchte Brasiliens kennen, wie z. B. die Cashew. Bei uns bekannt als Cashew-Nuss. Dass dies aber keine Nuss ist, und warum so teuer erfahren wir hier. Jede Frucht trägt nur eine  „ Nuss“. Die muss man erst von der Frucht trennen, die äusserst schmackhaft ist und dann lange, lange rösten. Schliesslich wird sie aufgebrochen und die eigentliche „Nuss“ kommt zum Vorschein. Die Frucht kennen wir bei uns nicht, da sie nicht transportiert werden kann und schon kurz nach dem Pflücken verfault. Wir essen sie haufenweise und trinken ihren herrlichen Saft.

    Langsam müssen wir nun weiter, da offensichtlich hier die Regenzeit beginnt.

    Muss man die Hauptstadt Brasiliens, Brasília gesehen haben, wenn man schon mal in der Nähe ist? Nachträglich finden wir: nein, das muss nicht sein. Unser Navi ist wegen den unzähligen Autobahnkreuzen total überfordert. Wir auch. Keine Wegweiser, keine Strassennamen, alles nur Ziffern und Nummern der vielen Quadranten, die den Regierungssitz in Form eines grossen Flugzeuges umgeben.

    Ende der 1950er- Jahre realisierte der damalige Präsident von Brasilien eine 130-jährige Idee. Er nahm seinen Stadtplaner Costa und den Architekten Niemeyer zur Seite und zusammen realisierten sie  innerhalb von 3 Jahren mitten in der unberührten Pampa eine neue Hauptstadt mit Regierungssitz, und zwar in der Form eines übergrossen Flugzeuges. Rund herum entstand bald eine richtige Stadt mit vielen Einwohnern. Man muss wohl Architekt sein, um diesen Betongebilden etwas abgewinnen zu können. Wir schiessen für unseren Architekten Lolo ein paar Bilder und ziehen fluchtartig weiter.

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  • 23 Sep 2011 /  Brasilien, Südamerika

    Im Pantanal 9.9. – 24.9.2011

    Ein weiteres von unseren grossen Zielen in Südamerika haben wir erreicht. Das Pantanal, das grösste Überschwemmungsgebiet der Erde ist ein an Vielfalt kaum zu übertreffendes Landschaftsmosaik aus Flüssen, Grassavannen, Seen, Sümpfen und tropischen Wäldern. In der Regenzeit wird das Pantanal weiträumig überflutet und nur die etwas höher liegenden Landflächen, die Cordilheiras, ragen dann wie Inseln aus dem Wasser. Wegen seiner aussergewöhnlich hohen Tier- und Pflanzenwelt wurde es 2000 von der UNESCO zum Weltnaturerbe und Biosphärenreservat erklärt.

    Trotzdem, für uns unerklärlich, gehört das 230‘000 km2 grosse Gebiet beinahe ausschliesslich privaten Grossgrundbesitzern. Und genau hier liegt für uns das Problem. Um Tiere und unberührte Natur zu sehen, muss man weg von den Pisten und Strassen, rein in die Wildnis, und das geht meistens nur, wenn man auf einer dieser Farmen (Fazendas) eine Tour bucht.

    Doch zuerst haben wir am Hidalgo einen weiteren kleinen Schaden. Der Luftkompressor, um die Reifen dem Strassenbelag anzupassen, gibt seinen Geist auf. Beim Autoelektriker, der den Elektromotor auseinander nimmt, finden wir den Übeltäter. Die Kupferspule löst einen Draht nach dem anderen ab und verklemmt sich. Auch ein Versuch, die abgerissen Drähte neu zu wickeln scheitert und so landet das Teil, es ist schon unser 2. auf dem Müll.

    In Miranda versuchen wir in der 250 km entfernten Stadt Corumbá ein Pontonschiff zu buchen, das uns mit Hidalgo den Rio Paraguaí in den nördlichen Pantanal hinauf schippern soll. Das wäre Abenteuer pur und wir würden viele Strassenkilometer sparen. Man verheisst uns, es würde klappen, das Schiff mit uns in 6 Tagen auslaufen.

    So haben wir jetzt 1 Woche Zeit, den südlichen Teil zu erforschen. Die Estrada Parque do Pantanal, eine Sandpiste mit über 87 zum Teil abenteuerlichen Holzbrücken, läuft quer durch die südlichen Sümpfe. Eine dieser Brücken genau in der Mitte der 120 km langen Strecke ist leider von der letzten Flut so stark beschädigt, dass man nur von beiden Seiten in die Estrada Parque hinein fahren, sie aber von Ost nach West nicht durchqueren kann. Wir nehmen die östliche Stichstrasse bis es nicht mehr weiter geht und finden beim Ecological Expeditions Camp einen Schlafplatz. Von da unternehmen wir verschiedene Touren.

