• 02 Jun 2011 /  Bolivien, Südamerika

    Sucre, La Paz und dann Dschungel, 28.4. – 13.5.2011

    Wir verlassen die Wüste Richtung Nordosten und kommen, da zwischenzeitlich die Strasse zu 70% asphaltiert wurde, schon bald in der Minenstadt Potosí an. Uns erscheint es nicht besonders erstrebenswert, die einst reichste Stadt des Kontinents und heute noch höchste Stadt der Welt zu besichtigen. Sie liegt auf 4070m am Fuss des Cerro Rico. Diesem „reichen Hügel“ verdankt sie ihre Gründung im Jahre 1545, denn damals entdeckten die Spanier seine ergiebigen Silberadern, die heute aber praktisch ausgebeutet sind. Wir tanken bloss und fahren weiter nach Sucre, das der Verfassung nach die Hauptstadt und gleichzeitig schönste Stadt Boliviens ist.

       

    Uns gefällt sie auf Anhieb und wir finden im Hotel Austria auch einen gemütlichen und ruhigen Innenhof um zu campen. Mehrmals durchqueren wir zu Fuss diese echt reizende Stadt mit ihren zahlreichen, restaurierten Kolonialbauten, farbigen Märkten und weiss gestrichenen Kirchen. Auch buchen wir hier eine Touritour ins 63 km entfernte Dorf Tarabuco, wo jeweils sonntags die Tarabuqueños Markt halten. Ihre Tracht gehört zu den eigentümlichsten des Landes. Zum roten Poncho werden Lederhelme und Holzschuhe getragen.

       

    Ein Fotosujet jagt das Andere. Möchten wir jedoch ein „offizielles Foto“ schiessen, müssten wir tief in die Tasche greifen. Die Einheimischen wissen hier genau, wie mit Touristen umzugehen ist.

       

    Am 2. Mai verlassen wir diese schöne Berglandschaft und erreichen 2 Tage später auf guter Strasse die grösste und verrückteste Stadt Boliviens, La Paz.

    Unterwegs, in einem kleinen Dorf mit 15 Hütten, werden wir herzlich eingeladen einem Fest zu Ehren des Dorfheiligen San Sebastian mit viel Bier und Cocablättern beizuwohnen. Da die meisten Dorfbewohner selber zu Akteuren geworden sind, gibt es ausser uns kaum Zuschauer. Uns fällt hier zum wiederholten Mal auf, dass Bolivianer anders sind als die Argentinier oder Chilenen. Sie sind spontan, offen, gastfreundlich, liebenswert und interessiert.

       

    Wir wären gerne die schlechte Piste über Santa Cruz und Cochabamba gefahren, jedoch haben wir uns das mit den 3 abgebrochenen Kühlerflügeln nicht getraut. Aus diesem Grund steuern wir auch zuerst in La Paz die unter Overländern bestens bekannte Garage von Ernesto Hug an. Er soll Hidalgo wieder auf Vordermann bringen.

    Kurz vor der Stadt verpassen wir die richtige Ausfahrt und geraten so direkt nach El Alto, der riesigen Agglomeration von La Paz. Wir haben zwar die GPS-Koordinaten aber keine Karte oder Wegführung auf dem Navi zur Garage. So kämpfen wir uns der Luftlinie nach quer durch Gassen und Gässchen, Märkte und steilste Strassen und fahren ohne uns zu verirren direkt bei Ernesto vor.

    Die Stadt selbst ist in einem Talkessel eingepfercht zwischen riesigen Gebirgen und vom untersten bis zum obersten Viertel liegen ganze 1400 Höhenmeter. Unglaublich!

       

    Für die Reparaturen werden wir uns noch 6 Tage lang vertröstet, da die Garage Hug völlig ausgebucht ist. So beziehen wir 500 Höhenmeter weiter unten im Stadtteil Mallasa im Hotel Oberland Quartier. Wir werden von Walter Schmid, einem Schweizer und seit 14 Jahren Besitzer des Oberlands herzlich begrüsst und treffen hier jede Menge Gleichgesinnte. Vor dem Hotel gibt es Platz für ca. 15 Wohnmobile, die praktisch das ganze Jahre durch belegt sind. Das Oberland ist DER Treffpunkt für Fernreisende in Bolivien und bald wissen wir auch warum. Ein sicher Platz in Zentrumsnähe mit Käsefondue, Zürigeschnetzeltem, Chateaubriand, Nüsslisalat, einfach allem, womit man sich gerne wieder einmal verwöhnen lässt. Und dann die Preise!!!! 6 Nächte mit Pool, Strom, WIFI, 2 x Chateaubriand, 4 x Fondue, 4 weitere Essen, 7 kg Wäsche waschen lassen insgesamt für CHF 192.-. Bolivien ist das günstigste Land Südamerikas. Ein feines 3-Gangmenu in der Stadt bekommt man für 2 Franken und 30 Min. Taxi fahren kosten gerade mal 5.-. Toll! Wir spazieren durchs Valle de la Luna, durchstreifen den Hexenmarkt mit seinen Kräutern, Glücksbringern und getrockneten Lamaembryos, trinken frische Fruchtsäfte, kaufen eine Pachamama, bewundern geometrische Blumenrabatte, tauchen in Menschenmengen ein und kaufen im Supermarkt Haribo Gummibärchen.

      

    Hier treffen wir auch wieder mit Olivia und Laurent zusammen, mit ihnen wollten wir eigentlich die Lagunenstrasse fahren. Leider hatten sie in Uyuni an ihrem VW-Bus einen kapitalen Getriebeschaden, mussten den Wagen über 500 km nach La Paz schleppen lassen und hoffen nun hier die defekten Teile tauschen zu können.

      

    Wir wollen auf die beiden warten, aber nicht hier in dieser Megacity mit allem, was wir eigentlich nicht so gerne haben wie Lärm und Abgase vom schlimmsten.

    Nach 9 Tagen (2 Nächte davon in der Garage), Hidalgo ist wieder 100% fit und hat sogar für wenige Bolivianos neue Reifen bekommen, zieht es uns in den Dschungel.

    Direkt über La Paz auf dem 4600 m hohen Pass Abra La Cumbre bricht der Altiplano plötzlich steil ab. Von hier geht es nur noch runter. Runter in den grössten Dschungel der Welt, in die Yungas, ein Teil Amazoniens.

    Wir wollen die gefährlichste Strasse der Welt dafür nehmen, aber bei Nebel und strömendem Regen verschieben wir das auf die zwingende Rückfahrt. Jedoch nur 60 km weiter mündet die neue Strasse wieder in den Camino de la Muerte und ab hier wird es wirklich gefährlich. Nicht weil rechts Felswände in den Himmel ragen und links bodenlose Abgründe klaffen, nicht weil die Piste kaum breiter ist als eine Fahrzeugspur und Linksverkehr herrscht, …

       

    Auch die unbefestigte, meist nasse Abbruchkante beeindruckt uns nach dem was wir schon erlebten nicht wirklich. Gefährlich ist hier der grosse Gegenverkehr, der von unten kommend absoluten Vortritt geniesst. Die Truck- und Taxifahrer machen davon rücksichtslos Gebrauch und speeden uns mit irrem Tempo entgegen. Wir haben oft beobachtet, dass Busfahrer sich vor der Abfahrt 3 -5 x bekreuzigen, einen frischen Ballen Cocablätter in den Mund schaufeln und los geht die wilde Fahrt. So bestärkt wird ja wohl nichts passieren können. Hunderte sind so auf dieser Strecke schon in den Tod gerast. Mit unserer neuen, lauten Hupe und Geduld haben wir auch das geschafft und sind 2 Tage später, bei 24 Std. reiner Fahrzeit für 400 km in Rurrenabaque in den Tropen angekommen.

      

    Dieses Dorf liegt direkt am Fusse des letzten Hügelzugs der Anden und am Ufer des Rio Beni. Danach folgt die unendliche Ebene des Einzugsgebiets des Amazonas. Vor 20 Jahren hat sich hier ein Schweizer Ingenieur ein grosser Stück Dschungel gekauft und mit der Zeit eine hübsche kleine Hotelanlage mit Pool gebaut. Er selbst wohnt oberhalb in seinem selbstgebauten Haus namens „Ufo über den Wolken“. Hier wollen wir uns häuslich niederlassen und die nächsten Wochen bleiben.

       

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  • 04 Mai 2011 /  Bolivien, Südamerika

    Die Lagunenroute 19. 4. – 27. 4. 2011

     

    Um uns an die grosse Höhe zu gewöhnen, verbringen wir mehrere Tage im Städtchen San Pedro de Atacama auf 2500 m. Wir unternehmen verschiedene Touren in die Wüste, schlafen dort und baden in den Salzseen.

      

    Dann bringen wir Hidalgo so in Schuss, dass er, so hoffen wir, die Lagunenroute überleben wird. Am 23. April, alle Tanks sind voll, die GPS-Eckdaten programmiert, reisen wir aus Chile aus. Nach der Grenze, immer noch auf chilenischem Boden, folgen wir der Jamapassstrasse, die sich mehr oder weniger schnurgerade über einen Lavaberghang bis über 4800 m hinaufzieht. Von dort sehen wir in weiter Ferne den bolivianischen Zoll, den wir aber erst Morgen ansteuern werden. Wir verbringen den ganzen Tag mit Stricken und Keyboard spielen, um uns weiter anzuklimatisieren. Für die Nacht rollen wir wieder auf 3700 m zurück. Es schläft sich erheblich besser hier.

      

    Noch vor Sonnenaufgang nehmen wir die steile Rampe zum 2. Mal in Angriff und stehen genau um 08.00 Uhr beim Zollhaus von Bolivien. Es ist bitterkalt und die Zöllner schlafen noch tief in dieser eher improvisierten, uralten und verwahrlosten Hütte auf 4700 m. Endlich um 09.15 öffnet sich die Türe und wir Personen bekommen unsere Stempel in die Pässe. Die Fahrzeugeinfuhr kommt erst in ca. 80 km auf 5026 m. ü. M. Staun!!! Da heute Ostersonntag ist, bekommen die freundlichen Beamten von uns ein paar Schoggieier und so sind wir nach kurzer Zeit unterwegs zur 1. Attraktion hier oben, der Laguna Verde.

      

    Um uns nicht zu wiederholen, erwähnen wir es jetzt als Zusammenfassung für die ganze Route: Die nächsten Tage werden wir nie mehr unter 4300 m sein. Strassen oder befestigte Pisten gibt es hier keine mehr. Man fährt in den Spuren der letzten Fahrzeuge oder sucht sich seinen eigenen Weg mit GPS. Das kann heissen, man hat entweder ein 2 km breites Wellblech extrem, oder ein 2 m breites Flussbett vor sich. Sehr hohe Bodenfreiheit und Allrad sind unerlässlich, will man nicht in der schlimmsten Vorgängerspur holpern. Spuren gibt es hunderte, aber welche ist die Richtige? Auf jeden Fall ist es immer das Übelste, was man Mann und Maschine zumuten kann.

      

    Genau zur rechten Zeit erreichen wir die grüne Lagune. Von einer Anhöhe aus sehen wir vor uns einen grauen See. Doch plötzlich, immer um ca. 11.00 Uhr, erscheint im Wasser ein türkisenes Dreieck, das immer grösser wird. Mehrere solche Flecken fliessen zusammen und verändern die Farbe, bis der ganze See in einem satten Smaragdgrün vor uns liegt. Umwerfend schön.

      

    Highlight 2 ist die Lagune Salada mit der Therme Polques. Hier geniessen wir ein heisses Bad in der vulkanischen Süsswasserquelle. Bitter nötig, da wir den ganzen Tag in unserer eigenen Staubfahne gefahren sind.

      

    Der folgende Morgen ist hart. Wir haben innen um die Fensterrahmen 5 mm dickes Eis und dürfen die Dieselstandheizung nicht einstellen. Sie würde in dieser Höhe auf der Stelle komplett verrussen. Nur dank der trockenen Luft, der Hydrometer zeigt 0 % an, haben wir keine Eiszapfen ums Bett. Schnell ins Auto und fahren, dann wird’s wärmer.