    Hier wimmelt es von Kaimanen. Wir sehen allerlei Vögel in grosser Zahl. Auch Brüllaffen, Capivaras und vor allem zum ersten Mal die Hyazintharas, die grössten Papageien überhaupt und nur hier vorkommend. Auf einer Lodge fressen Sie uns sogar aus der Hand. Sehr schwierig erweist sich hier das Piranhas fischen, denn 2 mal haben wir ein Kroko an der Angel. Ein grosser Kaiman ist von der Schwimmerkugel so fasziniert, dass er sie dauernd verfolgt und fressen will.

    Wir sitzen an einem Wasserloch und hören dem Schauerlärm der Brüllaffen zu, sehen ein halbes Dutzend Eisvögel nach Fischen tauchen und ab und zu streift ein Papagei über uns hinweg. Der Duft des Dschungels überwältigt uns. Die Mischung aus verschiedensten süssen Blüten, Tieren, stehendem Wasser und Moder hängt schwer in der heissen Luft und berauscht uns regelrecht.

    Auf der westlichen Stichstrasse fahren wir nur die 50 km bis Porto Da Manga am Rio Paraguaí, denn schon am nächsten Tag müssen wir in Corumbá am Hafen sein.  Hier verabschieden sich Ruth und Walter von uns. Die beiden wollen zuerst noch einen grossen Abstecher nach Bolivien machen. Vielleicht sehen wir sie irgendwann, irgendwo wieder.

    Am Hafen in Corumbá die grosse Endtäuschung. Unser Boot, warum auch immer, fährt nicht nach Porto Joffre hinauf. So suchen und fragen wir weiter nach einer Möglichkeit. Einer würde auf der Stelle mit uns auslaufen, wenn wir den Preis von  US$ 1200.- bezahlen, anstatt den vom ersten Kapitän verlangten 400.-. Dann halt nicht, wir fahren mit dem Auto hoch.

    Da wir ja jetzt keine Termine mehr haben, fahren wir zurück in die östliche Stichstrasse und finden auf der Fazenda Xaraes einen herrlichen Platz, um ein wenig zu bleiben. Und hier haben wir wieder einmal das grosse Los gezogen. Mitten auf einer grossen Buschlichtung, umrandet vom Rio Abobral, im Schatten eines grossen Baumes, direkt neben dem Swimmingpool und Grillplatz dürfen wir uns für einen „symbolischen“ Preis einrichten. Perfektes WIFI und jede Menge zu sehen und zu tun.

    Wir machen einsame Buschwanderungen oder ziehen lautlos im Kanu inmitten dutzender Kaimanen auf einem See dem Sonnenuntergang entgegen. Es ist einfach nur schön. Eines Abends, Freude herrscht, stossen Olivia und Lolo zu uns, mit ihnen haben wir ja schon in Bolivien GZ, SZ gehabt. Dies ist nun aber auch schon 3 Monate her und es gibt wieder viel zu quatschen. Da sie im November in Buenos Aires aufs Schiff zurück in die CH müssen, halten sie sich ab jetzt nur noch südlich. Wir hingegen nehmen die seitliche, sehr schlechte und sehr lange Piste um die Sümpfe in den Nordpantanal. Wir wollen endlich einen Ameisenbären sehen. Glück auf! Da diese grossen Ameisenbären schlecht sehen und hören und der Wind für uns aus der perfekten Richtung kommt, gibt es eine geniale Fotosession. Bis auf 2 m kommen wir ran und das über 30 Minuten.

    Im PN Chapada dos Guimarães auf dem Hochplateau das über dem Pantanal thront, und deshalb, Gott sei Dank einiges tiefere Temperaturen hat, unternehmen wir wie gehabt nur diese Touren, die wir ohne Führer dürfen. Wunderschön und spektakulär die Aussicht von der Abbruchkante dieser uralten tektonischen Erhebung. Wasserfälle und klare Flüsse, in denen wir uns abkühlen, Aussichtspunkte, der geografische Mittelpunkt Südamerikas und ein nettes Dorf. Hier haben wir unseren neuen Hitzerekord in der Kabine. 42° stöhn!!!

    Das Pantanal am Ende der Trockenzeit ist absolut sehenswert. Um tiefer in die Sümpfe eindringen zu können, müsste man aber ein um einiges leichteres Fahrzeug haben. Spannend wäre, das Ganze in der Regenzeit mit einem kleinen Boot zu bereisen oder längere Zeit mit einem indigenen Führer auf die Pirsch zu gehen. So hat uns Hidalgo seine Grenzen gezeigt, die aber schon ziemlich hoch gesteckt waren.

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