      

    Tiefblauer Himmel, klarste Luft und rundherum schneebedeckte Vulkane und 5000er. So erreichen wir die schon von weitem sichtbaren Geysire Sol de Mañana. Hier lassen wir einfach die Bilder sprechen:

      

      

    Danach schrauben wir uns auf 5025 m hinauf, zu einer Boraxfabrik. Hiddy bekommt hier von äusserst zuvorkommenden Beamten mit PC und Internet seine Einfuhrbewilligung. Man nutzt hier die Infrastruktur dieser Fabrik. Dass wir eigentlich am Ende der Welt sind, fällt hier oben kaum auf. Hidalgo qualmt, wir keuchen und suchen uns so unseren Weg zur Laguna Colorado.

      

    So etwas wunderschön Kitschiges haben wir in der Natur noch nie gesehen: Rosarote, violette, blaue Lagune mit weissschimmernden Boraxinseln, und Tausenden von Flamingos. Sattsehen ist unmöglich! Den ganzen Tag sind wir am Spazieren, Fotografieren und wir übernachten gleich direkt am Ufer.

      

    Felix findet sogar wieder eine kleine, heisse Quelle für die körperliche Reinigung. Es ist alles kaum beschreibbar. Wäre die Kälte in den Nächten nicht unter – 10°C würden wir hier noch lange bleiben.

      

    Weiter geht es über die Lagunen, Ramadita, Honda und Hedionda und dann biegen wir „leider“ auf eine nicht übliche Route rechts ab, Richtung Villa Aloto.

      

    Kaum mehr fahrbar quälen wir uns über Berge und durch Flüsse und kommen viele Stunden später auf die Verbindungspiste nach Uyuni.

    Unterwegs hat Felix, wie schon einmal in der Sahara, beim Pinkeln einen Crocs verloren und Hiddy vermutlich bei einer tiefen Flussdurchfahrt 3 Blätter seines Kühlerpropellers. Echt blöd! Abhilfe vermutlich erst in La Paz.

    Am nächsten Abend stehen wir geschafft und total zufrieden am Ufer des Salar de Uyuni, und ……. der „(=^*£ä¨<°§ç;$£“*ç`^)“ hat immer noch viel zu viel Wasser über dem Salzgrund. Die Touristengeländewagen fahren trotzdem durch, wir wollen jedoch Hiddy das Salzbad nicht zumuten und verlegen die Salardurchquerung dann halt auf später im Jahr.

      

    Wir haben die Lagunenroute trotz extremer Widrigkeiten als eines der grössten Highlights empfunden, seit wir unterwegs sind. Genauere Infos, wie Schlafplätze, GPS, usw. geben wir gerne weiter.

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  • 19 Apr 2011 /  Chile, Südamerika

    Der kleine Norden 27. 2. – 14. 4. 2011

     

    Es ist der 27. Februar, wir reisen zum 6. Mal in Chile ein. Auf dem Weg vom Paso Agua Negra nach La Serena, einer grossen Küstenstadt, biegen wir noch ins Valle Elqui ab, um einen ruhigen Schlafplatz zu finden. Das Elquital ist berühmt für seinen Weinanbau. Beinahe unmöglich erscheint es uns, mitten in dieser Gebirgswüste ohne Wasser im steilsten Gelände Trauben zu kultivieren. Und was für Trauben, so süss und fruchtig wie noch nie probiert. Weit hinten im Tal im Örtchen Pisco Elqui wird der gleichnamige Schnaps, ähnlich wie Grappa hergestellt. In dieser Gegend regnet es so gut wie nie. Die einzige Feuchtigkeit kommt durch den morgendlichen Nebel, der entsteht, wenn sich die warme Wüstenluft nachts über dem kalten Meer kondensiert.

    Hier gibt es auch die grösste Ansammlung von Observatorien, denn nirgendwo ist der Himmel an 350 Tagen und Nächten im Jahr so klar wie hier.

      

    Wild zu stehen ist hier in diesem engen Tal unmöglich und was wir hier wieder an überfüllten Campingplätzen antreffen ist grauenvoll. Doch nur noch 24 Stunden, dann sind auch hier in Chile die Ferien vorbei.

    Tatsächlich: auf dem Camping Glarus in Paihuano, geführt von der Enkelin eines Glarners der vor 60 Jahren ausgewandert ist, leert sich der Platz ab Sonntagnachmittag schlagartig und wir stehen praktisch alleine in dieser herrlichen Oase. Hier verbringen wir ein paar gemütliche Tage, baden im kalten Fluss, und geniessen die vielen wundervollen Früchte, die direkt vor unserer Tür im Überfluss reifen.

    Nach der spanischen Privatführung mit Degustation durch die Piscodestillerie, (morgens um 11.00 Uhr schon betrunken) ist das nächste Ziel die Stadt Vicuna. Wir wollen in einem der vielen Observatorien Sterne gucken gehen. Da die Sternwarte Mamalluca erst um 22.30 Uhr öffnet,  haben wir noch den halben Tag Zeit. Wir stehen verbotenerweise auf dem reservierten Parkplatz des Richters, direkt an der Plaza de Armas (parkähnlicher Dorfplatz) und beobachten das bunte Treiben. Dann geht es im Konvoi zum Observatorium und Hunderte von Touristen werden im 2 Stunden Takt die halbe Nacht durch diese doch eher spärliche Sternwarte geführt. Das einzige Fernrohr ist kaum stärker als unser alter Feldstecher, wir lernen aber viele neue Sternbilder kennen und bekommen Infos über das Universum, z.B. dass Syrius 200 x grösser als unsere Sonne und der hellste Stern am südlichen Himmel ist, oder je roter ein Stern leuchtet, desto älter ist er.

      

    Um ein professionelles Observatorium zu besuchen müsste man sich schon Monate im Voraus anmelden. Nun ja, dafür durften wir dann auch gleich direkt vor der Kuppel schlafen.

      

    Ab an die Küste. Wir suchen und finden bei Lipigas unser Propan/Butan Gemisch, bestellen bei Toyota verschiedene Ersatzfilter und quartieren uns in Tongoy  auf dem Camping Ripipal direkt an der Beach ein. Franziska fliegt ja in 3 Wochen für 21 Tage ab Santiago in die CH, um die Familie zu sehen und den Kniedoktor zu besuchen. Also tranquillo, gemütlich, easy. Spazieren, sünnele, fischen, frische Meeresfrüchte essen und sogar wieder einmal in ein Restaurant gehen. Felix will unbedingt ein Wienerschnitzel mit Pommes, hier genannt Milanese y papas fritas. Wäääk, die Hunde freut‘s und wir kochen die nächsten Monate wieder selber.

      

    Am 10. März, es dauert immer nach 12 Tage bis zum Abflug von Franziska, brechen wir nach Los Molles 230 km Richtung Santiago auf. Dort hat Giorgio, ein Tessiner, ein Strandrestaurant genannt El Pirata Suiza und man könne dort gut stehen. Giorgio, ein herzlicher, strickender Plauderi stellt uns gleich alles frei zur Verfügung. Leider hat er kein hübsches Plätzchen für uns. Gemütlich vor dem Auto zu sitzen ist nicht möglich und der Innenhof ist die Toilette seiner Riesendogge. Wir bleiben trotzdem, da die Gegend wunderschön ist und wir so sehr willkommen. Abends sitzen die Restaurantgäste im Stübli vor dem Cheminée, Giorgio der Pirat strickt und hält Hof.

      

    Vier seiner Gäste sind Bolivianer, die, als wir nach Hause wollen, mit Handschellen am Hiddy stehen und massiv vom chilenischen PDI (FBI) verhört werden. Später wird das Auto dieser Jungs auseinander genommen und die Beamten finden sage und schreibe über 40 kg Kokain. Toll!

      

    Eine Nacht im Tsunamifieber:

    Wir bekommen Meldungen und Warnungen aus Europa. Von Japan käme ein Tsunami auf die Küste Südamerikas zu. Natürlich ist die „La Ola“ auch hier in Los Molles in der Bevölkerung das Tagesthema überhaupt. Das erste was wir mitbekommen, die Fischer ziehen ihre Boote über den Strand landeinwärts. Die Behörden melden eine ungefähre Ankunftszeit um 18.00 Uhr. Hidalgo steht sicher in einer geschützten Bucht und wir machen uns auf, die Bucht zu umgehen, um zum äussersten Zipfel der Küste zu gelangen. Einen Tsunami! Nicht dass wir eine Katastrophe wollen, aber wenn schon eine Riesenwelle kommt, wollen wir sie sehen. (Wir sind nicht unsensibel, aber zu dieser Zeit hatten wir keine Ahnung, was Schreckliches in Japan passiert ist)

    Auf einer ca. 70 m hohen Klippe sitzen wir bei herrlichem Wetter und harren der Dinge. Nein, es ist kein Harren. Das Naturschauspiel hier oben ist grandios. Vor uns ein weisser Felsen. Weiss vom Kot der vielen Kormorane, Geier und Pelikane. Rundherum dutzende, schreiende und vor allem stinkende Seelöwen. Draussen im Tiefwasser tummeln sich die Wale.

      

    Kawummmm! Plötzlich ein Knall, dann ein Fauchen laut und tief wie von einem Riesendrachen. Was war das? Es kam nicht vom Meer?

    10 m links von uns, 70 m über dem Meer endet ein kleiner Schlot im Fels mit Direktverbindung nach unten ins Wasser. Bei jeder Welle wird das Meerwasser mit ungeheurem Druck nach  oben ins Freie gepresst. Unglaublich spektakulär.

      

    Der Tsunami ist Gott sei Dank nicht gekommen und wir gehen mit dem Sonnenuntergang zurück ins Dorf. Dort eine grosse Hektik. Überall Polizei mit Blaulicht und Megaphon. Evakuation der ganzen Küste von Chile.

    Obwohl die Welle auf Hawaii „nur“ noch 2 m hoch war und noch viele 1000 km bis hier zurücklegen muss, wir sehr geschützt stehen, ….und weil wir nur einen Hidalgo haben, entscheiden wir uns, auch höhere Gefilde zu suchen. Wir finden zwischen Häusern, 50 m direkt über dem Meer einen ungefährlichen Platz, um alles beobachten zu können. Die Welle ist jetzt auf 24.00 Uhr angesagt.

    Doch daraus wird nichts, die Polizei räumt das ganze Dorf. Wir sollen über die Autobahn auf den Hügel zu den Anderen. Nur dort ist man sicher. Und tatsächlich, auf dem Hügel unweit vom Dorf mit Sicht auf den Strand, sieht es aus wie in einem Flüchtlingslager. Das ganze Dorf ist hier versammelt und macht sich für eine lange Nacht bereit. Omis werden von der Polizei angeliefert und ohne Nichts abgestellt. Wir bringen ihnen unsere Stühle, Wolldecken und Kaffe.  Draussen ist es dunkel und kühl geworden, die ersten Feuer werden entfacht, die Kinder verziehen sich in ihre Zelte und alle sind guter Dinge. Wir fragen noch, ob jemand etwas braucht, wie Tee oder Kaffee usw. und verziehen uns in unser Heim. Franziska serviert kurz darauf eine Megaportion Crevetten Cocktail in frischen Avocados.

    Hier merken wir wieder, dass Südamerikaner anders ticken. Stellen wir uns vor, Schweizer müssten mit diesem Damoklesschwert Tsunami leben und hätten bis zu ihrer Evakuation über 12 Stunden Zeit. Jeder hätte ein Zelt, Schlafsäcke, Essen, Trinken, einfach alles dabei, um eine Nacht unter den Sternen zu verbringen. Die Chilenen haben nichts, überhaupt nichts mitgenommen. Sie frieren, haben Hunger und Durst. Das mindestens einmal im Jahr. ???

    24.00 Uhr ist längst vorbei, nichts geschah. Um 02.00 sind wir zu müde um aufzubleiben und gehen ins Bett. 06.00 Uhr… wo ist dieser Tsunami? 08.00 Uhr, Entwarnung. Alle gehen glücklich und müde nach Hause. Wir nehmen 4 Signoras mit ins Dorf und sehen, dass der Strand nur wenige cm höher nass ist als am Tag zuvor.

      

    Wir sind jedoch immer froh von euch Warnungen zu bekommen, wir stehen ja nicht immer wenn Gefahr droht mitten in einem Dorf mit allen Kommunikationsmitteln.

    Die Tage vergehen. Einmal machen wir einen Ausflug an die südliche Küste, die Goldküste der Reichen von Santiago. Alles in Privatbesitz, Häuser so selbst im Tessin nicht gesehen. Hier stinkt es geradezu nach Geld. Campingplätze gibt es keine, man will unter sich bleiben. Aber ausser in den Sommerferien (Januar und Februar) steht hier alles leer.

    Am Tag der Abreise von Franziska lernt Felix noch den Chef des Tauchclubs kennen und ist kurz darauf mit ihm weit draussen im kalten Pazifik. Freier Abstieg im Big Blue zu einem Felscanyon. Genial, ganz etwas anderes als im Tropenriff. Es wimmelt von Leben. Krebse, Krappen, Garnelen, Fische, 15 m hohe Kelpwälder und am Boden Millionen von Seesternen. Auch viel schöne Nacktschnecken. Das Ganze bei sehr hohem Wellengang. So sind wir in wenigen Sekunden mal auf 17 m Tiefe dann auf 5m. Der Tauchcomputer dreht im Roten, meldet Alarm und macht auf Panik und wir Druckausgleiche ohne Ende. Leider können wir keinen Seelöwen sehen, die es hier in grosser Zahl gibt. Das nächste Mal. Am Abend fährt Giorgio Franziska nach Santiago und am nächsten Tag auf den Flugplatz.

      

    Felix zieht es zurück an den schönen Strand von Tongoy. Er hat Grosses vor. Hidalgo soll innen und aussen komplett gereinigt und überholt werden. Alles kontrollieren, Schrauben anziehen und vieles mehr. Er will viel Sport treiben und lange Wanderungen machen.

    Doch auch der schönste, einsame Strand wird mit der Zeit langweilig. Es wird Zeit weiter zu ziehen.

    Franziska hat in der Zwischenzeit die Schweiz in allerschönstem Frühlingskleid genossen, viel Zeit mit der Familie und Freunden verbracht und viel Nützliches für die Weiterreise eingekauft.

    Der liebe, strickende Schweizer, der versprochen hat, Franziska vom Flughafen abzuholen und nach Los Molles zu bringen, hat versagt und sich nicht mal abgemeldet. Franziska fackelt nicht lange, fährt mit dem Taxi in die City von Santiago und nimmt den Bus direkt zu Felix. So können wir uns endlich nach 24 Tagen am 13. März wieder in die Arme nehmen. Nun steht der Norden von Chile auf dem Programm.

    Wir bleiben vorerst noch einen Tag in Tongoy, um alles zu verstauen, was Franziska von der Schweiz mitgebracht hat. So z. B. ein Schüüfeli und Bäseli, weil die sowas hier nicht kennen. Oder ein Zigerstöckli, Schokolade, ein Fondue und vieles mehr. Dann endlich brechen wir am 15. März auf. Wir durchqueren die Atacamawüste. Diese Wüste gilt als die trockenste  Gegend der Welt. Seit Menschengedenken hat es hier keinen Niederschlag gegeben. Hier wächst im Gegensatz zu der Sahara überhaupt nichts mehr. Nur Sand und Stein so weit das Auge reicht.

      

    Dafür sehen wir viele Minen. Früher wurde hier im grossen Stil Salpeter abgebaut. Diese Minen sind heute nur noch Schrotthaufen und daneben sehen wir ganze Geisterstädte. Geblieben sind noch die Silber- und Kupferabbaugebiete.

      

    In Calama besichtigen wir die grösste Kupfermine der Welt. Unglaubliche 1500 Tonnen 99%-iges Kupfer werden jeden Tag aus diesem 3 km breiten, 5 km langen und 1 km tiefen Loch  abgebaut.

      

    Nach 4 Tagen in der Wüste mal auf Meereshöhe mal auf über 3600m erreichen wir San Pedro de Atacama, den Ausgangspunkt zur berühmt, berüchtigten Lagunenstrasse, die uns zum Salar de Uyuni in Bolivien führen soll. Leider erfahren wir erst hier, dass der gigantische Salzsee zum Teil immer noch unter Wasser steht. Das müssen die schlimmsten Niederschläge gewesen sein, als wir im Norden von Argentinien, unweit von Bolivien so verregnet wurden, dass dieser Salzsee im Altiplano immer noch unter Wasser steht. Eigentlich sollte ja jetzt dort alles knochentrocken sein. Wir müssen unsere Pläne ändern.

    Noch mehr Bilder zu Chile 5:

  • 04 Mrz 2011 /  Argentinien, Südamerika

    Vom Aconcagua zum Paso Agua Negra 29. 1. - 27. 2. 2011

    Obwohl sich die Anden im Grunde genommen bereits in Feuerland erheben und sich bis nach Venezuela an der Küste entlang ziehen, beginnen sie für uns eigentlich erst richtig hier. Alles Vorherige war im Vergleich nur Geplänkel.

    Kaum aus dem Tunnel gefahren, der Chile von Argentinien trennt, ein paar km links ins Tal hinein und wir stehen vor dem höchsten Berg ausserhalb des Himalayas, dem 6962 m hohen Aconcagua. Da wollen wir nun rauf……?! Nein, blöd…. Dieser Berg ist unter den Bergsteigern gefürchtet. Nicht wegen seiner Schwierigkeit sondern wegen seines nicht enden wollenden Aufstieges. Viele fallen ihm infolge Fehleinschätzung zum Opfer. Wir parken und schlafen auf 2850 m, dem Ausgangspunkt der Ersteigung. Von da geht es noch viele km ins Tal hinein und über 4100m hinauf. Oft sehen wir auf unserer Wanderung Richtung Basiscamp den Rettungsheli mit erschöpften und höhenkranken Berglern. Die Höhe lässt uns kaum schlafen, wir müssen uns jedoch daran gewöhnen, wollen wir doch noch viel höher hinauf.

      

    Nach der Überquerung des nächsten 3100 m hohen Passes erreichen wir Mendoza. Keiner verspürt Lust bei dieser brütenden Hitze in die Stadt zu fahren, so kaufen wir nur schnell ein und sind am Abend schon im NP Sierra de Las Quijades. Ein kleines rotes Gebirge, das sich mitten aus dem Flachland erhebt und mit spektakulären Felsformationen und fossilen Funden aufwartet. Unweit von unserem Schlafplatz können wir auf einer Rundwanderung in die verschiedenen Felsentäler, die durch Erosion entstanden sind blicken und geniessen alleine die Wildheit der Landschaft und den Sonnenuntergang. Da wir die einzigen Besucher sind, können wir mitten in der Nacht bei tropischen Temperaturen den tollen Sternenhimmel und viele Leuchtkäfer, die mit drei verschiedenen Laternen am Körper ausgerüstet sind sehen. Und das alles füdliblut. Auch wundern wir uns immer wieder, dass das Sternbild Orion auf dem Kopf steht und das Kreuz des Südens kaum zu erkennen ist vor lauter anderen Sternen.

      

    In Nono ca. 150 km vor Cordoba bleiben wir ein paar Tage. Wir updaten unsere Homepage, bädelen im direkt vor unserer Nase fliessenden, seichwarmen Fluss und sind faul. Derweil passt sich Hidalgo sogar endlich seiner Umgebung an, sodass wir ihn kaum wiederfinden.

      

    Cordoba, die viel gerühmte alte Universitätsstadt enttäuscht uns sehr. Die Klosteruniversität ist wegen Februar, die Kathedrale wegen Sonntag, die goldene Kapelle, weil die Jesuiten nicht wollen, geschlossen. Wir haben es natürlich auch wieder geschafft, mitten in der Siesta in der Stadt zu sein, denn hier steht nun wirklich alles von 12.30 Uhr bis nach 17.00 Uhr still. Auf der Touriinfo nimmt man unser Nachfragen mit einem Achselzucken zur Kenntnis: „Die Stadtregierung habe kein grosses Verständnis für Tourismus“.

      

    Dann halt nicht, wir fahren wieder in die Pampa und wollen als nächstes Ziel zu den grossen argentinischen Salzseen. Doch auch hier ist ausser strömendem Regen nichts zu finden. Wir suchen stundenlang einen Zugang zu den Salzseen, bleiben aber immer entweder vor einem Zaun oder dichtem Dornengewächs hängen. Endlich finden wir einen kleinen, staubigen, bachbettähnlichen Weg runter zu den Salinas Grandes und können vor dem nächsten Wolkenbruch ein paar Fotos mit speziellen Perspektiven schiessen. Mehr erhoffen wir uns dann auf dem Salar Uyuni in Bolivien. Mit Übernachten ist hier auch nichts, so fahren wir durch bis La Rioja.

      

    Grosses Staunen hier. Diese kleine Provinzstadt gefällt uns auf Anhieb. Es herrscht ein buntes Treiben, es gibt schöne Fussgängerzonen, Parks und farbige Geschäfte und wir haben irgendwie das Gefühl, die Leute leben hier gerne. Überall wird gelacht und wir werden von der guten Stimmung richtig angesteckt. So hat sich der grosse Umweg ins Mittelland doch noch gelohnt.

    Dann ein paar Tage nach Südwesten in die NPs Talampaya und Valle de Luna. Der erste besticht durch seine roten Felsformationen und Felix macht nach der leider nur geführten Rundtour mit dem Bussli noch eine 4 stündige Wanderung ins Herz dieser Berge. Es gibt Täler, in denen man sein Echo erst nach 5 Sekunden, dafür dann aber bis zu 6 x hören kann. Echt gut.

       

    Den zweiten darf man nur noch im Konvoi mit Parkranger befahren. 4 Stunden durch unglaubliche Farben, Canyons und Flusstäler. Der Höhepunkt dieses Parks ist das Bocciakugelfeld, von dem bis heute noch niemand etwas über seine Entstehung weiss. Wir haben tolle Tage in wilder Natur.

       

    Zurück in La Rioja entschliessen wir uns, doch noch die Ruta 40 nach Norden fertig zu fahren. Wir müssen in die Einsamkeit fliehen. Fliehen vor den Argentiniern. Wo immer ein Argentinier steht, arbeitet, oder was auch immer läuft Musik. Stehen 3 Argentinier nebeneinander, hat jeder seinen eigenen Lärm. Auf einem Camping gibt es dutzende Arg. und jeder hört seine Musik. Nicht etwa leise, nein, sehr laut sogar, bis tief in die Nacht und niemanden scheint dies zu stören. Ausser uns, und zwar sehr. Zusätzlich hat jedes Kaff zurzeit sein eigenes Musikfestival. Wir schaffen es dauernd, genau zur Eröffnung in diesen Dörfern anzukommen. Die verstärkte Folkloremusik dröhnt immer km weit durch die Gegend und dauert oft bis 07.00 Uhr am Morgen. Dann kommt der Granatenabschluss. Ein Feuerwerk bei Sonnenaufgang. Wie sagte Obelix schon immer? Die spinnen die ………………!

      

    Weindegustation:

    Ab Cafajate (Musikfestival!) endet die geteerte Strasse, es folgen 600 km Ripio, jedoch durch atemberaubende Andentäler und Pässe. Nach 90 km soll es 20 km nach links in ein Tal hinein gehen, um dort auf dem höchstgelegenen Weingut der Welt eine Probe des erlauchten Rebensafts zu geniessen. Wir lesen auch im Reiseführer, dass das Weingut einem Schweizer gehört und stellen uns so ganz nett vor, mit ihm zusammen zu spröcheln, währendem er uns sein kleines Reich zeigt.

    Kurz nach der Abzweigung scheint der Plan bereits geplatzt, führt der Fluss doch gerade Hochwasser. Wir aber wollen zum Wein.

    Felix durchwatet barfuss den 100 m breiten Rio und befindet die Durchfahrt nicht für unmöglich. Also 4×4 und Untersetzung rein und durch. Es geht mit Allrad weiter durch Sand, Flüsse, und wilde steile Schluchten, echt nur was für Offroader.

      

    So kommen wir über den letzten Kamm ins Tal und sehen……! Das kann doch nicht wahr sein. Ein riesiges, stilvolles, ja unglaubliches Anwesen mitten im Nichts. Ein Hotel für betuchte Weinfans, ein Mega Gebäude mit Infokino, Bodega, Produktion und Abfüllerei, Weinlabor, ein Kunstmuseum und, sogar einen Helilandeplatz. Hä ja, wie sollen die Leute sonst auch herkommen?

       

    Donald Hess hat sich hier ein Königreich geschaffen. Der Wein. Ein Colomé Malbec ist international prämiert und echt gut J. Eine Flasche im Direktverkauf kostet nur lächerliche CHF 80.00. Für seine Campesinos (Landarbeiter) hat er sogar ein Dorf mit Schule und Kirche gebaut.

    Wir probieren 4 verschiedene Weine ohne den Chef zu sehen und verdünnisieren uns wieder aus diesem Luxustal in die Berge, wo wir auf 2500 m mit tollem Panorama übernachten.

       

    Ein harter Tag:

    Die morgendliche Flussdurchquerung ist wieder kein Problem und wir steuern auf der 40 den höchsten Andenübergang von Argentinien an. In Cachi wollen, müssen wir noch den nur halbvollen Tank füllen, um sicher über diesen 135 km langen Pass nach San Antonio de los Cobres zu kommen.

    Ab hier wird es hart. Im ganzen Dorf gibt es vorläufig keinen Diesel. Jetzt haben wir ein Problem. Zurück nach Cafayate wollen wir nicht, und rechts abbiegen nach Salta ist zu weit. Also bleibt uns nur die Flucht nach vorn. Sollte die Strasse aus irgendwelchen südamerikanischen Gründen nicht mehr weiter gehen, hätten wir jederzeit genug Sprit, um zurück zu fahren und auf Diesel zu warten.

       

    Kurz nach der Puente del Diabolo fängt es an zu regnen und 20 km weiter hat der Regen von gestern die Strasse auf einer Länge von 200 m einfach weggespült. Wir haben aber Glück, denn auf der anderen Flussseite ist bereits ein Bagger daran, einen neuen Durchgang zu buddeln. Nach einer Stunde ist der Steilhang soweit entschärft, dass wir es ohne zu kippen wagen können und durch den Fluss wieder auf die 40 kommen.

       

    Noch diverse andere Flüsse sind zu durchfahren bis wir, bereits auf 3500 m vor dem nächsten Hindernis stehen. Eine kleine Felslawine hat die Piste verschüttet. Diesmal steht kein Bagger zur Verfügung, wir schaffen es aber auch so, einen schmalen Keil frei zu räumen.

      

    Was kann noch kommen? Sollen wir umkehren? Wir sind ganz allein hier unterwegs! (Kein Wunder) Aber wir haben ja Hidalgo.

    Nun geht es nur noch mit 4×4 und Untersetzung weiter, da der Regen, nun ein Gewitter, stark zugenommen hat und die Piste zur Schmierseife macht.

    Nach vielen Stunden und noch mehr Haarnadelkurven mit jeweiligem zurücksetzen schiessen wir im Schneesturm auf 4895 m unser Gipfelbild.

       

    Zum Teil im Schritttempo rutschen wir auf der anderen Seite hinunter. Müde und glücklich kommen wir noch bei Tageslicht am Ziel auf 3770 m an und klopfen uns stolz auf die Schultern.

    Bei Abra Pampa, ca. 80km vor der bolivianischen Grenze haben wir den für uns nördlichsten Punkt von Argentinien erreicht, nun geht es, da der Regen uns vorwärts treibt ziemlich schnell, am Rande der Anden nach Süden. Zuerst durch das 7-Farbental nach Tilcara (Musikfestival!), dann über San Salvador de Jujuy nach Salta, wo wir auf dem Camping alte Bekannte und Freunde wieder treffen. Bei sintflutartigem Regen der riesige Landstriche überflutet, flüchten wir über die Sierra Aconquija, Catamarca, La Rioja zurück ins Valle de Luna auf den Campingplatz.

      

    Hier dürfen wir gratis stehen, bis sich das Wetter bessert und wir die Rückfahrt über den 4700 hohen Paso Agua Negra nach Chile in Angriff nehmen können.

       

    Auf den Paso Agua Negra haben wir uns schon lange gefreut und das Warten hat sich gelohnt. Heute herrscht Kaiserwetter. Früh am Morgen starten wir im Valle de Luna und erreichen kurz nach Mittag den argentinischen Zoll. Hier müssen wir ausstempeln und von hier sind es noch über 150 km bis zum chilenischen Zoll und 230 km bis zur nächsten Tankstelle. Wir wollen den Pass so richtig geniessen, deshalb übernachten wir auf 3100m . So haben wir morgen den ganzen Tag Zeit für die Überfahrt.

      

    Was wir dann hier an Farben und Formen erleben, sprengt unsere literarische Fantasie, wir lassen einfach die Bilder sprechen.

       

    Gute 12 Stunden später sind wir an der Grenzkontrolle, im heissen, wolkenlosen Chile.

    Hier gibt’s noch viele Bilder zu Argentinien 8:

  • 01 Feb 2011 /  Chile, Südamerika

    Der kleine Süden von Chile 10. 1. – 29. 1. 2011

     

     

    Am 10. Januar stehen wir im Touristenort Pucón, direkt am Fusse des aktivsten Vulkans von Chile. Da Franziskas Knie hält, wollen wir diesen nun besteigen. Doch auch hier darf man nur mit Führer, Helm, Steigeisen und Pickel, diesen so „höchst gefährlichen Aufstieg“ auf den Villarica wagen. Wir werden jedoch weder das Eine noch das Andere brauchen, inkl. des Führers. Egal, wir wollen beide unbedingt unseren Blick in einen aktiven, brodelnden Vulkankrater werfen.

      

    In Pucón geht es zu wie auf einem orientalischen Bazar. Dutzende Outdooradventures Läden wollen uns vom Canoning, Rafting, Offroadjeepfahrten bis zur Vulkanbesteigung alles verkaufen. Mit dem 3. Anbieter werden wir warm und buchen. Er gibt uns Geldrückgabegarantie bei schlechtem Wetter, was hier sonst gar nicht üblich ist. Oft steigen Guides mit den Touris 500 m rauf zur Schneegrenze, um dann den Leuten zu sagen, dass es bei diesem Wetter so nicht geht. Das war`s dann und 35`000 Chilepeso (CHF 70.-) sind weg.

    Vom ausgelatschten Schuhwerk über Jacken, Hosen und Handschuhen kann man hier alles im Preis inbegriffen mieten, was auch beinahe von allen in Anspruch genommen wird. Viele haben vorher noch nie einen Berg bestiegen oder sogar Schnee gesehen. Fragen über Kondition, Trittsicherheit usw. kommen nicht. Wir wundern uns nur und Felix bekommt langsam Angst, eine Radiowanderung gebucht zu haben. Tatsächlich!!!

      

    Bei herrlichem Wetter treffen wir uns um 06.30 Uhr zur Kleideranprobe. Dann fahren wir mit vielen Kleinbussen im Konvoi zum Berg. Beim Sessellift, der die ersten 400 Höhenmeter überbrückt, stehen sicher schon gegen 100 oder mehr Berggänger an. Unsere Gruppe entschliesst sich, von hier aus zu wandern und ist ebenso schnell oben wie die Bähnlifahrer. Ausser dass der 1. schon nach 5 Minuten schlapp macht und zur Talstation zurückkehrt. Es wird nicht der einzige bleiben.

      

    Wir haben uns mittlerweile auf derartiges eingestellt und geniessen den langsamen Aufstieg im Gänsemarsch. 4 ½ Stunden später (1400 m Höhenunterschied) stehen wir vor einer Wahnsinnskulisse auf dem 2850 m hohen Gipfel. Vor uns klafft der Krater und raubt uns mit seinen giftigen Schwefel- und anderen Dämpfen den Atem. Flüssige Lava sehen wir keine, da der Krater zu tief ist, jedoch hören wir sie deutlich rumpeln. In diesem Loch, oben ca. 250 unten ca. 15 m im Durchmesser ist im wahrsten Sinne des Wortes der Teufel los.

      

    Eine Stunde später beginnt mit Plastikfüdlischlitten die Höllenfahrt zurück ins Tal. Hätte Felix dürfen, wäre er in 10 Minuten wieder unten gewesen. Auch Franziska lässt es ganz schön sausen, flitzt an allen anderen wie ein Bob vorbei, bis wir völlig durchnässt das Tal erreichen.

      

    Ein tolles Erlebnis, eine gemütliche Schneewanderung und ein schöner Tag. Hätten wir bloss die Ausrüstung gemietet. Mit den durchnässten Schuhen und Hosen müssen wir noch 10 Minuten durch feinsten Lavastaub und sind von Kopf bis Fuss paniert wie ein Wiener Schnitzel. Im Bach beim Camping können wir den Schaden aber schnell wieder beheben.

      

    Um uns von dieser „extrem harten“ Tour zu erholen, finden wir in einem Araukarienwald 30 km westlich von Pucón eine heisse Therme. Daniel, Ami und Besitzer derselben, schickt uns noch auf eine lohnende Bergtour zur Laguna Alicia. Fernab von allem Ferienrummel geniessen wir schöne Tage im Busch.

      

    Obwohl Chile meistens nur ca. 200 km breit ist, kommen wir nur langsam im Zickzack Richtung Santiago voran. So viel Schönes gibt es hier zu sehen. Mal links an der kühlen Pazifikküste, mal rechts in den Bergen und Vulkanen. In Valdívia bestaunen wir die frechen Seelöwen, die am Markt auf Fischabfälle warten und zu nahe kommende Touris auf dem Land bedrohen und vertreiben.

      

    Absolut begeistert sind wir von dem für uns am bisher schönsten Nationalpark. Der NP Conguíllio besticht durch urtümliche Mischwälder mit Araukarien und Coihue-Buchen, verschiedenfarbige, glasklare Seen, und mittendrin der 3125 hohe majestätische Vulkan Llaima. Er ist der aktivste Vulkan Chiles (schon wieder) mit nicht weniger als 22 Ausbrüchen allein im 20. Jahrhundert, zuletzt im Januar 2008 und April 2009. Wir fahren durch frische, bizarre Lavafelder und schlafen im Hochrisikogebiet direkt an einer blauen Lagune, die sich durch Schneewasser nach einem Ausbruch gebildet hat. Umwerfend schön! Vom höchsten Punkt unserer Wanderung zur Sierra Nevada haben wir das Hammerpanorama schlechthin. Vor uns der Llaima und im Hintergrund Villarica und der Lanín.

      

    Auf wildesten Pisten schlängeln wir uns dann bald wieder an der Küste entlang nach Norden. In Constitucn sehen wir, was ein Erdbeben und ein Tsunami so wirklich alles anstellen können. Wir besuchen ein Rodeo und decken uns in Los Angeles für mehrere Tage mit Futter, Wein und Wasser ein, denn wir bekommen Besuch. Das lang geplante Treffen mit Ruth und Walter in ihrem Suri, die von Alaska kommen, findet statt. Nicht einmal 2 Jahre haben die beiden hierher gebraucht. Wera und Friso geben uns per SMS einen GPS-Punkt durch, wo ein gemütliches Treffen möglich wäre. Super Tipp und vielen Dank an Euch.

      

    Beatrice die rüstige Bernerin, die seit über 19 Jahren hier im fruchtbaren Mataquito Valley bei km 35 in ihrem Adobehaus wohnt, stellt uns kurzerhand ihr Reich gratis zur Verfügung. Herzlichen Dank an Dich Trix, solltest Du es schaffen dies einmal zu lesen. So haben wir nun alle Zeit und Ruhe der Welt, in ihrem Garten mit allen erdenklichen Früchten und vielen Tomaten uns auszutauschen. Wir haben grossen Spass und Ruth und Walti tanzen sogar zu Felixmusik einen Rock‘n Roll.

      

    Da wir praktisch identische Fahrzeuge haben, gibt es natürlich ausser den Reiserouten, Sehenswürdigkeiten, Schlafplätzen usw. auch sonst viel zu fragen und erzählen. Walti zeigt uns, wie man in ihrem Suri mehrere Wasserschäden behebt, und wir ihnen, wie klein Badetücher sein können. (smile)

      

    Gerne wären wir mit ihnen ein bisschen unterwegs, aber einer von uns hätte die falsche Richtung. Vielleicht treffen wir uns später im Pantanal von Brasilien wieder.

    3 kurze Nächte später sagen wir uns tschüss und fahren am 29.1. 2011 auf der PanAm über Santiago und den Paso Libertadores nach Argentinien.

      

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